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29. August 2014

Einkommensverteilung von Frauen und Männern: Der Unterschied ist noch größer als gedacht

„Frauen erzielen im Durchschnitt nur halb so hohe Einkommen wie Männer“ – so der Titel einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Besonders groß ist der Abstand beim Arbeitseinkommen. Aber auch bei den Renten liegen die Frauen weit zurück.

Autor Stefan Bach hat – erstmalig in Deutschland – die Daten der letzten verfügbaren Lohn- und Einkommensteuerstatistik von 2007 nach Geschlechtern analysiert. Die Unterschiede, die dabei zu Tage getreten sind, stellen selbst die jährlichen Hiobsbotschaften des Equal Pay Day in den Schatten: Alle steuerlich erfassten Frauen zusammen haben ein Einkommen von 47 Prozent im Vergleich zum aggregierten Einkommen aller Männer (die Zahl der erfassten Frauen liegt dagegen mit 26,8 Millionen bzw. 98 Prozent nur knapp hinter der der Männer). Betrachtet man das durchschnittliche weibliche Pro-Kopf-Einkommen, so liegt es bei 49 Prozent des Einkommens von Männern.

In den unteren Einkommensgruppen überwiegen die Frauen; bei einem Jahresbrutto von 20.000 bis 25.000 Euro wendet sich das Blatt. Ab 75.000 Euro liegt der Frauenanteil nur noch bei 19 bis zuletzt 16 Prozent.

Differenziert man nach den Einkommensarten, so sind die geschlechterspezifischen Unterschiede verschieden stark ausgeprägt:

  • Arbeitseinkommen: Das Pro-Kopf-Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit beträgt bei Frauen im Schnitt 61 Prozent des Verdienstes von Männern. Da steuerfreie Einkünfte aus Minijobs, Nacht- und Feiertagszuschlägen sowie Sozialtransfers in der Steuerstatistik nicht erfasst werden, folgert Bach, dass die Einkommenslücke tatsächlich noch größer ist.
  • Gewinneinkommen aus Gewerbe, selbstständiger Arbeit, Land- und Forstwirtschaft: Frauen haben im Schnitt 50 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens.
  • Kapitaleinkommen: Die Relation von Frauen zu Männern beträgt pro Kopf 66 Prozent.
  • Vermietungseinkommen: Hier liegen die Frauen mit 104 Prozent sogar leicht über den Männern.
  • Renten, Pensionen, Lohnersatzleistungen: Frauen kommen im Schnitt auf zwei Drittel des Einkommens von Männern.

Da seit 2007 zwar der Anteil erwerbstätiger Frauen gestiegen ist, aber sich gleichzeitig auch die Teilzeitquote noch erhöht hat, dürfte sich der „Gender Income Gap“ bis heute nur wenig geändert haben, so Bach.

Barbara Neusetzer, ADEXAs Erste Vorsitzende, kommentiert die Ergebnisse: „Diese Zahlen spiegeln traditionelle Rollenmodelle und die Fokussierung von Frauen auf niedrig bezahlte Berufe wieder. So wird aus der Einkommenslücke beim Gehalt später eine Rentenlücke. Leider ist der Änderungsprozess sehr zäh. Aber jede Frau sollte hier hellhörig werden – auch die jungen bei der Berufswahl. Andererseits ist die Politik gefordert, z. B. das Ehegattensplit­ting abzuschaffen, das ein we­sentlicher Grund für die traditionelle Rollenverteilung ist. Das wurde auch von Forschern festgestellt, die den erst kürzlich von Familienministerin Manuela Schwesig vorgestellten Ab­schlussbericht über die Effizienz von Familienleistungen erstellt haben.“

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

Quelle: Stefan Bach: Gender Income Gap und Gender Tax Gap – Frauen erzielen im Durchschnitt nur halb so hohe Einkommen wie Männer.
In: DIW Wochenbericht Nr. 35.2014

 

 

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