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Erfrischende Fortbildung: Interpharm Stuttgart am 24. und 25. Juni 2025

Wer an den beiden heißen INTERPHARM-Tagen einen Platz in den Vortragssälen im „Haus der Wirtschaft“ in Stuttgart hatte, konnte neben fachlich-inhaltlichen Input auch von angenehm kühlen Temperaturen profitieren.

Weniger komfortabel hatten es dagegen die Aussteller-Teams, die besonders am Interpharm-Mittwoch in den nicht klimatisierten Räumlichkeiten auf Besucherinnen und Besucher warteten. Dass die Stimmung im ADEXA-Team trotzdem immer fröhlich blieb, sprach unter anderem für die Organisationskünste unserer Messechefin Bianca Schmidt, die mit ausreichend Getränken und spontan sogar mit Handfächern ihre Kolleginnen erfreute.

Was ist mir am Arbeitsplatz wichtig?

ADEXA-Juristin Minou Hansen hatte an beiden Tagen interessierte Zuhörerinnen in der ausstellungsbegleitenden Vortragsreihe „Spotlight“. Unter dem Motto „Arbeitsrecht in der Apotheke – (m)eine Checkliste“ erläuterte sie, worauf man bei der Auswahl einer Apotheke achten sollte. Das beginnt damit, sich zunächst einmal über seine eigenen Werte und Vorstellungen von einem idealen Arbeitsplatz klar zu werden. Legt man Wert auf gute Kollegialität? Ist einem das pharmazeutische Arbeiten wichtig − Stichwort pDL oder Rezeptur? Soll es eine möglichst digitalisierte, innovative Apotheke sein oder vielleicht auch eine diverse, internationale Teamkultur?

Danach sind dann im Bewerbungsverfahren viele „Häkchen“ zu setzen bei Fragen zu den konkreten Arbeitsbedingungen und allgemeinen arbeitsrechtlich relevanten Aspekten, die für ein gedeihliches Zusammenarbeiten wichtig sind. Zum Beispiel: Wo ist der Arbeitsort? Darf man auch ohne Absprache in anderen Filialen eingesetzt werden? Hansen betonte: Arbeitszeiten sollte nicht nur im Gesamtumfang festgelegt werden, sondern möglichst tagesgenau in einer Musterwoche festgelegt sein.

Ein zentraler Punkt: Gilt der jeweilige Tarifvertrag? Und wenn nein, warum eigentlich nicht? Hier sollte man schon hellhörig werden. Auch zur Vereinbarung der meist üblichen übertariflichen Bezahlung gab die Rechtsanwältin Tipps für die richtige Formulierung, damit der Zuschlag bei Tariferhöhungen nicht abgeschmolzen wird. Im Anschluss konnten die Zuhörenden auch noch direkt Fragen im Gespräch mit Hansen klären, zunächst an der Speakers’ Corner und auch generell am gegenüberliegenden ADEXA-Stand.

Besuch am Stand 

Das ADEXA-Team freute sich außerdem über etliche Schulklassen, die gern am Glücksrad drehten. Die Apothekengewerkschaft ist bei vielen PTA- und PKA-Schülerinnen und -Schülern bekannt, denn die Fachschulen werden regelmäßig von ADEXA-Vertreterinnen besucht und zu Themen rund um den Berufseinstieg informiert.

Diverse ADEXA-Mitglieder bedankten sich für ein Freiticket, das sie bei der Verlosung im Vorfeld erhalten hatten.

Mit einem Ausblick von Dr. Benjamin Wessinger auf die Zukunft des Gesundheitssystems und insbesondere der Apotheken endete die Vortragsreihe „Pharmazie & Wissenschaft“. Er beleuchtete in seinem Impulsvortrag die Megatrends, die für den Gesundheits- und Apothekenbereich Herausforderungen mit sich bringen. Ob die Trends eher Chancen eröffnen oder die aktuell missliche Lage der Vor-Ort-Apotheken noch verschärfen, wird sich zeigen. 

Wie wichtig ist Präsenz?

Ein Trend, der sich leider auf der Interpharm in Stuttgart abzeichnete: Fortbildung in Präsenz ist nach den Coronajahren nicht wieder zum Massenphänomen geworden. Zu bequem, flexibel und zeitsparend sind die digitalen Angebote geworden. Dabei sind Netzwerken und persönlicher Austausch am Rande solcher Kongresse eigentlich eine Qualität an sich. Es wird – oder sollte zumindest – dauerhaft also nicht ohne den echten, analogen Kontakt, die lebendige Diskussion und das Treffen mit Gleichgesinnten in Präsenz gehen. So wie es ja auch nicht ohne die flächendeckenden Präsenzapotheken gehen wird, mit empathischer Beratung in der Offizin. 

Aber welche Formen und Angebote dafür in welchem Rahmen mittelfristig geeignet sind, muss sich noch erweisen. Vermutlich sind kleinere, regionale und zielgruppenspezifische Workshops eine Alternative. Das hat der gut besuchte ADEXA-Mitgliedertag in Halle (Saale) am vergangenen Wochenende gezeigt. Die Ära der großen „Fortbildungsfeste“ könnte jedoch – leider – aufgrund der veränderten Nachfrage zu Ende zu gehen. 

Es wird spannend sein zu erleben, wie sich die Änderung des zeitlichen Formats bei der kommenden Expopharm im September 2025 in Düsseldorf auswirkt. Und ob interaktive Plattformen wie die PKAbase dort den Bedarf nach Wissens-Transfer und Networking ersetzen.

ADEXA-Bundesvorstand Andreas May konnte und kann trotz dieses etwas ungewissen Ausblicks darauf setzen, dass das Messeteam in Stuttgart die Gewerkschaft bestmöglich präsentiert hat und auf künftige Anforderungen optimal eingehen wird. 

Sigrid Joachimsthaler

Impressionen von der INTERPHARM 2025