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15. August 2014

Frauen erhalten häufiger befristete Verträge

Frauen sind im deutschen Arbeitsmarkt häufiger von Befristungen betroffen als Männer. Bei Neueinstellungen trifft es 47 Prozent der weiblichen Beschäftigten, aber nur 38 Prozent der männlichen Arbeitnehmer. Dafür werden Frauen allerdings öfter aus befristeten Arbeitsverhältnissen übernommen.

Seit 1993 ist die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse von 876.000 auf 2.734.000 im Jahr 2013 gestiegen. Damit haben mittlerweile 7,5 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer solch eine unsichere Einkommensperspektive.

Betrachtet man den Anteil bei den weiblichen Beschäftigten, so ist er im gleichen Zeitraum von 3,9 auf 8,8 Prozent angestiegen. Bei den Männern lag 2013 das Niveau bei 6,3 Prozent, 1993 waren es lediglich 2,3 Prozentpunkte.

Fast jede zweite Neueinstellung befristet

Zwar ist der Anteil der Befristungen bei den Neueinstellungen seit 2009 tendenziell rückläufig, doch betrug er im vergangenen Jahr immer noch 42 Prozent. Frauen trifft es dabei öfter (47 Prozent) als Männer (38 Prozent).

Die Übernahmequote betrug zuletzt durchschnittlich 37 Prozent. Bei den Übernahmen haben allerdings Arbeitnehmerinnen die Nase vorne mit einem Anteil von 55 Prozent gegenüber männlichen Arbeitnehmern, die lediglich auf 45 Prozent kommen.

Die Daten zum Arbeitsmarkt stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Dabei hat Schwarz-Rot auch deutlich gemacht, dass die sachgrundlose Befristung nicht abgeschafft werden soll.

„Die Zahlen unterstreichen, dass normale, sprich unbefristete sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse langsam zur Ausnahme statt zur Regel werden. Das ist leider die Kehrseite der niedrigen Erwerbslosenquoten der letzten Jahre“, kommentiert Barbara Neusetzer, Erste Vorsitzende von ADEXA. „Arbeitnehmer brauchen ebenso wie Unternehmen Planungssicherheit. Und das gilt für Frauen genauso wie für Männer, weil ihr Erwerbseinkommen für die Familien heute oft existenzsichernd ist.“

Ein Blick auf die Apotheken

Im Apothekenbereich gibt es bisher offenbar relativ wenige befristete Verträge. Dazu Minou Hansen, Leiterin der ADEXA-Rechtsberatung: „Es gibt immer wieder einmal Anfragen von Mitgliedern dazu, nach meiner Einschätzung allerdings weder auf bestimmte Berufs- oder Altersgruppen beschränkt noch gehäuft. Sollte ich einen befristeten Vertrag zur Prüfung bekommen, rate ich ab, diesen zu unterschreiben. Eine sechsmonatige Probezeit ist ausreichend, um zu überprüfen, ob man miteinander auskommt. Wenn ein Arbeitgeber sich so wenig festlegen möchte, sollte man sich als Mitarbeiter nicht darauf einlassen. Eine Ausnahme sind natürlich zweckbefristete Verträge zum Beispiel für Schwangerschaftsvertretungen.“

Dr. Sigrid Joachimsthaler

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