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Böckler-Analyse: Apotheken im Wettbewerb um Fachkräfte

Während in der Industrie Stellen abgebaut werden, verschärft sich der Fachkräftemangel in vielen anderen Bereichen weiter. Besonders das Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen – und damit auch öffentliche Apotheken. Wer künftig qualifiziertes Personal gewinnen und halten will, muss den Wandel aktiv gestalten.

Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung widersprüchlich: Während Medien vom Stellenabbau in verschiedenen Branchen berichten, warnen Forschende vor einem zunehmenden Fachkräftemangel. Tatsächlich schließen sich beide Entwicklungen nicht aus. Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel: In einigen Bereichen fallen Arbeitsplätze weg, in anderen steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften weiter an. Das zeigt eine aktuelle Studie von Anke Mönnig, Marc Ingo Wolter, Christian Schneemann und Michael Kalinowski (Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie Bundesinstitut für Berufsbildung), veröffentlicht in den WSI-Mitteilungen der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach könnten bis zum Jahr 2040 in 14 von 37 Berufsgruppen offene Stellen erst nach mehr als 90 Tagen wieder besetzt werden. Besonders betroffen sind Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen – und damit auch Apotheken.

Demografie als größte Herausforderung

Der wichtigste Treiber dieser Entwicklung ist die demografische Veränderung. Mit dem Eintritt der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand verlassen in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen den Arbeitsmarkt, als junge Fachkräfte nachrücken. Selbst wenn die Erwerbsbeteiligung und die qualifizierte Zuwanderung weiter steigen, rechnen Forschende branchenübergreifend bis 2040 mit rund 900.000 weniger Erwerbstätigen als noch in 2023.

Für Apotheken bedeutet das einen verschärften Wettbewerb um approbierte Apothekerinnen und Apotheker, um PTA und PKA. Schon heute berichten viele Betriebe von immensen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen oder Vertretungen zu finden. Gerade in ländlichen Regionen wird die Personalgewinnung zunehmend zu einer Existenzfrage.

Wandel eröffnet neue Anforderungen

Neben der Demografie verändern weitere Faktoren den Arbeitsmarkt: Klimawandel, Energiewende, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verschieben Beschäftigung zwischen Branchen und verändern Qualifikationsprofile. Auch Apotheken übernehmen immer mehr Aufgaben – nicht zuletzt durch das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das im Juli 2026 in Kraft getreten ist und Apotheken unter anderem neue Aufgaben in Prävention und Diagnostik überträgt. Der Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird dadurch in absehbarer Zeit weiter zunehmen. 

Gute Arbeitsbedingungen werden zum Wettbewerbsvorteil

Studien zeigen: Um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, sind neben fairen Löhnen attraktive Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben entscheidend. Dazu gehören der Ausbau von Kinderbetreuung und Pflegeangeboten sowie Rahmenbedingungen, die Teilzeitkräften eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit erleichtern.

Fachkräftesicherung ist eine Zukunftsaufgabe

Bleibt als Fazit: Der Fachkräftemangel wird sich nicht von selbst lösen. Für Apotheken bedeutet dies, Personalentwicklung strategisch zu denken und sich als attraktive Arbeitgebende zu positionieren. Wer heute in Qualifizierung, moderne Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterbindung investiert, verbessert nicht nur seine Wettbewerbsfähigkeit, sondern sichert langfristig die pharmazeutische Versorgung vor Ort.

Michael van den Heuvel

Quelle

Mönnig, A.; Wolter, M. I.; Schneemann, C.; Kalinowski, M. (2026): Der Arbeitsmarkt 2040. In: WSI-Mitteilungen, Heft 3/2026.
Ergänzend: Spieß, C. K.; Sulak, H. (2026): Verborgene Erwerbspotenziale. Lübker, M. (2026): Fachkräfteengpässe und Entgeltentwicklung. Hans-Böckler-Stiftung, online.