Aufwertung des PTA-Berufs: Fortschritte, Herausforderungen und Perspektiven für 2026

Spätestens seit 2025 ist die Rolle der pharmazeutisch-technischen Assistent:innen stärker in den Fokus der berufspolitischen Diskussion gerückt. Für ADEXA war die ausdrückliche Anerkennung durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken als „wichtige Berufsgruppe in der Apotheke“ ein Erfolg. Doch nicht nur in der Gesetzgebung besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.
Die politische und öffentliche Aufwertung des PTA-Berufs ist ein zentraler Baustein, um dem Fachkräftemangel in Apotheken entgegenzuwirken und die Attraktivität des Berufs langfristig zu steigern. „Diese Wertschätzung ist entscheidend, um die Arzneimittelversorgung in Deutschland langfristig zu sichern und Apotheken als attraktive Arbeitgeber zu stärken“, betont ADEXA-Bundesvorstand Andreas May. Im Kabinettsentwurf des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) spiegele sich diese Haltung jedoch bislang nicht wider. Kritisch bewertet May insbesondere die erneute Verschiebung der dringend notwendigen Honorarerhöhung sowie die geplante Vertretungsregelung für PTA, die vorrangig Versorgungslücken im ländlichen Raum schließen solle, ohne eine gezielte Qualifikationsförderung vorzusehen.
Strukturelle Aufwertung und Qualifizierung
„PTA übernehmen einen großen Teil der pharmazeutischen Aufgaben – häufig im direkten Patientenkontakt und mit hoher fachlicher Verantwortung“, so May. Um diese Leistung angemessen zu würdigen und die Arzneimittelversorgung langfristig zu sichern, braucht es erweiterte Kompetenzen, klare Karrierewege und eine angemessene Vergütung.
ADEXA plädiert dafür, ein praxisorientiertes Aufbaustudium für PTA zu entwickeln, das sich an erfolgreichen Modellen wie dem Physician Assistant orientiert. Damit könnten qualifizierte PTA gezielt auf anspruchsvollere Tätigkeiten vorbereitet werden – etwa im Bereich pharmazeutischer Dienstleistungen, Impfberatung oder digitaler Versorgungsprozesse. Voraussetzung für die Umsetzung sind rechtlich klare Rahmenbedingungen, ein sorgfältig abgestimmtes Curriculum, definierte Verantwortungsbereiche und tragfähige Finanzierungsmodelle. „Nur so entsteht ein echter Mehrwert für PTA und Apothekenteams“, unterstreicht May. Befürchtungen, eine Erweiterung der PTA-Kompetenzen könnte zu Konkurrenz mit angestellten Apotheker:innen führen, teilt May nicht. Ziel müsse es sein, die Approbierten zu entlasten, damit sie sich auf komplexe pharmazeutische Tätigkeiten konzentrieren können.
Tarifliche und rechtliche Absicherung als Grundlage
ADEXA-Vorstandsmitglied Tanja Kratt warnt indes davor, neue Aufgabenbereiche zu schaffen, ohne zugleich verbindliche tarifliche und gesetzliche Grundlagen zu etablieren. Eine angemessene Vergütung höher qualifizierter PTA setzt nach Ansicht von Kratt eine auskömmliche und gezielte Finanzierung der Vor-Ort-Apotheken voraus. „Politisch braucht es jetzt entschlossenes Handeln: die sofortige Umsetzung der im Koalitionsvertrag zugesagten Honorarerhöhung, eine Korrektur der Regelungen im ApoVWG, die Einführung einer neuen Tarifstufe für qualifizierte PTA sowie eindeutige rechtliche Vorgaben, etwa zur Haftung“, erläutert sie. Ohne diese Schritte bleibe jede angekündigte Aufwertung reine Symbolpolitik.
ADEXA fordert Apothekenreform mit Substanz
Der Zeitplan für die Apothekenreform sieht zunächst die Beteiligung der Länder und voraussichtlich am 26. Februar die erste Lesung im Bundestag vor. „ADEXA wird den Gesetzgebungsprozess wie im Vorjahr aktiv begleiten und ihre Positionen einbringen“, kündigt Andreas May an. Gespräche mit politischen Entscheidungsträger:innen sind bereits geplant.
May und Kratt sind sich einig: „Wir wünschen uns eine Apothekenreform, die diesen Namen auch verdient – mit einer angemessenen Honorarerhöhung, die den Apotheken mehr finanzielle Spielräume eröffnet und zugleich die Grundlage für faire Tariferhöhungen schafft. Nur so kann die Arbeit des gesamten Apothekenteams nachhaltig gesichert und gewürdigt werden.“
Martina Schiffter-Weinle


