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EPhEU-Studie: Europas Approbierte zwischen Anerkennung und Überlastung

Viele Apothekerinnen und Apotheker fühlen sich überlastet, unterbezahlt und nicht ausreichend anerkannt. Eine europäische Studie mit Teilnehmenden aus 17 Ländern zeigt deutliche Unterschiede zwischen West- und Osteuropa – und macht sichtbar, warum die Zufriedenheit im Beruf vielerorts sinkt.

Apothekerinnen und Apotheker beraten Patientinnen und Patienten, prüfen Wechselwirkungen und begleiten chronisch Kranke. Doch der Druck im Berufsalltag steigt: Personalmangel, wirtschaftliche Belastungen und wachsende bürokratische Anforderungen prägen ihre Arbeit. Doch wie ist die Lage im europäischen Vergleich? Das zeigt eine neue Publikation. 

„Unsere Studie umfasst die Antworten von 789 Apothekerinnen und Apothekern aus 17 europäischen Ländern“, kommentiert Erstautorin Katarina Fehir Šola von der University of Josip Juraj Strossmayer Osijek, Kroatien. „Sie wäre ohne den gemeinsamen Einsatz unserer gesamten EPhEU-Community nicht möglich gewesen: der Vorstandsmitglieder, unserer nationalen Partnerverbände, ehemaliger Mitglieder sowie aller Kolleginnen und Kollegen, die die Umfrage in ihren Netzwerken geteilt und ihre Mitglieder zur Teilnahme ermutigt haben.“ EPhEU ist die European Association of Employed Community Pharmacists in Europe, eine Organisation, die europaweit die Interessen angestellter Apothekerinnen und Apotheker in öffentlichen Apotheken vertritt. ADEXA ist eines der Gründungsmitglieder von EPhEU, mit Andreas May stellt ADEXA derzeit den Präsidenten der Organisation. 

Fehir Šola: „Diese Publikation ist in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild unseres Berufsstandes in Europa – unserer Stärken, unserer gemeinsamen Frustrationen und der strukturellen Herausforderungen, denen wir uns gemeinsam stellen müssen.“

Gute Kollegschaft, schlechte Rahmenbedingungen

Besonders positiv bewerteten die Teilnehmenden den Zusammenhalt im Team. Viele der Befragten gaben an, sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen eng verbunden zu fühlen. Auch die Sinnhaftigkeit der Arbeit wurde vergleichsweise gut bewertet.

Deutlich schlechter schnitten dagegen die Arbeitsbedingungen ab. Am kritischsten wurde die Personalsituation beurteilt. Etliche Apothekerinnen und Apotheker berichteten, dass zu wenige Mitarbeitende vorhanden seien, um die Arbeitsbelastung angemessen zu bewältigen. Auch die Bezahlung sowie die Möglichkeit, die eigenen Kompetenzen vollständig einzusetzen, wurden häufig negativ bewertet.

Rund 40 Prozent der Befragten erklärten zudem, sich für ihre Tätigkeit überqualifiziert zu fühlen. Dies deutet darauf hin, dass viele ihre umfangreiche akademische Ausbildung im Berufsalltag nicht ausreichend einbringen können.

Tendenz bei der Jobzufriedenheit im Überblick

Relativ hohe Werte:

  • Serbien
  • Norwegen
  • Österreich
  • Kroatien 

Mittelfeld:

  • Deutschland
  • Frankreich 

Niedrigere Werte:

  • Polen
  • Vereinigtes Königreich

Unterschiede zwischen West- und Osteuropa

Apothekerinnen und Apotheker aus Westeuropa berichteten insgesamt über eine höhere berufliche Zufriedenheit und ein positiveres Berufsbild als Teilnehmende aus Osteuropa.

In Ländern wie Deutschland, Österreich oder Norwegen verfügen Apothekerinnen und Apotheker häufig über größere berufliche Freiheiten und übernehmen zusätzliche klinische Aufgaben, etwa Medikationsanalysen oder Impfleistungen. Zudem sind die Verdienstmöglichkeiten meist besser.

In vielen osteuropäischen Ländern hingegen konzentriert sich die Tätigkeit stärker auf die klassische Arzneimittelabgabe. Gleichzeitig sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oft schwieriger. Niedrigere Einkommen und geringere Entwicklungsmöglichkeiten könnten dazu beitragen, dass die berufliche Zufriedenheit dort schwächer ausgeprägt ist.

Die Studie zeigt außerdem, dass viele Apothekerinnen und Apotheker zwar ihre eigene Bedeutung für das Gesundheitssystem hoch einschätzen, gleichzeitig aber das Gefühl haben, gesellschaftlich nicht ausreichend anerkannt zu werden. Besonders kritisch bewerteten die Befragten die öffentliche Wahrnehmung ihrer Qualifikation sowie die Unterstützung durch das jeweilige Gesundheitssystem.

Unabhängige Apotheken schneiden besser ab

Auch das Arbeitsumfeld beeinflusst die Zufriedenheit deutlich. Beschäftigte in unabhängigen Apotheken berichteten häufiger über positive Arbeitserfahrungen als Mitarbeitende großer Apothekenketten.

Mögliche Gründe könnten größere Entscheidungsfreiheit und engere Beziehungen zu Patientinnen und Patienten sein. Teilzeitbeschäftigte bewerteten ihren Beruf ebenfalls positiver als Vollzeitkräfte. Dies könnte darauf hinweisen, dass eine bessere Work-Life-Balance wesentlich zur Zufriedenheit beiträgt.

Zusatzqualifikationen, höhere Einkommen und längere Berufserfahrung gingen ebenfalls häufiger mit einer positiveren Wahrnehmung des Berufs einher.

Fazit: Die Zufriedenheit schwankt stark

Die Studie macht deutlich, dass Europas Apothekerinnen und Apotheker ihren Beruf trotz vieler Belastungen weiterhin als sinnvoll erleben. Gleichzeitig zeigen sich erhebliche strukturelle Probleme: Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung, unzureichende Bezahlung und fehlende Anerkennung prägen vielerorts den Alltag.

Besonders der Vergleich zwischen West- und Osteuropa verdeutlicht, wie stark berufliche Zufriedenheit von den jeweiligen Gesundheitssystemen und Arbeitsbedingungen abhängt. Langfristig könnte genau davon abhängen, ob der Apothekerberuf attraktiv bleibt – und ob die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Europa gesichert werden kann.

Michael van den Heuvel

Quelle

Fehir Šola K, Falamić S, Ortner Hadžiabdić M, Merks P. Professional Fulfilment in Pharmacy: A Cross-Sectional Survey of Pharmacists in 17 European Countries. Pharmacy. 2026;14(3):73. doi: 10.3390/pharmacy14030073

 

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