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14. März 2014

2. Bundeskongress GenderGesundheit: Weibliche und männliche Karrierepfade

Geschlechter spielen im Gesundheitsbereich eine zentrale Rolle: Einerseits unterscheidet sich die Behandlung von Frauen und Männern mit Arzneimitteln in vielen Bereichen grundlegend. Andererseits sind Gesundheitsberufe häufig in weiblicher Hand. Mit diesem Spannungsfeld befassten sich Referentinnen und Referenten beim 2. Bundeskongress GenderGesundheit. 

Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz aus Hamburg, hatte die Schirmherrschaft des Kongresses übernommen. In ihrer Begrüßungsrede verwies sie auf Vereinbarungen zu Gender-Themen im Koalitionsvertrag: „Wir wollen die jeweiligen Besonderheiten berücksichtigen, die sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung insbesondere für die gesundheitliche Versorgung und die Erarbeitung von medizinischen Behandlungsleitlinien ergeben.“ Die Sozialdemokratin will sich als Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz für eine geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung einsetzen. Auch im anstehenden Präventionsgesetz sollen entsprechende Aspekte stärker Eingang finden. Prüfer-Storcks forderte Frauenförderung für Führungspositionen und Männerförderung für die Pflege; hier gäbe es noch ein großes Ausbaupotenzial. „Kooperationsbereitschaft zwischen den Gesundheitsberufen kann durch Frauen befördert werden, da Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft bei ihnen stärker ausgeprägt ist“, sagte die Politikerin.

Genderthemen in öffentlichen Apotheken

ADEXA ist einer der Kooperationspartner des Kongresses. In ihrem schriftlichen Grußwort zeigte Barbara Neusetzer, Erste Vorsitzende der Apothekengewerkschaft, wichtige Genderthemen aus Sicht öffentlicher Apotheken auf. Längst haben sich in der Arzneimitteltherapie Trends zur Individualisierung und Personalisierung durchgesetzt, um PatientInnen optimal zu behandeln. Wissenschaftler berücksichtigen mittlerweile bei Studien zur Arzneimittelwirkung das Geschlecht, aber auch weitere genetische Einflussfaktoren. Allerdings kam die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Apothekerinnen und Apothekern dieses mal im Kongress noch etwas zu kurz, wie auch Professor Dr. Karen Nieber vom Institut für Pharmazie der Universität Leipzig anmerkte.

Weibliche und männliche Karrierepfade

Bei ÄrztInnen hat sich in den letzten Jahren in puncto Frauenförderung wenig getan. Nach wie vor studieren viele Frauen Medizin, sind aber beispielsweise in Entscheidungsgremien sowie bei Professuren mit zirka sechs Prozent immer noch zu wenig vertreten. Deshalb plädierte die Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbunds, Professor Dr. Gabriele Kaczmarczyck, für eine Quotenregelung. Und laut Professor Dr. Adelheid Kuhlmey von der Charité Berlin spiele sich jegliche Karriereplanung zuerst im Kopf ab. Gelinge einer Frau etwas besonders gut, sage sie, es sei Glück gewesen. Männer führen den gleichen Erfolg auf ihr Können zurück. Aber auch männliche Lebenspläne werden sich verändern. Christian Kraef, Vorsitzender des Bundesverbandes der Medizinstudenten, bestätigte die Tendenz, dass mehr Ärzte in Teilzeit arbeiten wollten, um Beruf, Familie und Freizeit in Einklang zu bringen. Weibliche Beschäftigte achten immer mehr auf ihr Gehalt, um auch alleine eine Familie ernähren können. Beide Geschlechter nähern sich hier also langsam, aber sicherlich noch zu langsam an.

Antworten auf den Fachkräftemangel

Diese Tendenzen führen letztendlich zu einem Fachkräftemangel, vermuten ExpertInnen. „Deshalb müssen sich alle Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen effizienter vernetzen, als dies momentan der Fall ist. Wir werden es uns nicht leisten können, Untersuchungen doppelt durchzuführen oder multimorbiden Patienten Arzneimittel unkoordiniert zu verschreiben und abzugeben“, sagt Barbara Neusetzer. In diesem Zusammenhang haben PharmazeutInnen mit dem Medikationsmanagement ein wertvolles Konzept in der Hand, um die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen und die Compliance zu verbessern. „Dafür brauchen wir vor allem eine gute, vertrauensvolle, kollegiale Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten.“

Michael van den Heuvel 

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