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17. Juni 2014

Arbeitsmarktstatistik von Städten und Kreisen: Hohe Erwerbstätigkeit von Frauen im Osten

Die Unterschiede sind drastisch: Während in Frankfurt/O. fast 60 Prozent der Beschäftigten weiblich sind, bildet die westdeutsche Stadt Emden mit lediglich 30 Prozent das Schlusslicht in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Letztere steht dafür auf Platz zwei, wenn es um die Vollbeschäftigung geht, während hier der Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz den letzten Platz hält.

Arvid Kaiser vom Manager Magazin hat Daten der Bundesagentur von September 2013 ausgewertet und in mehreren Rankings gezeigt, wie stark der Arbeitsmarkt in Deutschlands Städten und Kreisen auseinanderklafft. Dabei wird auch deutlich, dass die Unterschiede zwischen Ost und West noch lange nicht überwunden sind.

Wo die IG Metall regiert

Auch einen Einfluss der Gewerkschaften hat der Autor konstatiert. Für diejenigen Landkreise und Städte, in denen ein besonders hoher Anteil an Vollbeschäftigung herrscht, gelte: „Hier regiert die IG Metall.“ Angeführt wird das Ranking hier von der Stadt Wolfsburg mit 87 Prozent. Auf den hinteren Rängen findet man neben zwei Kreisen aus Rheinland-Pfalz sowie der Stadt Delmenhorst auch Universitätsstädte wie Freiburg oder Göttingen mit hohen Anteilen an Teilzeitbeschäftigung. Im Bundesdurchschnitt haben gut 74 Prozent der Arbeitnehmer einen Vollzeitjob.

Dafür liegt Wolfsburg beim Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt auf dem vorletzten Platz und mit 31 Prozent deutlich unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 46 Prozent. Hier liegen Städte und Kreise im Osten vorne. Auch Berlin gehört dazu. Platz 2 wird allerdings vom Landkreis Helmstedt eingenommen. Es liegt nahe, hier noch eine Nachwirkung der hohen weiblichen Erwerbstätigkeitsquote in der DDR zu vermuten. Denn das familiäre Vorbild spielt auch in den folgenden Generationen noch eine Rolle.

Viele Junge in Bayern …

11 Prozent beträgt der Anteil von Arbeitnehmern unter 25 Jahren bundesweit. Im internationalen Vergleich ist das niedrig, sagt der Autor. Schaut man genauer hin, sind es in den ostdeutschen Kreisen und Städten besonders wenig: Auf den letzten Rängen liegen Frankfurt/O. mit 6,5 Prozent sowie die Landkreise Spree-Neiße (Brandenburg) und Greiz (Thüringen) mit gut 7 bzw. knapp 8 Prozent. Angeführt wird das Ranking von drei bayerischen Landkreisen mit jeweils über 17 Prozent.

viele Ältere in Ostdeutschland

Entsprechend sieht die Statistik für den Arbeitsmarktanteil der Generation 50plus fast umgekehrt aus. Hier führt der Osten mit Anteilen bis über 40 Prozent, während der gesamtdeutsche Schnitt bei 30 Prozent liegt. Besonders wenig ältere Arbeitnehmer haben die Landkreise Eichstätt und München, gefolgt von der Stadt München, jeweils mit knapp 24 Prozent.

Akademikeranteil variiert zwischen 4 und 30 Prozent

Die Städte Erlangen und Jena haben mit jeweils über 29 Prozent die höchsten Anteile an Arbeitnehmern mit akademischem Abschluss. Auf Platz 3 folgt München mit gut 25 Prozent. Am unteren Ende rangieren Landkreise aus Rheinland-Pfalz und Bayern. Allerdings ist dort auch die Arbeitslosenquote niedrig, so Autor Arvid Kaiser.

Teilzeit ist immer noch weiblich

Aus der Untersuchung lässt sich ablesen, dass Teilzeitarbeit immer noch ein weibliches Phänomen ist und die Vollzeitstellen immer noch in überwiegend männlicher Hand. Das bleibt also ein gesellschaftliches wie auch individuelles Problem. Denn Teilzeit bedingt immer auch niedrigeres Einkommen, schlechtere Karrierechancen und geringere Altersbezüge.

Und was auf den ersten Blick nach einem erfreulichen Trend zur längeren Beschäftigung älterer Kolleginnen und Kollegen aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Nachwirkung der Abwanderung junger Arbeitskräfte im Osten.

Alles in allem eine gewaltige Herausforderung für die Kommunen, aber auch die Länder und den Bund, mit diesen Unterschieden konstruktiv umzugehen.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Quelle: Manager-Magazin.de vom 10.6.2014

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