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Gefühlte Kaufkraft: Was vom Gehalt wirklich bleibt

Die Realeinkommen* haben sich im Durchschnitt wieder erholt. Trotzdem glauben sechs von zehn Menschen, heute weniger Kaufkraft* zu haben als noch vor fünf Jahren. Eine IMK-Studie zeigt, warum dieses Gefühl so hartnäckig ist – und weshalb die Entwicklung auch für Beschäftigte in Apotheken relevant ist. 

Pandemie, Energiekrise und hohe Inflation haben tiefe Spuren im Alltag hinterlassen. Zwischen 2021 und 2023 sanken die real verfügbaren Einkommen. Mittlerweile haben Tariferhöhungen, ein höherer Mindestlohn, Rentenerhöhungen und die nachlassende Teuerung die Verluste im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ausgeglichen. 

Doch bei vielen Menschen ist diese Erholung nicht angekommen: im November 2025 waren 59 Prozent überzeugt, real weniger zur Verfügung zu haben als fünf Jahre zuvor. Nur elf Prozent meinten, ihre Kaufkraft sei gestiegen. 

Der Alltag prägt das Gefühl

Warum klaffen Statistik und persönliche Wahrnehmung so weit auseinander? Einen wichtigen Grund sehen Forschende des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in den Preisen, mit denen Menschen besonders häufig konfrontiert sind. Seit 2020 verteuerte sich Wohnenergie um 47 Prozent; Lebensmittel und Restaurantbesuche wurden jeweils um mehr als 30 Prozent teurer. Teils geringere Preissteigerungen bei seltener gekauften Waren fallen dagegen weniger ins Gewicht. 

Für Angestellte zählt deshalb nicht allein, was eine Statistik über die durchschnittliche Kaufkraft sagt. Entscheidend ist, was nach Miete, Energie, Lebensmitteln und anderen laufenden Kosten tatsächlich übrig bleibt. Genau hier zeigt sich auch die Bedeutung von Lohn- und Tarifsteigerungen: Sie müssen mit der Preisentwicklung Schritt halten, damit Beschäftigte ihren Lebensstandard sichern können.

Unsicherheit verändert Entscheidungen

Das Gefühl, weniger Geld zur Verfügung zu haben, bleibt nicht folgenlos. Von allen Befragten, die ihre Kaufkraft als gesunken einschätzen, sorgen sich 55 Prozent stark um die künftigen Lebenshaltungskosten. Diese Unsicherheit beeinflusst das Konsumverhalten: Viele planen, bei Freizeit, Kultur, Reisen oder anderen Ausgaben zu sparen. 

Damit kann aus individueller Vorsicht ein gesamtwirtschaftliches Problem werden. Halten sich viele Haushalte gleichzeitig zurück, schwächt das den privaten Konsum. Nach Einschätzung der IMK-Forscher könnte die pessimistische Wahrnehmung der eigenen Kaufkraft unter anderem erklären, warum dieser trotz wiederhergestellter Realeinkommen nicht stärker in Schwung kommt. 

Gute Löhne schaffen Sicherheit

Die Studie macht deutlich: Kaufkraft ist mehr als eine statistische Größe. Aus ADEXA-Sicht unterstreichen die Ergebnisse, wie wichtig verlässliche Einkommenssteigerungen und gute tarifliche Bedingungen sind. Denn höhere Preise lassen sich nicht wegdiskutieren – und dauerhaft auch nicht durch persönlichen Konsumverzicht auffangen.

Michael van den Heuvel

Quelle

Jan Behringer/Lukas Endres: Gefühlte Kaufkraftverluste belasten privaten Konsum und Vertrauen in die Regierung – Erkenntnisse aus einer Online-Umfrage, IMK Policy Brief Nr. 218, Juli 2026; Hans-Böckler-Stiftung.

*Wichtige Begriffe

  • Realeinkommen: Einkommen, bei dem die Preisentwicklung berücksichtigt wird. Es zeigt, wie viele Waren und Dienstleistungen man sich tatsächlich leisten kann.
  • Kaufkraft: Gibt an, wie viel man mit einem bestimmten Geldbetrag kaufen kann. Steigen die Preise, sinkt die Kaufkraft.