May im politischen Dialog: Apothekenreform aus Sicht der CSU

ADEXA-Bundesvorstand Andreas May pflegt den Dialog mit Abgeordneten auf Bundes- und Landesebene – diesmal stellte sich MdB Dr. Stephan Pilsinger (CSU) den Fragen: über die geplante Fixumserhöhung, neue Kompetenzen für PTAs und strengere Regeln für den Arzneimittelversand.
Herr Pilsinger, CDU/CSU, und ADEXA verfolgen dasselbe Ziel: die flächendeckende Arzneimittelversorgung zu sichern und die Apotheken vor Ort zu stärken. Gleichzeitig ist ADEXA wichtig, dass Reformen nicht nur den Betrieben, sondern auch den Beschäftigten zugutekommen.
May: Die Fixumserhöhung soll die Apotheken stärken – gleichzeitig sorgt ADEXA sich darum, dass davon auch die Beschäftigten profitieren. Halten Sie die Anhebung des Fixums grundsätzlich für den richtigen Weg, und welche Instrumente wären nötig, um sicherzustellen, dass höhere Einnahmen auch in bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen fließen?
Pilsinger: Die Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro nach 13 Jahren ist das A und O dieser Apothekenreform, auch wenn sie formell über eine Verordnung umgesetzt werden muss. Das haben wir im Koalitionsvertrag mit der SPD klar vereinbart, um die zwischenzeitlichen Kostensteigerungen für die Apotheker und ihr Personal abzumildern. Wie der Apotheker seine Mehreinnahmen investiert und auch den PTAs übertariflich zugutekommen lässt, das ist freilich seine Sache. Das darf nicht der Staat regeln.
May: Immer mehr Apotheken müssen ihre Öffnungszeiten einschränken oder ganz schließen, weil Personal fehlt. Welche Rolle messen Sie den Arbeitsbedingungen bei, wenn es um die langfristige Sicherung der flächendeckenden Versorgung geht?
Pilsinger: Gute Arbeitsbedingungen, wozu auch ein gutes Gehalt gehört, sind für das Betriebsklima essentiell. Wenn die Arbeitsbedingungen stimmen, wird sich das auch positiv auf die Patienten bzw. Kunden auswirken, die gut, freundlich und ausführlich beraten werden können oder qualitativ hochwertige pharmazeutische Dienstleistungen erhalten können. Wenn wir den PTAs neue Kompetenzen geben, wird es keinen Nachwuchsmangel geben und das gesamte Personal vor Ort ist entlastet. Warum sollte dann eine Land-Apotheke schließen?
May: Viele Apotheken kämpfen mit Nachwuchsproblemen und hoher Arbeitsbelastung, während Industrie und Kliniken mit attraktiveren Bedingungen werben. Reicht das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) aus Ihrer Sicht aus, um die Apothekenberufe wirklich wieder attraktiv zu machen?
Pilsinger: Attraktiv ist ein Beruf doch auch dann, wenn einem spezielle Kompetenzen und ein hohes Vertrauensmaß übertragen werden. Wir wollen Apothekern und PTAs erweiterte Möglichkeiten pharmazeutischer Dienstleistungen an die Hand geben, wenn sie dies möchten. Dazu gehört das Impfen mit Tot-Impfstoffen oder auch die venöse Blutabnahme in der Apotheke, um Arztpraxen zu entlasten. Ich finde, das kann eine PTA genauso gut wie ein Apotheker, wenn sie entsprechend geschult wird und Routine bekommt.
May: Der Fachkräftemangel ist inzwischen ein zentrales Risiko für die Arzneimittelversorgung. Gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung sind entscheidend, um die Apothekenberufe dauerhaft attraktiv zu machen und neue Fachkräfte zu gewinnen. Wäre es deshalb nicht sinnvoll, staatliche Mittel gezielt an die Personalfinanzierung zu binden – etwa über eine Personalzulage oder zweckgebundene Fördermittel?
Pilsinger: Diese Idee wäre sicherlich förderlich; in Zeiten knapper Kassen und anstehender Sparmaßnahmen wird das beim Bundesfinanzminister aber wohl eher auf taube Ohren stoßen.
