News

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

26. Juli 2012

ADEXA-Umfrage: Mehr Arbeit, weniger Gehalt

Alle zwei Jahre befragt ADEXA – Die Apothekengewerkschaft Angestellte in allen Kammer- bezirken nach ihrer aktuellen Situation am Arbeitsplatz. Die Auswertung einer Stichprobe mit rund 2.000 Datensätzen zeigte jetzt eine gestiegene Arbeitsbelastung bei sinkenden Einkommen – Folgen gesetzlicher Daumenschrauben, die auch bei Angestellten ihre Spuren hinterlassen.

An der Umfrage konnten alle Kolleginnen und Kollegen teilnehmen, egal, ob sie Mitglieder bei der Apothekengewerkschaft sind oder nicht. Erwartungsgemäß meldeten sich viele PTA (40 Prozent), gefolgt von Approbierten (28 Prozent), PI (19 Prozent) und PKA (13 Prozent). Tanja Kratt, ADEXAs Zweite Vorsitzende, stellte jetzt detaillierte Ergebnisse hinsichtlich Arbeitszeit und Einkommen vor.

Sonderzahlung

Noch vor zwei Jahren bekamen 65,0 Prozent der Befragten als Sonderzahlung ein volles Tarifgehalt oder mehr. Dieser Wert ist jetzt auf 62,9 Prozent abgesunken. Und mussten 2010 bereits 13,3 Prozent aller Kolleginnen und Kollegen auf ihre Sonderzahlung verzichten, waren es in 2011 sogar 15,2 Prozent. „Ganz klar: Viele Inhaber geben den wirtschaftlichen Druck des Gesetzgebers eins zu eins an ihre Angestellten weiter“, sagt Kratt.

Regionale Unterschiede

Im Detail betrachtet, unterscheidet sich die Gehaltssituation aber stark nach Kammerbezirk beziehungsweise Bundesland. Während Kolleginnen und Kollegen aller Berufsgruppen in Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen meist über Tarif bezahlt werden, sieht es in anderen Regionen weitaus magerer aus. Unter Tarif verdienen nach wie vor viele Angestellte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Kratt: „Tarifgehälter sind zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern ausgewogen verhandelte Mindeststandards und keine Maximalwerte.“ Eine extreme Ungleichbehandlung führe letztlich zur Abwanderung von Apothekenangestellten beziehungsweise – aus Sicht von Inhabern – zu extremer Personalknappheit vor Ort.

Steigende Arbeitsbelastung

Während im Jahr 2010 nur 21,9 Prozent aller KollegInnen in Vollzeit tätig waren, stieg dieser Wert jetzt auf 23,5 Prozent an. Parallel dazu sank die Zahl von MitarbeiterInnen, die regelmäßig Überstunden machen müssen, geringfügig von 42,3 auf 40,9 Prozent. Durchschnittliche Arbeitszeiten erhöhten sich erwartungsgemäß von 27,7 auf 28,7 Stunden. Tanja Kratt: „Als Erklärung kommt vor allem eine ständig steigende Arbeitsbelastung im HV durch administrative Aufgaben wie Rabattverträge in Frage.“ An sich sei jede Entwicklung hin zu regulären Arbeitsverhältnissen positiv zu bewerten. „Überstunden können keine Dauerlösung sein, diese sollen Angestellten und Chefs lediglich mehr Flexibilität gewähren.“

Frust im Job

Neue Gesetzesvorhaben und schlechtere Einkommen bleiben aber nicht ohne Folgen: Immer mehr Kolleginnen und Kollegen sind mit ihrer Situation unzufrieden. Waren es 2010 noch 16,2 Prozent, so ist dieser Wert mittlerweile auf 22,2 Prozent angestiegen. Isoliert betrachtet sicher kein Quantensprung nach oben, hinter den aktuellen Zahlen steckt dennoch eine gefährliche Tendenz: Nach wie vor werden Mitarbeiter/innen öffentlicher Apotheken händeringend gesucht, besonders ApothekerInnen und PTA. „Verliert der Job durch schlechte Rahmenbedingungen an Attraktivität, zieht es immer mehr Kolleginnen und Kollegen in andere Branchen“, gibt Kratt zu bedenken. „Dann verlieren Inhaber ihr wichtigstes Potenzial.“

Michael van den Heuvel

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>