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13. Oktober 2013

Arbeit in Deutschland: Gestresst, erschöpft, ausgelaugt

Hochbetrieb im Handverkauf, mehrere Rezepturen sind parallel anzufertigen, die Großhandelslieferung trifft ein, und der Chef will Arbeitspläne durchsprechen: Alltag in vielen Apotheken. Nach Dienstschluss liegen Computer beziehungsweise Handy bereit. Mehr und mehr Angestellte erkranken durch diese Belastung.

Wissenschaftler beurteilen das Umfeld im modernen Arbeitsleben generell als zu komplex und zu schnell. Auch hätten einzelne Angestellte zu viel Arbeit. Und die moderne Technik, vor rund zehn Jahren noch als Segen gepriesen, entwickelt sich mehr und zur Büchse der Pandora.

Technik: vom Segen zum Fluch

Einerseits haben Kunden im Zeitalter von Ebay, Amazon & Co. auch gegenüber öffentlichen Apotheken immer höhere Erwartungen. Und andererseits fällt es vielen KollegInnen schwer, nach Feierabend im wahrsten Sinne des Wortes abzuschalten. Vielleicht kommt noch eine E-Mail oder eine SMS vom Chef, dass er den Dienstplan geändert hat, weil Kollegin X oder Kollege Y erkrankt ist? Bleibt noch die Möglichkeit, Onlinefortbildungen zu absolvieren, natürlich in der Freizeit und dank des allgegenwärtigen Laptops zeitlich beziehungsweise räumlich unabhängig. Die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen zusehends, kritisieren Psychologen. Sie sehen eine Verschiebung von physischem hin zu psychischem Stress. Kein Wunder also, dass laut Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) allein in 2012 etwa 53 Millionen Fehltage auf psychische Belastungen zurückzuführen waren. Ein Ende dieser Entwicklung zeichnet sich momentan nicht ab. Ganz im Gegenteil: Der Grad an technischer Vernetzung und Erreichbarkeit steigt zunehmend.

Freude am Job

Demgegenüber empfinden viele Angestellte ihren Job als positiv und sinnerfüllend. Eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung bestätigte entsprechende Sachverhalte: Auf einer Skala von 1 („nervt total“) bis 7 („sehr zufrieden“) bewerteten 5.000 Leser ihre Kollegen mit 5,5, ihre Arbeitszeiten mit 5,0, ihren Tätigkeitsbereich mit 4,4, ihren Chef mit 4,3 und ihr Gehalt mit 4,1. Arbeitspsychologen konstatieren, der Beruf habe sich vom reinen Broterwerb zur sinnerfüllenden Tätigkeit entwickelt. Entsprechend hoch sind die Erwartungshaltungen. Hohe Ansprüche haben ihre guten Seiten. Damit steigt der Druck auf Arbeitgeber, mehr als nur einen Arbeitsplatz zu bieten. Übertarifliche Gehälter, Angebote zur Work-Life-Balance und zum betrieblichen Gesundheitsmanagement tragen dazu bei, Fachkräfte – gerade in öffentlichen Apotheken – langfristig zu halten. Wer die Zeichen der Zeit nicht sehen will, könnte früher oder später bei der Suche nach Angestellten ein großes Problem bekommen. 

Michael van den Heuvel

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