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Equal Care Day: Teilzeit ist kein Luxus – sondern Voraussetzung für faire Sorgearbeit

Zum Equal Care Day am 1. März macht ADEXA auf die strukturelle Schieflage bei der Verteilung von Sorgearbeit aufmerksam. Gerade in Apotheken zeigt sich, wie eng Care-Arbeit, Teilzeit und Gleichstellung miteinander verknüpft sind. Wer das Recht auf Teilzeit infrage stellt, verschärft bestehende Ungleichheiten – mit Folgen für Beschäftigte, Versorgung und Fachkräftesicherung.

Der Equal Care Day steht symbolisch für all jene Tätigkeiten, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde: Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen, Hausarbeit und die oft unsichtbare emotionale Sorgearbeit. Diese Aufgaben werden nach wie vor überwiegend von Frauen übernommen – daran hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert. 

Die Konsequenzen sind spürbar: Viele Frauen verringern ihre Erwerbsarbeitszeit, verdienen weniger und tragen langfristig ein höheres Risiko für finanzielle Einbußen bis hin zu Altersarmut. Der Aktionstag macht deshalb deutlich, dass echte Gleichstellung nicht allein durch formale Gleichberechtigung entsteht, sondern durch reale zeitliche Entlastung und verlässliche strukturelle Rahmenbedingungen.

Ein bewusst gewähltes Datum

Auch das Datum des Aktionstags ist bewusst gewählt. Der 29. Februar existiert nur in Schaltjahren und steht damit für etwas, das selten wahrgenommen wird. In Nicht-Schaltjahren findet der Equal Care Day am 1. März statt, wie in diesem Jahr. Die Symbolik ist klar: Care-Arbeit ist unverzichtbar, bleibt aber häufig unsichtbar und gesellschaftlich unterbewertet.

Apotheken als Spiegel der Care-Realität

Besonders deutlich wird die Bedeutung dieses Themas im Apothekenbereich. Hier arbeiten rund zwei Drittel der angestellten Apotheker:innen, PTA und PKA in Teilzeit, zugleich ist der Frauenanteil in diesen Berufen besonders hoch. 

Teilzeitarbeit ist in Apotheken kein Ausdruck eines individuellen Komfortwunsches, sondern für viele Beschäftigte die notwendige Voraussetzung, um Beruf, Familie und Pflege miteinander vereinbaren zu können. Wer über Care-Arbeit spricht, muss deshalb auch über die konkreten Arbeitszeitrealitäten in einem weiblich geprägten Gesundheitsberuf sprechen.

Das Recht auf Teilzeit als Schutzinstrument

Das gesetzliche Recht auf Teilzeit ist ein zentraler Baustein für Verlässlichkeit und Fairness. Es schützt Beschäftigte vor einseitigem Druck zur Vollzeitarbeit und schafft die Möglichkeit, Arbeitszeiten dauerhaft oder zeitlich befristet zu verringern. 

Auch wenn im Apothekenalltag häufig individuelle Lösungen gefunden werden, bietet der gesetzliche Anspruch eine wichtige Absicherung, wenn persönliche, familiäre oder gesundheitliche Gründe flexible Arbeitszeiten erforderlich machen. Gerade vor dem Hintergrund ungleich verteilter Care-Arbeit ist dieses Recht ein wesentliches Instrument, um tatsächliche Gleichstellung zu ermöglichen.

Politische Vorstöße mit weitreichenden Folgen

Vor diesem Hintergrund bewertet ADEXA politische Vorstöße zur Einschränkung oder Abschaffung des Teilzeitrechts als klaren Rückschritt. Würde der gesetzliche Anspruch geschwächt, stiege der Druck auf Beschäftigte, trotz familiärer Verpflichtungen in Vollzeit zu arbeiten oder ganz aus dem Beruf auszusteigen. 

Die Folgen wären fatal: neue Belastungen, sinkende Arbeitszufriedenheit, Rückschritte bei der Gleichstellung und eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in Apotheken. Care-Arbeit würde dadurch nicht seltener, sondern lediglich weiter in den privaten Raum gedrängt und noch weniger sichtbar.

Ein arbeits- und gesundheitspolitischer Auftrag

Der Equal Care Day ist damit mehr als ein symbolischer Gedenktag. Er ist ein arbeits- und gesundheitspolitischer Auftrag. Wer Sorgearbeit ernst nimmt, muss verlässliche Teilzeitmodelle sichern und stärken, Vereinbarkeit strukturell verbessern und politische Entscheidungen an der Lebensrealität der Beschäftigten ausrichten. Gleichstellung, Versorgungssicherheit und die Zukunftsfähigkeit der Apothekenberufe sind ohne ein gesichertes Recht auf Teilzeit nicht denkbar.

mvdh

Quellen