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Netzwerktreffen in Wien: Sechs LĂ€nder, viele gemeinsame Interessen
Ende Juni trafen sich in Wien Organisationen aus sechs europäischen Ländern, um die Vision einer gemeinsamen Interessenvertretung für angestellte Pharmazeuten in öffentlichen Apotheken voranzubringen. Gastgeber war der Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ), als Gäste waren Vertreter aus Deutschland (ADEXA), Frankreich, Dänemark, Belgien und erstmals auch aus Kroatien angereist.
Auf der Tagesordnung stand zunächst der Austausch über gesetzliche und tarifliche Arbeitszeiten, Überstundenregelungen und Urlaubsansprüche, über die Höhe von Gehältern und Zulagen und deren tarifliche bzw. gesetzliche Festlegung sowie über die nationalen Regelungen zur Abgabe von Rx- und OTC-Präparaten. Außerdem wurde in der abschließenden Session vereinbart, die Ziele und Strukturen einer gemeinsamen Interessenvertretung europäischer Apothekenangestellter bis zum nächsten Treffen 2011 in Bordeaux durch konkrete Konzepte voranzutreiben. Die Sicherung von Arbeitsplätzen, gute Arbeitsbedingungen und eine qualitativ hochwertige und sichere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln gehören in jedem Fall zu den gemeinsamen Interessen aller teilnehmenden Organisationen. Außerdem wollen alle Vertreter einen direkten Nutzen für die Mitglieder der einzelnen Gewerkschaften schaffen. Den Anfang soll eine gemeinsame Website bilden, in denen sich die Gewerkschaftsmitglieder aller Länder über das Arbeiten im Ausland informieren können. Über die Situation in Deutschland referierten ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer und die Leiterin des ADEXA-Justiziariats, Iris Borrmann. Nachfragen von den ausländischen Teilnehmern kamen insbesondere zu den Rabattverträgen und zu den Berufsgruppen aus DDR-Zeiten. Zusammen mit dem VAAÖ gehört ADEXA zu den Initiatoren des Netzwerks (Infos unter www.adexa-online.de bzw. www.vaaoe.at). Für Frankreich waren Vertreter der Apothekerkammer (Ordre National des Pharmaciens, Section D) sowie der Gewerkschaft CFE-CGC anwesend, für Belgien ein Vertreter von OPHACO, aus Dänemark ein Vertreter von Pharmadanmark sowie eine Vertreterin der Pharmazeutischen Gesellschaft Kroatiens. Hier ein Blick auf Besonderheiten in den fünf anderen Ländern:Freiwahl in Frankreich
Seit 2008 gibt es in den französischen Apotheken einen Freiwahlbereich für bestimmte Arzneimittel in der Selbstmedikation bei Indikationen wie Erkältung, Husten, Kopfschmerz und Magenverstimmung. Obwohl zunächst über zwei Drittel der französischen Gesundheitsberufler gegen den entsprechenden Plan der Regierung gewesen waren, haben bis Ende 2009 mehr als die Hälfte der öffentlichen Apotheken solch einen Bereich eingerichtet. Er steht unter der Aufsicht eines beratenden Apothekers. Von den französischen Kollegen wird die AM-Freiwahl inzwischen sogar positiver bewertet als ein vergleichbares Angebot an Kosmetika in der Freiwahl, da sie das Image der Apotheken als qualitativ hochwertige und sichere Arzneimittelabgabestelle stärken. Dänemark: OTC-Abgabe außerhalb der Apotheke
