ARCHIV

Krisenfest führen: Welche Risiken Filialleitungen jetzt im Blick haben müssen

Der Apothekenalltag läuft meist routiniert, bis plötzlich etwas schiefgeht. Technische Störungen, kriminelle Angriffe oder organisatorische Ausfälle können den Betrieb innerhalb weniger Minuten lahmlegen. Welche Gefahren besonders relevant sind, hat Minou Hansen, Leiterin der ADEXA-Rechtsabteilung, in einem Webinar zusammengestellt. 

Apotheken sind digital – und damit angreifbar. Veraltete Software, unsichere Netzwerke oder fehlende Updates öffnen Cyberkriminellen Tür und Tor. Im Ernstfall stehen Warenwirtschaft, Rezeptabrechnung und Kommunikation still. Für Filialleitungen heißt das: Sie müssen sicherstellen, dass Systeme auf dem aktuellen Stand gehalten werden, Zugänge geschützt und Mitarbeitende im Umgang mit sensiblen Daten geschult sind.

Wenn der Strom ausfällt

Doch nicht nur digitale Angriffe bedrohen den Betrieb. Auch ein Stromausfall hat unmittelbare Folgen: Kassensysteme fallen aus, E-Rezepte lassen sich mehr abrufen und Kühlketten geraten in Gefahr. 

Entscheidend ist deshalb, rechtzeitig zu klären, welche Prozesse zwingend weiterlaufen müssen, was die unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) leistet und wie lange Kühlgeräte ohne Strom stabil bleiben. Klare Aufgabenverteilungen im Team sind ebenso wichtig wie ein überprüfter Versicherungsschutz für Schäden an hochpreisigen Arzneimitteln oder Impfstoffen. 

Überfälle: Vorbereitung schafft Sicherheit

Hinzu kommt ein Risiko, das viele verdrängen: Überfälle. Gute Beleuchtung, gesicherte Zugänge und – wo rechtlich zulässig – eine Videoüberwachung wirken präventiv. Darüber hat letztlich die Apothekenleitung zu entscheiden. 

Noch wichtiger ist jedoch, dass das Team vorbereitet ist. Im Ernstfall gilt Deeskalation vor Gegenwehr. Keine Diskussionen, keine Heldentaten: Der Schutz von Menschen hat Vorrang vor Sachwerten.

Rezeptbetrug im Blick behalten

Neben akuten Bedrohungen gibt es weniger offensichtliche Gefahren: Gefälschte oder manipulierte Verordnungen können finanzielle Schäden und rechtliche Probleme nach sich ziehen. Auffällige Rezeptarten, fehlerhafte Angaben oder ungewöhnliche Arzneimittelwünsche sollten daher sorgfältig geprüft werden. Klare interne Prüfroutinen helfen, Sicherheit zu gewinnen, ohne die Versorgung unnötig zu verzögern: auch ein Thema für Filialleitungen. 

Wegeunfälle und Wegerisiko

Auch wetterbedingte Verspätungen und Unfälle auf dem Arbeitsweg wurden im Webinar angesprochen. Mehr zum Thema finden Sie auf der ADEXA-Website

Fazit: Struktur ist der beste Krisenpuffer

Unabhängig von der Art der Krise gilt: Vorbereitung ist alles. Aktuelle Telefonlisten, geregelte Vertretungen und Notfallabläufe sorgen dafür, dass die Apotheke handlungsfähig bleibt. Wer Verantwortlichkeiten klar festlegt und regelmäßig im Team durchgeht, gewinnt im Ernstfall wertvolle Zeit. 

Michael van den Heuvel