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18. Juli 2014

Erreichbarkeit von Angestellten im Urlaub: Einmal richtig abschalten

In der schönsten Zeit des Jahres fragen sich Apothekenangestellte immer häufiger, ob sie ihren Chefs eine Handynummer oder eine private E-Mail-Adresse hinterlassen sollten. ADEXA zeigt arbeitsrechtliche Hintergründe dieses heiklen Themas auf.

Die Schattenseite moderner Technologien: Mehr als drei Viertel aller Kolleginnen und Kollegen bleiben im Urlaub für Vorgesetzte erreichbar. Das hat der Branchenverband BITKOM im Rahmen einer repräsentativen Studie mit 1006 Teilnehmern, inklusive 620 Berufstätigen, ermittelt. Befragt wurden unter anderem auch Schüler und Studierende.

„Einmal richtig abschalten“

Einige Details: Etwa 61 Prozent der Urlauber gehen an ihr Handy, und 54 Prozent bearbeiten dienstliche E-Mails. „So erfreulich die hohe Identifikation der Beschäftigten mit ihrer Arbeit ist, Berufstätige müssen in den Ferien einmal richtig abschalten können“, sagt BITKOM-Präsident Professor Dieter Kempf. Lediglich 24 Prozent aller Befragten sind beruflich nicht erreichbar. Bei den Jüngeren bis 29 Jahre liegt der Anteil bei 30 Prozent, und ab 30 Jahren sind es 22 Prozent. Kempf: „Moderne Kommunikationsmittel zu nutzen, um im Notfall erreichbar zu sein ist das eine, den Erholungswert eines Urlaubs jedoch durch regelmäßige dienstliche Korrespondenz zu gefährden, ist etwas anderes.“

Genehmigt ist genehmigt

In der Tat haben Angestellte Angst vor negativen Folgen, sollten sie für Vorgesetzte nicht erreichbar sein: zu Unrecht, wie Iris Borrmann, Rechtsanwältin bei ADEXA, erklärt. Wer keine Rufbereitschaft hat, muss grundsätzlich weder Telefonate annehmen noch E-Mails lesen. Laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) haben Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Borrmann: „Urlaub, der einmal genehmigt ist, kann grundsätzlich nicht zurückgenommen werden.“ Diese Maxime gilt selbst dann, sollte im Arbeitsvertrag stehen, Mitarbeiter hätten ihre Auszeit auf Wunsch des Chefs abzubrechen. Das Bundesarbeitsgericht hat entsprechende Klauseln längst für unwirksam erklärt (BAG, Urteil vom 20.06.2000 – AZR 404 und 405/99, in NZA 2001, 100f). „Für die arbeitsrechtliche Einschätzung ist unerheblich, ob Angestellte eine Fernreise gebucht haben oder sich zu Hause erholen“, sagt Borrmann.

Von kleinen und großen Katastrophen

Bleibt dennoch eine Ausnahme: „Sollten mehrere Kolleginnen oder Kollegen plötzlich erkranken und wäre die Apotheke dadurch in ihrer Existenz unmittelbar gefährdet, könnten Chefs als letzte Maßnahme Urlauber zurückholen.“ Alle Aufwendungen gehen dann zu Lasten des Betriebs. Iris Borrmann spricht jedoch von einem „konstruierten Beispiel“, da Personaldienstleister auch öffentlichen Apotheken schnell qualifizierte Kräfte zur Verfügung stellen.

Michael van den Heuvel

 

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