Beispiel Dänemark: Mit 319 Abgabestellen und 4.214 Beschäftigten stellt der nördliche Nachbar Deutschlands einen vergleichsweise überschaubaren Apothekenmarkt. Pharmadanmark vertritt allerdings nicht nur Pharmazeuten aus den öffentlichen Apotheken, sondern auch aus der Industrie, in Kliniken, Universitäten etc. sowie 1000 Studierende aus 26 Fachbereichen. Die Gehälter in den Apotheken und dem öffentlichen Sektor weichen nicht so stark voneinander ab. Im Schnitt verdient ein Apotheker ohne Notdienstgebühren rund 6.000 Euro pro Monat. Seit 2001 werden in Dänemark einige OTC-Produkte in registrierten Abgabestellten außerhalb von Apotheken verkauft. Außer bei den Raucherentwöhnungsmitteln hat es dadurch keinen Anstieg im Verbrauch dieser freien Mittel gegeben. Deshalb hat die Danish Medicines Agency vorgeschlagen, dass neue OTC-Mittel im Normalfall nach zwei Jahren frei verkauft werden dürfen. Pharmadanmark plädiert dagegen für einen Umkehrung des Trends, so dass wieder mehr Arzneimittel von pharmazeutischem Personal abgegeben werden. Denn: „Keine Zunahme im Verbrauch ist nicht gleichbedeutend mit rationalem Verbrauch“. Österreichs Apotheker dürfen nicht versenden
In Österreich ist der Versandhandel mit Rx-Mitteln ganz verboten. Österreichischen Apotheken dürfen auch keine OTC-Mittel versenden. Die Bürger können allerdings OTC-Produkte von Versandapotheke aus der EU bestellen. In dem betreffenden Land muss das Mittel auch rezeptfrei erhältlich sein und es muss eine österreichische Lizenznummer haben. Zum Gehältersystem im südlichen Nachbarland finden Sie hier mehr:
Eine Besonderheit: Arbeitgeber zahlen sowohl für Apotheker als auch für Aspiranten (entspricht den deutschen PhiP) einen einheitlichen Satz an die Gehaltskasse (3.852 € bzw. 1.692 €), die dann nach Berufsjahren gestaffelt an die Angestellten in 18 Gehaltsstufen die Gehälter auszahlt. Dazu kommt eine Ausgleichszulage aus dem Kollektivvertrag (Tarifvertrag) für jeden Apotheker in Höhe von 946,20 € und für die Aspiranten in Höhe von 520,50 €, den der Betrieb direkt an die Mitarbeiter zahlt. Belgien: „Betriebsräte“ in jedem Unternehmen
In Belgien muss in jedem Betrieb ein Gremium, bestehend aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, ein sogenanntes "Reglement de Travail" mit den Arbeitsbedigungen wie Arbeitszeiten, Notdiensten, Gehaltszahlungen etc. festlegen. Leitende Apotheker sind von dieser Regelung ausgenommen. Außerdem sind vom Gesetzgeber Mindestbedingungen vorgeschrieben. Kroatien: Strukturen im Aufbau
Für die Niederlassung von Apotheken in Kroatien gibt es geografische und demografische Kriterien. In den rund 1060 öffentlichen Apotheken, von denen 65 Prozent in Privatbesitz sind, arbeiten 2.462 Apotheker. Seit 1992 ist die Zahl privater Apotheken stark gestiegen und die der staatlichen zurückgegangen; Daneben gibt es auch Apotheken, die verpachtet sind. An der Universität von Zagreb befindet sich die einzige pharmazeutische Fakultät des Landes. Seit 2004/2005 gibt es ein an den Bolognaprozess angepasstes fünfjähriges Studium. Jedes Jahr schließen ca. 130 Pharmazeuten das Studium ab. Die Zulassung muss alle sechs Jahre erneuert werden, dazu müssen Fortbildungspunkte gesammelt werden – andernfalls ist ein schriftliches und mündliches Examen notwendig. In Kroatien existiert für Arzneimittel eine Positivliste – diese Mittel erhält der Patient kostenlos; bei anderen Medikamenten beträgt die Zuzahlung 10-50 Prozent. Die Honorierung der Abgabe durch die staatliche Krankenversicherung (CIHI) wird als zu niedrig und die durchschnittliche Erstattungszeit mit 185 Tagen als zu lang kritisiert. Dr. Sigrid Joachimsthaler
Veröffentlicht am 09.07.2010 von Dr. Sigrid Joachimsthaler
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