Psychische Erkrankungen auf Rekordniveau: Prävention muss im Arbeitsalltag ankommen

Der Krankenstand sinkt leicht – doch psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten. Was die aktuellen Zahlen für die Arbeitswelt und die Beschäftigten in Apotheken bedeuten.
Im ersten Halbjahr 2026 ist der Krankenstand leicht auf 5,3 Prozent gesunken. Verantwortlich dafür ist vor allem der deutliche Rückgang der Atemwegserkrankungen um 21 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025. Darüber hinaus zeigt die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit eine Entwicklung, die aus gewerkschaftlicher Sicht besonders alarmierend ist: Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen sind um neun Prozent gestiegen. Sie stellen erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten dar.
Die psychische Belastung nimmt zu
Für ADEXA sind diese Zahlen ein deutliches Warnsignal. Sie zeigen, dass psychische Belastungen in der Arbeitswelt weiter zunehmen und längst kein Randthema mehr sind. Hoher Arbeitsdruck, Personalmangel, zunehmende Bürokratie sowie die stetig wachsenden Anforderungen im Gesundheitswesen hinterlassen Spuren. Gerade Beschäftigte in Apotheken erleben täglich Zeitdruck, Verantwortung und emotionale Belastungen im direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten.
Besonders bedeutsam ist, dass psychische Erkrankungen häufig mit langen Ausfallzeiten verbunden sind. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung ist erneut leicht auf 9,7 Tage gestiegen. Das verschärft den Personalmangel zusätzlich und erhöht den Druck auf die verbleibenden Teams – ein Kreislauf, der sich ohne wirksame Gegenmaßnahmen weiter verstärken kann.
Prävention braucht gute Arbeitsbedingungen
Aus gewerkschaftlicher Sicht reichen Appelle an mehr Eigenverantwortung nicht aus. Notwendig sind ausreichend Personal, verlässliche Dienstpläne, echte Pausen, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen und eine Unternehmenskultur, in der psychische Belastungen offen angesprochen werden können. Prävention darf nicht erst beginnen, wenn Beschäftigte bereits erkrankt sind.
Der insgesamt leicht gesunkene Krankenstand ist deshalb kein Anlass zur Entwarnung. Vielmehr verdeutlichen die aktuellen Zahlen, dass die körperliche Gesundheit zwar von einer milderen Infektionslage profitiert, die psychische Gesundheit der Beschäftigten jedoch zunehmend unter Druck gerät. Hier besteht aus Sicht von ADEXA dringender Handlungsbedarf.
Michael van den Heuvel
Quelle
Weitere Informationen: Hilfe bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz
Wenn Beschäftigte psychische Belastungen oder Probleme am Arbeitsplatz erleben, gibt es in Deutschland zahlreiche seriöse Anlaufstellen:
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) – Psychische Gesundheit: Informationen zu psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz, Prävention, Arbeitsschutz und Unterstützungsangeboten.
- gesund.bund.de – Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Erklärt Warnzeichen psychischer Belastung, Präventionsmöglichkeiten und zeigt Hilfsangebote wie Beratungsstellen, Psychotherapie und Krisenhilfe.
- INQA/psyGA – Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Kostenlose Materialien, Handlungshilfen und Trainings für Beschäftigte und Führungskräfte zum Umgang mit Stress und psychischen Belastungen.