News

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

16. Juni 2014

EAPT-Meeting 2014: Europas PTA trafen sich in Finnland

Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen empfingen uns in der finnischen Hauptstadt. Das Treffen mit den Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen aus Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kroatien, Norwegen, Portugal, Slowenien, Schweden und Ungarn fand in dem modernen Konferenzsaal der Kolleginnen aus Finnland statt, die alles hervorragend organisiert hatten. Aus Deutschland nahmen Ingrid Heberle, PTA-Fachgruppenleiterin bei ADEXA, und die Autorin teil.

Teilnehmer des EAPT-Treffens in Helsinki 2014
Teilnehmer des EAPT-Treffens in Helsinki 2014 (Foto: EAPT)

 

Aktivitäten und Ziele

Als erstes stand der Bericht des Vorstandes über die Aktivitäten des letzten Jahres auf unserer Agenda. Ein Schwerpunkt waren die Kontakte zu anderen europäischen Organisationen und Gewerkschaften mit dem Ziel, die PTA in Europa stärker ins allgemeine Bewusstsein zu bringen, die Aus- und Weiterbildung zu fördern und den Berufsstand zu stärken. Das ist in vielen europäischen Ländern nötig, da dort die Anerkennung des Berufes fehlt und sich niemand um die Belange der PTA kümmert.

Vorstandswahlen

Da zwei Vorstandskolleginnen aus persönlichen Gründen aufgehört haben, wurde ein neuer Vorstand gewählt. EAPT-Präsident ist weiterhin João José Joaquim aus Portugal, Vizepräsidentin ist Christina Durinck aus Dänemark, Sekretärin Tess Fenn aus England und Finanzwartin Svjetlana Jakovac aus Kroatien, und als Delegierte fungiert Monika Panduric aus Slowenien.

Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, an denen auch ADEXA teilnehmen wird. Außerdem wurde eine Gebühr für die Mitgliedschaft beim EAPT beschlossen, denn um den Verband weiter voranzubringen, ist auch ein Budget nötig.

Spannend waren natürlich wieder die Berichte aus den einzelnen Ländern zur aktuellen Situation der PTA.

EAPT im Internet

Ich hoffe, dass wir die EAPT-Website – unter Federführung von ADEXA – bald ins Netz stellen können; ein Anfang ist bereits gemacht. Sie soll Informationen für und über PTA und Apotheken in den einzelnen Ländern geben, Kontaktadressen beinhalten und die neuesten Infos zum EAPT und unseren Treffen geben.

Europäischer Qualifikationsrahmen

Ein Vortrag zum Europäischen Qualifikationsrahmen (European Qualifications Framework, EQF, http://ec.europa.eu/eqf) machte uns klar, wie schwierig die gegenseitige Anerkennung (nicht nur) der PTA in Europa ist. Schon die Schulausbildung ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich geregelt, somit auch die Eingangsvoraussetzungen für die Berufsausbildung. Viele Berufe sind nicht anerkannt, die Unterschiede in der Ausbildung sind enorm, besonders im Handwerk. Die berufliche Fort- und Weiterbildung ist in manchen Ländern sehr streng geregelt, in anderen gar nicht oder findet nur über von der Industrie gesponserte Vorträge statt. Europa hat also noch einen langen Weg vor sich zu einheitlichen Bedingungen!

Besuch im Blisterzentrum

Der Besuch bei einem Blisterzentrum (Dose Dispensing Company) rundete den zweiten Tag der Tagung ab. Wir konnten die Automaten zur patientenindividuellen Neuverblisterung, die Kontrolle der abgepackten Schlauchblisterstreifen und den Versand besichtigen. Das Blisterzentrum beliefert überwiegend Altenheime und Apotheken, die dann die eingeschweißten Tagesdosierungen an die Patienten weitergeben. Die Schwierigkeiten in Finnland bestehen hauptsächlich darin, dass viele eingesetzte Medikamente nicht in Bulkware zu erhalten sind und erst mühsam ausgeblistert werden müssen.

EAPT-Meeting 2015

Das nächste EAPT-Treffen wird vom 24. bis 25. März in Hamburg stattfinden, mit ADEXA als Gastgeber. Wir hoffen dann natürlich auch auf strahlenden Sonnenschein, um den Kolleginnen und Kollegen aus Europa die Stadt von ihrer besten Seite zeigen zu können.

Ende März 2015 findet außerdem ein internationales Treffen der Krankenhaus-PTA in Hamburg statt. Weitere Informationen unter http://www.eahp.eu/congresses.

Nicht zu vergessen das große Treffen der International Pharmaceutical Federation (FIP) in Düsseldorf im Herbst 2015, das sich zeitlich mit der Expopharm überschneidet (www.fip.org).

Das nächste Jahr wird also spannend mit vielen interessanten Veranstaltungen. Und ADEXA ist für Sie mit dabei.

Jutta Brielich, ADEXA Fachgruppe PTA

PTA für Europa

 

 

Hintergrund

PTA in Finnland

Im diesjährigen Gastgeberland Finnland hatte sich vor kurzem die PTA-Gewerkschaft mit der größten finnischen Dienstleistungsgewerkschaft PAM (www.pam.fi) zusammengeschlossen. Dadurch erhoffen sich die Kolleginnen größere Macht bei den Tarifverhandlungen und Unterstützung bei der Anerkennung des PTA-Berufes in Finnland.

Finnland ist ein großes Land mit wenigen Einwohnern. Es gibt 816 Apotheken, davon sind 617 Hauptapotheken und 199 Filialapotheken. Insgesamt arbeiten dort 8.529 Personen – pharmazeutisches Personal inklusive Apothekenleiter. Neben den Apotheken gibt es in abgelegenen Gegenden 70 Apothekenshops, die eine kleine Menge an OTC-Mitteln vorrätig halten und in denen man seine verschriebenen Medikamente abholen kann. Eine Reform der Arzneimittelpreise (d. h. höhere Margen bei Rezeptbelieferungen) soll nun kleineren, abgelegenen Apotheken helfen, die kaum OTC verkaufen und wo sich eine Freiwahl nicht lohnt.

Es gibt rund 3.500 PTA in Finnland, die allerdings eine andere Berufsausbildung als hierzulande haben. Sie dürfen keine Beratung zu Arzneimitteln durchführen, keine Rezepte beliefern und übernehmen eher Aufgaben unserer PKA. Das Gehalt ist entsprechend niedriger; und die letzten Tarifverhandlungen brachten nur eine Erhöhung um 20,00 Euro im Monat für das Jahr 2014 und 0,4 Prozent Gehaltssteigerung für 2015.

Von den Sprachproblemen ganz abgesehen ist es für deutsche PTA nicht sehr attraktiv, als PTA in Finnland zu arbeiten. Natürlich kann man als „PKA“  arbeiten, aber das Gehalt ist niedrig und die Arbeit eine ganz andere. Neben den Apothekern gibt es noch den Beruf des Bachelor of Pharmacy, die auch Rezepte beliefern dürfen. Bisher ist mir aber keine Anerkennung einer deutschen PTA als Bachelor bekannt; es scheint sehr schwierig zu sein.

jb

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>