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Ausländische Qualifikationen: Schnellere Anerkennung als Chance – aber nur mit klaren Rahmenbedingungen

Das geplante Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen kann den Fachkräftemangel in Apotheken lindern. Aus Sicht von ADEXA ist es ein wichtiger Schritt – doch für eine nachhaltige Wirkung reicht der Abbau von Bürokratie allein nicht aus. 

Mit dem neuen Gesetz zur schnelleren Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen setzt die Bundesregierung ein deutliches Signal gegen den Fachkräftemangel. Gerade in öffentlichen Apotheken ist die Personalsituation seit Jahren angespannt. ADEXA begrüßt daher ausdrücklich die geplanten Maßnahmen, die Verfahren vereinfachen und beschleunigen sollen. 

Das Gesetz wurde Ende März 2026 vom Bundestag verabschiedet und soll – vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrates – am 1. November 2026 in Kraft treten. Die geplante Reform der Bundes-Apothekerordnung (BApO) wird jedoch zusätzlich Zeit in Anspruch nehmen.

Ein wichtiger Schritt

Aus gewerkschaftlicher Sicht ist die Reform überfällig. Bislang mussten Approbierte aus Drittstaaten sich einer lang andauernden vollständigen Gleichwertigkeitsprüfung unterziehen. Das war nicht nur bürokratisch aufwendig, sondern auch finanziell belastend. In dieser Zeit arbeiteten viele unterhalb ihrer Qualifikation und zu entsprechend niedrigen Gehältern. 

Besonders positiv bewertet ADEXA, dass die direkte Kenntnisprüfung künftig zum Standard werden soll. Damit entfällt in vielen Fällen die Gleichwertigkeitsprüfung, die bislang ein Engpass des Verfahrens war. Auch die geplante Möglichkeit eines partiellen Berufszugangs sieht die Gewerkschaft grundsätzlich als praktikabel an – vorausgesetzt, die konkreten Tätigkeitsbereiche werden klar definiert und die Tätigkeit wird angemessen honoriert. 

Integration braucht mehr als formale Anerkennung

Doch die reine Verfahrensbeschleunigung reicht aus Sicht von ADEXA nicht aus. Denn Integration in den Apothekenalltag bedeutet mehr als formale Anerkennung. Sprachliche und fachliche Weiterbildung sowie eine strukturierte Einarbeitung sind entscheidend, damit internationale Fachkräfte ihr Potenzial voll entfalten können. 

Hier sieht ADEXA Nachbesserungsbedarf: Apotheken, die wichtige Integrationsleistung erbringen, sollten gezielt unterstützt werden, etwa durch Förderprogramme oder die Übernahme von Kosten für berufsbegleitende Sprach- und Fachkurse. Ebenso braucht es mehr Kapazitäten in den zuständigen Prüfungsbehörden, um die Verfahren tatsächlich zügig abwickeln zu können. 

Fazit: Viele Details sind noch offen

Für ADEXA ist klar: Die Richtung stimmt. Doch ob die Reform ihr Ziel erreicht, hängt davon ab, wie konsequent sie umgesetzt und durch flankierende Maßnahmen ergänzt wird. Nur dann kann aus der Beschleunigung der Verfahren tatsächlich eine nachhaltige Entlastung für Apotheken und eine faire Perspektive für internationale Fachkräfte entstehen.

Andreas May
ADEXA-Bundesvorstand