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Erasmus+-Programm in der Apotheke: Europäischer Austausch für angehende PTA

Eine spanische Berufsfachschule sucht über Erasmus+ deutsche Apotheken für Praktika von PTA-Auszubildenden. Das EU-Programm fördert Mobilität in der Berufsbildung und übernimmt die wesentlichen Kosten. Für Apotheken eröffnet sich die Chance auf einen internationalen Austausch.

Im Rahmen von Erasmus+ könnte die internationale Mobilität künftig auch im deutschen Apothekenwesen stärker an Bedeutung gewinnen. Eine Berufsschule aus Extremadura in Spanien hat jetzt angefragt, ob angehende PTA ein mehrwöchiges Praktikum in Deutschland absolvieren können. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern praxisnahe Einblicke in Organisation, Arbeitsabläufe und Ausbildungsstrukturen deutscher Apotheken zu ermöglichen und zugleich den interkulturellen Austausch im Gesundheitssektor zu stärken.

Einblicke in öffentliche Apotheken

Vorgesehen ist ein etwa sechswöchiger Aufenthalt im Rahmen der betrieblichen Ausbildungsphase. Die Praktikantinnen und Praktikanten sollen hospitieren, betriebliche Abläufe kennenlernen und die Unterschiede zwischen den Ausbildungssystemen beider Länder verstehen. Eigenständiges pharmazeutisches Arbeiten ist dabei nicht vorgesehen.

Eine Herausforderung stellt dabei die sprachliche Situation dar. Die spanischen Schülerinnen und Schüler verfügen neben ihrer Muttersprache lediglich über Deutschkenntnisse auf Einstiegsniveau (Level 1). Neben der fachlichen Betreuung in der Apotheke ist auch eine gewisse Unterstützung im Alltag sinnvoll. Da es sich um sehr junge Auszubildende handelt, könnten gelegentlich gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit – etwa Stadtführungen oder informelle Treffen – den Aufenthalt erleichtern und zur Integration beitragen. Ideal wäre ein Apothekenteam, in dem Kolleginnen oder Kollegen möglicherweise Spanischkenntnisse haben und in dem Mitarbeitende Interesse haben, sich um die Gäste aus Spanien zu kümmern.

Chancen und Rahmenbedingungen für Apotheken

Neben der Vermittlung einzelner Praktikumsplätze besteht auch Interesse an einer strukturellen Zusammenarbeit mit deutschen Berufsfachschulen. Geplant sind gegenseitige Hospitationen von Lehrkräften sowie ein Austausch über Ausbildungsinhalte und Qualifikationsanforderungen. Das Projekt zielt damit nicht nur auf individuelle Mobilität, sondern auf eine nachhaltige Vernetzung im europäischen Bildungsraum.

Durch die Vermittlung von ADEXA ist inzwischen ein reger Austausch zwischen der Völker-Schule Osnabrück und der spanischen Fachschule entstanden. Ein erster Besuch der spanischen Delegation ist für Herbst 2026 geplant, ein Gegenbesuch soll im darauffolgenden Jahr erfolgen. Die Völker-Schule in Osnabrück ist bereits zertifizierte ERASMUS+-Schule und wird für die nächste Förderphase ab 2027 einen Projektantrag für das PTA-Austauschprogramm veranstalten.

Was Erasmus+ in der Berufsbildung leistet

Erasmus+ ist das zentrale Förderprogramm der Europäischen Union für Bildung, Jugend und Sport. Im Bereich der Berufsbildung – dem sogenannten VET-Sektor (Vocational Education and Training) – unterstützt es Auslandspraktika, Job-Shadowing-Programme (dabei begleiten Fachkräfte oder Auszubildende eine erfahrene Person im Arbeitsalltag, um praktische Einblicke in deren Tätigkeiten, Abläufe und Methoden zu gewinnen) sowie Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen und Betrieben.

Die Förderung deckt in der Regel Reise- und Aufenthaltskosten der Teilnehmenden sowie organisatorische Aufwendungen ab. Für die aufnehmenden Apotheken entstehen dadurch meist keine direkten finanziellen Belastungen. Ihre Aufgabe liegt vor allem in der fachlichen Betreuung und der Integration der Gäste in den Betriebsalltag.

Eine Chance für alle Beteiligten

Fest steht: Erasmus+ bietet eine strukturierte und finanziell abgesicherte Möglichkeit, den Apothekenalltag europäischer zu denken und angehenden pharmazeutischen Fachkräften frühzeitig internationale Perspektiven zu eröffnen.

Michael van den Heuvel