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11. Januar 2013

Änderungen für Angestellte zum neuen Jahr: Wirklich mehr Netto vom Brutto?

Auch in diesem Jahr gibt es einige Neuerungen rund um das liebe Geld. Das betrifft vor allem Sozialversicherungsbeiträge. Auch gelten neue Regelungen für Eltern sowie für Minijobber. Angestellte werden viele der Maßnahmen jedoch kaum im eigenen Geldbeutel spüren.

Ab 2013 setzt der Fiskus nach langer Vorlaufphase elektronische Lohnsteuerkarten ein. Ursprünglich sollten Papiervarianten letztmals für das Kalenderjahr 2010 Anwendung finden. Wegen technischer Pannen blieben sie auch für 2011 und 2012 gültig. Künftig werden alle Daten mit dem ELStAM-Verfahren direkt an das Bundeszentralamt für Steuern übertragen. ELStAM steht für „elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale“. Beim Jobwechsel können Arbeitgeber Informationen aus einer zentralen Datenbank ziehen. Allerdings sollten Angestellte die Angaben überprüfen, da es zu Fehlern kommen kann. Auch müssen Freibeträge neu beantragt werden.  

Unisextarife sind Pflicht

Auch die Chancengleichheit ist ein Thema. Bereits seit dem 21. Dezember haben Versicherungen Unisex-Tarife anzubieten. Geschlechtsspezifische Risiken dürfen sich damit nicht mehr in unterschiedlichen Beiträgen niederschlagen. Bei Produkten zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge profitieren vor allem Frauen. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei mehr als 82 Jahren, während Männer mit 77 Jahren zu rechnen haben. Dementsprechend höhere Beiträge mussten weibliche Versicherte früher leisten.

Grundfreibeträge gehen nach oben

Das Bundesverfassungsgericht hatte eine Erhöhung der Freibeträge gefordert. Der steuerfreie Grundbetrag steigt zum 1. Januar 2013 um 126 Euro auf 8.130 Euro. 2014 ist eine weitere Anhebung um 224 Euro vorgesehen.

Geringfügig Beschäftigte: neue Grenzen

Für Minijobber hat sich die abgabenfreie Verdienstgrenze von 400 auf 450 Euro erhöht. Sie können damit 50 Euro mehr verdienen, ohne Steuern bezahlen zu müssen. Um die soziale Absicherung zu verbessern, müssen bei Neuverträgen künftig Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet werden. Arbeitnehmer haben jedoch die Möglichkeit, sich auf Antrag von dieser Verpflichtung befreien zu lassen.

Für Midijobber gelten jetzt 850 Euro als Höchstgrenze, 2012 waren es 800 Euro.

Rente: niedrigere Beitragssätze

Die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung sind von 19,6 auf 18,9 Prozent des Bruttolohns gesunken – der niedrigste Wert seit 1996. Arbeitnehmer sparen damit 3,2 Milliarden Euro, und Arbeitgeber werden um die gleiche Summe entlastet. Da die Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung den vorgeschriebenen Wert überschritten haben, entschloss sich die Regierung zu diesem Schritt.

Kritiker führen jedoch an, dass es sich nur um kurzfristige Effekte handele und aufgrund demographischer Effekte in wenigen Jahren Zahlungen wieder nach oben korrigiert werden müssten.

Teurer wird es jetzt schon beim Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte, etwa Minijobber. Sie müssen statt bisher 78,40 Euro nunmehr 85,05 Euro berappen.

Absicherung der Pflegebedürftigkeit

Ab Januar steigen Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung von 1,95 auf 2,05 Prozent, um höhere Kosten zur Versorgung von Menschen mit Demenz abzufangen. Außerdem können Beitragszahler, die sich zusätzlich privat absichern, mit dem „Pflege-Bahr“ Zuschüsse von 60 Euro pro Jahr in Anspruch nehmen. Sie müssen einen Vertrag zur Pflege-Tagegeld-Versicherung abschließen und selbst mindestens 120 Euro pro Jahr einzahlen. Ihr Einkommen spielt dabei keine Rolle.

Umstrittene Kinderbetreuung

Ab August bekommen Eltern, die ihre ein- und zweijährigen Kinder zu Hause erziehen, finanzielle Unterstützung. Der Satz dieser umstrittenen „Herdprämie“ liegt momentan bei 100 Euro pro Monat und erhöht sich in 2014 auf 150 Euro pro Monat. Zeitgleich hat die Regierung einen Anspruch auf Krippenplätze für Sprösslinge ab dem ersten Lebensjahr gesetzlich festgeschrieben. Das bringt manche Bundesländer in arge Bedrängnis – dringend erforderliche Baumaßnahmen haben sich verzögert, und Fachkräfte fehlen ohnehin. Bereits heute rechnen Juristen mit einer Klagewelle gegen Kommunen.

Wahlgeschenk aus Berlin

Die nächste Änderung: Zum 1. Januar wurde die Praxisgebühr abgeschafft. Erhoffte Einsparungen für das Gesundheitssystem erwiesen sich als Trugschluss, im gleichen Atemzug klagten Ärzte über den hohen Verwaltungsaufwand. Neun Jahre nach Einführung ist dieser Obolus nun wieder Geschichte – die Bundesregierung entlastet Versicherte dadurch um zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Michael van den Heuvel

 

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