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05. April 2013

Fachgruppe PTA zur Ausbildungsnovellierung: „3 Jahre Ausbildung sind künftig ein Muss!“

Nachdem eine Arbeitsgruppe der Bundesapothekerkammer (BAK) den Kammern ihre Vorstellungen für die Neuordnung der PTA-Ausbildung übermittelt hat, mehren sich die Stimmen, die diesen Vorschlag als zuwenig zukunfts- und praxisorientiert kritisieren. Die ADEXA-Fachgruppe PTA hat dazu jetzt eine Stellungnahme an die BAK geschickt, in der sie weitergehende Änderungen vorschlägt, um die Zukunftschancen des Berufes zu verbessern. Nur so werden die öffentlichen Apotheken auch künftig qualifizierte Angestellte im ausreichenden Umfang finden können.

„Die Anforderungen an die PTA in der öffentlichen Apotheke haben sich seit der letzten Novellierung sehr verändert, zuletzt auf Grund der Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). Die Qualitätsansprüche im Bereich Rezeptur und Defektur, der Ausgangsstoffprüfungen und der Beratung im HV sind gestiegen. Die Ausbildung muss darauf reagieren“, heißt es in der Stellungnahme der Fachgruppe PTA. „Deshalb streben wir eine Verlängerung der Ausbildung auf drei Jahre an.“

Fachgruppenleiterin Ingrid Heberle unterstreicht, dass es dabei um eine auf zweieinhalb Jahr verlängerte theoretische Ausbildung an der Schule bzw. dem Berufskolleg geht. „Die Schulen erhalten so außerdem einen größeren Spielraum, um auch regionale Besonderheiten zu berücksichtigen.“ Das Praktikum in der Apotheke soll dagegen wie bisher auf sechs Monate begrenzt bleiben. „Praxis ist ohne jeden Zweifel wichtig. Ein halbes Jahr reicht aber bei einer guten Anleitung aus, um die Umstellung von der Theorie auf die Praxis sicherzustellen. Bei schlechter Betreuung sind auch sechs weitere Monate nicht sinnvoll. Außerdem droht dann ein Ausnutzen billiger Arbeitskraft.“

Bundesweit einheitlicher Ausbildungsplan

ADEXA setzt sich ferner dafür ein, einen einheitlichen fachlichen Ausbildungsplan für alle Schulen zu etablieren, um gleiche Voraussetzungen für die Aufnahme einer PTA-Tätigkeit zu schaffen. Ingrid Heberle: „Die Erfahrung zeigt, dass die Ausbildungsinhalte nicht nur zwischen verschiedenen Bundesländern variieren, sondern auch innerhalb eines Bundeslandes sehr unterschiedlich sein können.“ Die Berufsgruppe MTA hat solch einen bundesweiten Plan in ihrer Ausbildungs- und Prüfungsordnung geregelt und kann als Vorbild für die PTA-Ausbildung dienen.

Fachhochschulreife

Besonders motivierten  PTA-Schülern soll aus ADEXA-Sicht auf freiwilliger Basis angeboten werden, die Fachhochschulreife zu erwerben. Hierfür werden 240 Stunden zusätzlicher allgemeinbildender Unterricht angeboten. Dies ist bereits an vielen PTA-Berufskollegs möglich.

„Kritiker, die hier einen Trend zum Apotheker light erkennen wollen, verkennen die Realitäten“, sagt ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer. „PTA-Ausbildung und -Beruf müssen attraktiver werden – und das geht nur über gute Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Ohne einen substanziellen Fortschritt auf beiden Feldern sowie eine Anerkennung in der Apothekerschaft und der Gesellschaft wird es bald ein massives Personalproblem in den öffentlichen Apotheken geben. Hier ist ein Umdenken erforderlich – weg von der Hilfskraft des Apothekers zu einem eigenständigen, wertgeschätzten Beruf.“

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

Änderungsempfehlungen nach Lernbereichen

Für die einzelnen Lernbereiche empfiehlt die Fachgruppe folgende Änderungen:

  • Lernbereich 1 (Bedeutung / Verantwortung Apotheke): Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Gefahrstoffkunde als zusätzliche Inhalte.
  • Lernbereich  2 (Anwendung und Wirkungen der Arzneimittel): ergänzend Grundlagen der Physiologie, Pathophysiologie und Anatomie, Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen (Homöopathie, Phytopharmaka).
  • Lernbereich 3 (Prüfung der Arzneimittel und Ausgangsstoffe): Stundenerhöhungen, um die Kompetenz im Labor zu festigen und Defizite an naturwissenschaftlichen Grundlagen aus der Schule zu beheben.
  • Lernbereich 4 (Herstellung der Arzneimittel): Plausibilitätskontrolle, wichtige Inkompatibilitäten, Instabilitäten sowie Kenntnisse in der Herstellung spezieller Arzneiformen (Sterilherstellung) müssen einen größeren Anteil innerhalb der Ausbildung bekommen. Ebenfalls in diesen Bereich fällt auch ein Teil des neu einzurichtenden Lernbereichs QMS.
  • Lernbereich 5 (Apothekenübliche Waren und Dienstleistungen): Stundenerhöhung für die Vermittlung folgender Inhalte: Beratung zu Medizinprodukten, Ernährungsberatung (inkl. Allergien und Unverträglichkeiten) und Erbringen von Dienstleistungen, Kosmetik und Körperpflege.
  • Lernbereich 6 (Abgabe, Preisbildung und Leistungsabrechnung der Arzneimittel, Medizinprodukte und  apothekenüblichen Waren): Übereinstimmung mit dem Vorschlag der BAK-Arbeitsgruppe.
  • Lernbereich 7 (Apothekenpraxis): größeres Zeitbudget für Inhalte wie Umgang mit EDV-Systemen, Handeln nach gesetzlichen Vorschriften, Marketing; dem Bereich Kommunikation ist mit Blick auf die patientenorientierte Pharmazie ein besonderes Gewicht zu geben.

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