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17. September 2012

ADEXA-Aktive berichten von den Warnstreiks: „Unrealistische Vorstellungen von unseren Gehältern“

An den Warnstreiks in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben viele ADEXA-Mitglieder teilgenommen. Ein Interview mit den Landesvorsitzenden Elfriede Hoffmann (BW) und Michaela Jäger (SL):

Frau Hoffmann, Sie haben sich als Filialleiterin einer Apotheke in Rottweil beim Warnstreik am vergangenen Mittwoch beteiligt. Wie lief das ab und welche Reaktionen gab es von den Apothekenkunden?

Hoffmann: Bei uns in Rottweil wurden die Kunden den ganzen Tag nur vom Apothekenleiter bzw. Filialleiter durch die Notdienstklappe bedient und mit Hilfe von Infoflyern das Gespräch gesucht. Die Reaktion der Kunden war durchweg positiv. Viele sagten, dass ihnen bisher nicht klar war, wie der Preis eines Arzneimittels zustande kommt.

Haben sich auch Passanten und Presse für die Aktion interessiert?

Hoffmann: Ja, ich wurde gleich um 9 Uhr von einem Redakteur der örtlichen Zeitung besucht, dem ich ein Interview für die Kreisseite gab. Ich habe ihn natürlich auch mit dem entsprechenden Hintergrundwissen versorgt.

Frau Jäger, wie sah es im Saarland aus? Was haben Ihre Kolleginnen von diesem Tag berichtet?

Jäger: Eine Innenstadtapotheke in Homburg war zum Beispiel ganz weiß abgeklebt, auch hier bediente nur der Chef. Im Gegensatz zu Rottweil gab es in den Homburger Apotheken aber sehr unterschiedliche Reaktionen der Kunden.

Waren Angestelltengehälter und Tariferhöhungen ein Thema und gab es hier kritische Nachfragen oder Verständnis?

Hoffmann: Angestelltengehälter waren nur am Rande Thema, wobei auch da eine unrealistische Vorstellung von der Höhe der Gehälter festzustellen war.

Wie war die Reaktion der Patienten auf eine gemeinsame Aktion von Apothekenleitern und Mitarbeitern?

Hoffmann: Die Patienten haben uns viel Glück gewünscht.

Jäger: Wir treten auch sonst immer als Team auf, insofern war das nichts Besonderes.

Frau Hoffmann, Frau Jäger, wie ist Ihre Einschätzung: Was können solche Warnstreiks erreichen? Welchen Einfluss haben sie auf das Bild der Medien und Politiker von den Apotheken? Und sollten sie bundesweit ausgedehnt werden?

Hoffmann: Dieser Warnstreik hat zumindest Aufmerksamkeit erregt und zu einer ernsthaft recherchierten Berichterstattung in den Medien geführt. Da wir die Versorgung der Menschen trotzdem gewährleistet haben, konnten wir die Kunden auf unsere Seite ziehen und das muss auch die Politiker interessieren. Wenn sich trotzdem nichts bewegt, sind nach meiner Meinung weitere, kreative Ideen gefragt.

Jäger: Für die überregionale Presseberichterstattung war es schade, dass gleichzeitig ein so großes Thema wie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Euro-Rettungsfonds anstand. Da ging der Warnstreik etwas unter.

Frau Hoffmann, Frau Jäger, vielen Dank!

Interview: Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

Pressespiegel: „Apotheker machen die Klappe auf“

»25 Cent für acht Jahre sind ein Witz«, so Hoffmann. Unter den Berufskollegen habe sich »starker Unmut« breit gemacht. »Man sieht sich einfach von der Politik nicht wertgeschätzt, es bewegt sich nichts«, bedauert Hoffmann.

Die Kunden vor der Klappe indes tragen den Protest mit Fassung. Eine junge Frau wünscht Hoffmann sogar viel Glück, und dass sie Erfolg haben werde.

Quelle: schwarzwaelder-bote.de, 13.9.2012

 

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