Der eHBA ist Arbeitsmittel – nicht Privatanschaffung

Er ist für Apothekerinnen und Apotheker unverzichtbar: der elektronische Heilberufsausweis (eHBA). Ohne ihn läuft in der Telematikinfrastruktur wenig. Umso gravierender sind die aktuellen Probleme: sicherheitsbedingte Austauschaktionen, auslaufende Karten der ersten Generation – und mittendrin ungeklärte Kostenfragen.
Auslöser der Debatte um den eHBA ist eine bekannt gewordene Sicherheitslücke bei bestimmten Kartenkonstellationen innerhalb der Telematikinfrastruktur. Die zuständigen Organisationen betonen, es handle sich um eine rein vorsorgliche Maßnahme zur Sicherung der Systemintegrität. Die betroffenen eHBA sollen ersetzt werden – und zwar grundsätzlich kostenfrei. Doch was auf dem Papier einfach klingt, erweist sich in der Praxis als schwierig.
Erstes Problem: Austausch mit Haken
Der „unkomplizierte“ Austausch funktioniert nur, wenn alle bei der Beantragung hinterlegten Daten unverändert geblieben sind. Genau hier beginnt das Problem: Wer umgezogen ist oder geänderte Stammdaten hat, fällt aus dem vereinfachten Verfahren heraus.
Die neuen Karten werden automatisch an die alte Adresse verschickt. Ist die betroffene Person dort nicht mehr erreichbar, scheitert die Zustellung. Da für die Übergabe ein Identifizierungsverfahren wie PostIdent erforderlich ist, ist eine persönliche Anwesenheit vor Ort notwendig – faktisch unmöglich bei einem Wohnortwechsel.
Diese „Umzugsfalle“ zwingt viele Apothekerinnen und Apotheker in ein deutlich aufwendigeres Verfahren: Statt eines einfachen Austauschs ist ein komplett neuer Antrag inklusive erneuter Identitätsprüfung erforderlich. Das bedeutet nicht nur zusätzlichen bürokratischen Aufwand, sondern teilweise auch Kosten.
Anbieter bestätigen die Problematik: Die Ersatzkarte ist lediglich eine Kopie der bestehenden Karte; Änderungen an den Daten sind nicht möglich. Sobald zertifikatsrelevante Angaben angepasst werden müssen, wird ein neuer – meist kostenpflichtiger – Antrag erforderlich.
Zweites Problem: Auslaufende Karten
Parallel zur Austauschaktion läuft bei vielen Apothekerinnen und Apothekern die erste eHBA-Generation aus. Auch hier ist ein Ersatz erforderlich – in Form eines Folge-eHBA. Damit stellt sich erneut die Frage: Wer trägt die Kosten?
Finanzierung eigentlich geregelt – oder doch nicht?
Nach Auffassung von ADEXA ist die Lage eindeutig: Die Kosten gehören in den Verantwortungsbereich der Apothekenleitung. Grundlage ist die Finanzierungssystematik der Telematikinfrastruktur. Der Deutsche Apothekerverband organisiert über den Nacht- und Notdienstfonds die sogenannte TI-Pauschale – eine monatliche Zahlung, die sämtliche TI-Kosten abdecken soll, einschließlich der eHBA. Mit anderen Worten: Die Kosten für die Heilberufsausweise sind bereits eingepreist. Der eHBA ist damit keine private Investition einzelner Approbierter, sondern Teil der betrieblichen Infrastruktur.
Auch arbeitsrechtlich spricht vieles für diese Einordnung. Zwar wird der eHBA personenbezogen ausgestellt, seine Nutzung erfolgt jedoch fast ausschließlich im beruflichen Kontext. Ohne ihn können zentrale Anwendungen der Telematikinfrastruktur nicht genutzt werden – mit direkten Auswirkungen auf den Apothekenbetrieb. Was für die Berufsausübung zwingend erforderlich ist, gilt als Arbeitsmittel – und fällt damit in die Verantwortung von Chefin oder Chef.
Ein System mit Lücken
Trotz dieser klaren Argumentationslinie fehlt bislang eine verbindliche Regelung. Die offiziellen Informationen beschränken sich weitgehend auf technische und organisatorische Details. Die arbeitsrechtliche Dimension bleibt unbeantwortet. Das Ergebnis: Unsicherheit, Mehraufwand und im schlimmsten Fall zusätzliche Kosten für angestellte Apothekerinnen und Apotheker.
Fazit: Keine verbindlichen Regelungen
Für ADEXA ist die Bewertung klar: Der eHBA ist ein unverzichtbares Arbeitsmittel. Seine Finanzierung ist über die TI-Pauschale bereits vorgesehen. Daraus folgt, dass die Kosten von den Apothekeninhaber:innen zu tragen sind.
Was fehlt, ist eine eindeutige und verbindliche Regelung durch die zuständigen Institutionen. Ohne sie droht das aktuelle Problem zur Dauerbaustelle zu werden – auf dem Rücken der Approbierten.
Michael van den Heuvel
