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08. September 2012

Ergebnisse des Familienmonitors: Alleinerziehende wollen ihr Einkommen selbst verdienen

Fast jede fünfte Familie in Deutschland wird von Alleinerziehenden „gemanagt“. 2010 waren es 1,6 Millionen, die in einem Haushalt mit minderjährigen Kindern lebten. Die Mehrzahl von ihnen will den Familienunterhalt selbst bestreiten, doch sind immerhin 30 Prozent der alleinerziehenden Mütter auf Transferleistungen wie ALG II angewiesen. Politik und Unternehmen müssen deshalb dafür sorgen, dass künftig auch in „Frauenberufen“ Gehälter gezahlt werden, die eine Familie ernähren können – und entsprechende Kinderbetreuungsmöglichkeiten bzw. Zuschüsse bereitstellen. Das ist auch wichtig für ein ausreichendes Fachkräfteangebot.

Der Anteil an Alleinerziehenden in der Gesellschaft wächst. In neun von zehn Fällen ist die Mutter der alleinerziehende Elternteil. Besonders häufig leben Familien mit nur einem Elternteil in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern. So ist in Berlin auch der Anteil mit rund 32 Prozent bundesweit am höchsten. Am niedrigsten ist er mit 11,5 Prozent in Rheinland-Pfalz.

Erwerbsstatus und Einkommen hängen bei Alleinerziehenden – neben dem Bildungsstand – vor allem von Alter und Anzahl der Kinder ab. Je jünger sie sind und je niedriger der Bildungsstand der Mütter, desto seltener ist diese berufstätig.

Insgesamt sind zwei von drei alleinerziehenden Müttern erwerbstätig. Die Hälfte von ihnen arbeitet in Teilzeit (15 bis 32 Stunden). Über 40 Prozent haben eine Vollzeitstelle, 9 Prozent eine geringfügige Beschäftigung.

Fehlende Kinderbetreuung: ein Armutsrisiko

Alleinerziehende Mütter mit Kindern unter drei Jahren sind allerdings zu 75 Prozent nicht erwerbstätig und daher auf Transferleistungen angewiesen. Gründe dafür sind insbesondere unpassende Arbeitsangebote und fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Hier könnte nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln mit einer flächendeckenden Betreuung weiteren 110.000 Alleinerziehenden die Teilnahme am Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Dies würde gleichzeitig die Armutsgefährdung in dieser Gruppe wesentlich senken.

Knapp 40 Prozent der Alleinerziehenden verfügen über ein Einkommen von weniger als 1.300 Euro pro Monat, fast die Hälfte hatte im Jahr 2010 ein Einkommen zwischen 1.300 und 2.600 Euro. Nur 8 Prozent der alleinerziehenden Mütter verdienten mehr als 2.600 Euro monatlich.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Quelle: Alleinerziehende in Deutschland – Lebenssituationen und Lebenswirklichkeit von Müttern und Kindern. Monitor Familienforschung – Beiträge aus Forschung, Statistik und Familienpolitik Ausgabe 28, Stand Juli 2012

Kommentar: Auf eigenen Füßen stehen

Viele Mütter, die ihre Kinder allein erziehen und ernähren müssen, wollen unabhängig von staatlichen Leistungen sein. Dazu müssen aber die typischen Frauenberufe finanziell aufgewertet werden. Denn in Zukunft wird es immer mehr Frauen in der Rolle der Alleinverdienerin geben. Deshalb sei sowohl den verantwortlichen Politikern als auch den Arbeitgebern ins Stammbuch geschrieben: Trennt Euch von alten Denkschemata! Es geht nicht um ein Taschengeld für glücklich verheiratete Mütter und Frauen. Es geht um ein angemessenes Gehalt, das die Existenzen von Alleinstehenden sowie von Alleinerziehenden und deren Kindern sichern kann – und letztlich auch um eine ausreichende Altersvorsorge. Denn wer gar nicht oder wenig verdient, zahlt auch wenig oder gar nicht in die Vorsorge ein. 

Und zum Thema Betreuungsgeld sei nur soviel gesagt: Diese Gelder wären sinnvoller in eine Verbesserung des Betreuungsangebotes gesteckt (wohlgemerkt nicht nur vom Umfang her, sondern auch von der Betreuungsqualität!). Denn dann können mehr Mütter arbeiten gehen, wenn sie es denn wollen. Wenn nicht, werden sie als Alleinerziehende auch vom Betreuungsgeld nicht leben können.

Barbara Neusetzer
ADEXA, Erste Vorsitzende

 

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