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Kommentar zu den GKV-Sparmaßnahmen von Gesundheitsministerin Nina Warken

Monatelange Debatten um das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz, hitzige Diskussionen über die GKV-Finanzierung – und dennoch hat ADEXA bis zuletzt auf eine positive Wende gehofft: Dass die im Koalitionsvertrag zugesagte Erhöhung des Fixums endlich den lange überfälligen Impuls geben könnte, die wirtschaftliche Lage der Vor-Ort-Apotheken zu stabilisieren und den Beschäftigten nach Jahren des Wartens faire Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. 

Viele unserer Kolleginnen und Kollegen haben auf dieses Signal gewartet – als Zeichen, dass ihre tägliche Arbeit in der unverzichtbaren Patientenversorgung endlich politisch wahrgenommen und angemessen gewürdigt wird. Doch die geplanten Maßnahmen, die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken am 14. April 2026 präsentierte, waren kein Aufbruch. Sie sind ein Rückschlag.

Schöner Schein – keine echte Entlastung 

Zwar soll das höhere Fixum kommen – doch zugleich soll auch der Kassenabschlag erhöht werden. Warken sprach von einem „ausgewogenen Paket", das alle beteilige und die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen nachhaltig stabilisieren könne. Doch wir fragen: Ausgewogen für wen? Während die Leistungserbringer mit den vorgestellten Maßnahmen vor den Kopf gestoßen wurden, bekommt Gesundheitsministerin Warken Rückendeckung seitens der Kassen. Das sagt alles über die tatsächliche Lastverteilung dieses Pakets.

Eine Erhöhung des Kassenabschlags trifft die Apotheken vor Ort unmittelbar in ihrer wirtschaftlichen Substanz. Jeder zusätzliche Euro Abschlag bedeutet weniger finanziellen Spielraum – für Investitionen, für die Ausbildung und vor allem für die Gehälter der Angestellten. Als alleiniger Tarifpartner für die Apothekenbeschäftigten wissen wir, wie eng diese Spielräume schon heute sind. Eine erneute Belastung durch einen höheren Kassenabschlag macht sie noch enger – oder schließt sie ganz.

Beschäftigte gehen leer aus

Besonders bitter ist dieser Schritt im Kontext des laufenden ApoVWG. Monatelang hat ADEXA darauf hingewiesen, dass verbindliche Regelungen zur Personalfinanzierung, zur Absicherung zusätzlicher Verantwortung und zu fairen Arbeitsbedingungen fehlen. Nun soll mit der einen Hand eine Honorarerhöhung gewährt werden, während die andere Hand über den Kassenabschlag wieder zurückholt, was gegeben wurde. Das ist kein struktureller Fortschritt. Die erhoffte Fixumerhöhung verpufft, bevor sie bei den Beschäftigten ankommt.

ADEXA fordert eine gesetzliche Personalumlage von 80 Cent pro abgegebener Rx-Packung, damit die Vor-Ort-Apotheken auskömmliche Gehälter und attraktivere Ausbildungsvergütungen zahlen können. Von diesem Ziel entfernt uns das geplante Paket, statt uns ihm näherzubringen. Wer den Fachkräftemangel in den Apotheken ernst nimmt, darf nicht gleichzeitig die wirtschaftlichen Grundlagen entziehen, die faire Bezahlung und attraktive Ausbildungsplätze erst möglich machen. Denn am Ende zahlen nicht nur die Beschäftigten den Preis: Weitere Apothekenschließungen treffen vor allem jene Versicherten, die auf eine wohnortnahe Versorgung angewiesen sind – und die dieses Sparpaket eigentlich schützen soll.

Tempo darf nicht auf Kosten der Sorgfalt gehen

Hinzu kommt die Geschwindigkeit, mit der das alles geschehen soll. Der Gesetzentwurf soll bereits am 29. April im Kabinett beschlossen werden. Zwei Wochen sind keine ausreichende Zeit, um ein Sparpaket dieser Tragweite ernsthaft mit den Betroffenen zu diskutieren. Schnelligkeit ist kein Qualitätsmerkmal, wenn sie auf Kosten der Sorgfalt geht.

Die Hoffnung auf einen politischen Neustart für die Apotheken war berechtigt. Sie darf jetzt nicht leichtfertig verspielt werden. Wir werden die weiteren parlamentarischen Beratungen genau beobachten, uns beratend einbringen und uns gegen Maßnahmen wehren, die unsere Kolleginnen und Kollegen weiter belasten.

Tanja Kratt & Andreas May

Heute (15. Mai) bleibt die Hauptgeschäftsstelle geschlossen. 


Wir sind ab Montag, 18. Mai, wieder für Sie da.