May: ADEXA setzt sich dafür ein, staatliche Förderung stärker an soziale Standards zu koppeln. Könnten Sie sich vorstellen, dass Fördermittel künftig an Tarifbindung oder besonders gute Arbeitsbedingungen geknüpft werden – ähnlich wie es in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge bereits geschieht?
Pilsinger: Ich persönlich kann mir das vorstellen. Das müsste aber mit den Fachkollegen im Bereich Arbeits- und Sozialpolitik, aber auch mit den Finanzpolitikern abgestimmt werden, die da federführend sind.
May: Mit der geplanten PTA-Vertretung kommt auf pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten deutlich mehr Verantwortung zu. Wie stellen Sie sicher, dass diese neue Verantwortung auch mit entsprechender Qualifikation, Absicherung und Bezahlung einhergeht – statt nur zusätzliche Belastung zu schaffen?
Pilsinger: Ich darf an dieser Stelle deutlich machen, dass es nicht darum geht, dass die PTA den Apotheker dauerhaft vertritt – das wäre in der Tat eine große, wahrscheinlich zu große Belastung. Wir werden eine Regelung beschließen, nach der die PTA kurz alleine in der Apotheke stehen kann, wenn der Apotheker eben mal weg muss, allein um den Laden wegen zehn Minuten Abwesenheit des Chefs nicht zuschließen zu müssen. Das bekommt jede PTA hin. Und wenn in genau diesen zehn Minuten doch mal spezielle Nachfragen zum Beispiel zu Wechselwirkungen da sind, dann wartet man halt kurz, bis der Apotheker wieder da ist. Mehr ist das gar nicht.
May: Der RX-Versand aus dem Ausland setzt die Vor-Ort-Apotheken seit Jahren unter erheblichen Druck. Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Beitragsgelder der Versicherten nicht weiter das System der wohnortnahen Versorgung untergraben – und die Motivation der Beschäftigten zusätzlich schwächen?
Pilsinger: Bei unserer Überarbeitung der Regulierung des Versandhandels geht es darum, gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Vor-Ort-Apotheke und Versand-Apotheke zu schaffen, aber auch darum, gleich gute pharmazeutische Qualität der Arzneimittel bei Übernahme durch den Patienten bzw. Kunden zu garantieren. Da werden wir insbesondere bei der für Medikamente adäquaten Temperatur ansetzen. Es darf nicht sein, dass empfindliche rezeptpflichtige Arzneimittel, ob kühlpflichtig oder nicht, im Sommer bei 34 Grad in einer DHL-Packstation landen und dort tagelang vor sich hin brüten. So läuft das aber beim Versandhandel de facto nicht selten. Damit wird bald Schluss sein. Die Versender werden deutlich strengere Auflagen für den Transport und die Übergabe beim Besteller bekommen. Die müssen natürlich auch kontrolliert und ggf. sanktioniert werden. Wenn es nach mir persönlich ginge, würde ich das noch weiter verschärfen; aber das ist wohl europarechtlich nicht möglich, wie uns das Bundesgesundheitsministerium erklärt. Aber mit dem, was bald kommt, kann ich und können vor allem die Patienten gut leben.
May: ADEXA möchte die Sicht der Beschäftigten konstruktiv in die politische Arbeit einbringen. Wie kann die Gewerkschaft Sie und Ihre Fraktion dabei unterstützen, tragfähige Lösungen für Versorgungssicherheit und gute Arbeitsbedingungen gleichermaßen zu gestalten?
Pilsinger: Vor allem im persönlichen Gespräch mit Vertretern von ADEXA und mit Apothekenpersonal, das aus dem Alltag der Apothekenarbeit berichten kann. Das Gespräch mit den Betroffenen ist mir viel wichtiger als gut geschriebene Stellungnahmen einer Politikabteilung.
ADEXA dankt Herrn Dr. Pilsinger herzlich für seine Zeit und die offenen Antworten. Wir freuen uns auf den weiteren Dialog.