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16. November 2012

Gender Pay Gap sinkt um 1 Prozent: Trippelschritte zur Geschlechtergerechtigkeit

Nach jahrelangem Stillstand gab es eine kleine Bewegung: Der Abstand zwischen den Gehältern von Frauen und Männern ist hierzulande von 23 auf 22 Prozent gesunken. Es bleibt also noch viel zu tun, besonders im Bereich Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit der Betriebe. Neben besseren Chancen für die einzelne Arbeitnehmerin stehen aber auf einem weiteren Feld dringend Verbesserungen an: So leiden Branchen, in denen Frauen überrepräsentiert sind, unter besonders niedrigen Gehältern. Speziell für die Gesundheitsberufe will der Equal Pay Day 2013 auf diesen Notstand hinweisen, dessen negative Auswirkungen neben den Beschäftigten selbst auch die Arbeitgeber, die Gesellschaft und die Patienten betrifft.

Immerhin: Aufgrund neuer Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die sich mit einer Studie der OECD vom März decken, wurde der Termin des Equal Pay Day (EPD) für das kommende Jahr vorverlegt. Statt bisher am 25. März erreichen weibliche Arbeitnehmerinnen jetzt im Durchschnitt „schon“ am 21. März den Verdienst ihrer männlichen Kollegen vom Vorjahr, das heißt zwei Arbeitstage* früher. Ein kleiner Erfolg. Doch geht es in diesem Tempo weiter, kommt die Geschlechtergerechtigkeit erst in etwa 80 Jahren.

Gesundheitsberufe: Generell zu niedrig bezahlt

Auf einer der bundesweiten Auftaktveranstaltungen zum EPD 2013 am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg diskutierten Vertreterinnen und ein Vertreter von Berufsverbänden und Gewerkschaften über die Lohnfindungsprozesse im Gesundheitswesen. Bei den meisten der von ihnen repräsentierten Berufsgruppen (Hebammen, MTRA, medizinische Fachangestellte, Pflegekräfte) liegt der Frauenanteil ähnlich hoch wie bei den Apothekenangestellten. Gehaltsunterschiede zwischen  männlichen und weiblichen Kollegen sind kaum vorhanden oder zumindest nicht belegt. Dafür müssen sich alle mit einer vergleichsweise geringen Entlohnung abfinden.

Eine Ausnahme bilden die vom Marburger Bund vertretenen, angestellten und verbeamteten Mediziner. Hier ist das Gehaltsniveau insgesamt deutlich höher – hier gibt es allerdings auch eine Lohnlücke von 24 Prozent zwischen Ärztinnen und Ärzten. Um Medizinerinnen die gleichen Verdienstchancen wie ihren männlichen Kollegen zu eröffnen, muss daher vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden und ein höherer Anteil an Frauen in höhere Positionen aufsteigen.

Faire Perspektiven

„ADEXA setzt sich sowohl im Rahmen des Equal Pay Day 2013 als auch darüber hinaus für eine leistungsgerechte Bezahlung der Apothekenangestellten ein“, unterstreicht ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer. „Wir unterstützen die Forderung nach fairen Einkommensperspektiven für Frauen und Männer in allen Gesundheitsberufen. Denn nur so kann Deutschland genügend qualifizierte Fachkräfte für eine der wichtigsten Branchen der Zukunft in einer alternden Gesellschaft gewinnen und binden.“

Dr. Sigrid Joachimsthaler

*auf Basis einer Fünf-Tage-Woche

Abstand des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Frauen und Männern in Prozent (Stand 2010)

Gesamt 22
Führungskräfte 30
Akademische Berufe 28
Dienstleistungsberufe, Verkäufer 12
24 Jahre und jünger 2
25-34 Jahre  11
35-44 Jahre 24
45-54 Jahre 27
55-64 Jahre 28
65 Jahre und älter 20

Quelle: Destatis, 4.10.2012

Equal Pay Day 2013

Bereits seit 1988 wird in Amerika am Equal Pay Day auf den geschlechterbedingten Lohnunterschied (= Gender Pay Gap) aufmerksam gemacht. Rote Taschen symbolisieren dabei die „roten Zahlen“ auf den Gehaltskonten bzw. in den Portemonnaies der berufstätigen Frauen. Seit 2008 gibt es den Equal Pay Day auf Initiative der Business and Professional Women Germany (BPW) auch in Deutschland.

Die Aktionen zum EPD werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt. Mittlerweile begleiten und koordinieren eine Bundesgeschäftsstelle Entgeltgleichheit und das Berliner Forum Equal Pay Day mit Materialien und Informationsveranstaltungen die Umsetzung durch die Aktionspartner.

Anders als andere Gedenktage wie etwa der Weltfrauentag wird der Equal Pay Day nicht an einem fixen Termin begangen. Das Datum drückt vielmehr den jeweils aktuellen Entgeltunterschied zwischen den Geschlechtern aus. Darum fällt der EPD in Deutschland 2013 auf den 21. März, in anderen Ländern gelten andere Stichtage. So betrug die Lohnlücke europaweit zuletzt 17 Prozent und der European Equal Pay Day 2012 fand am 2. März 2012 statt – immerhin 15 Werktage vor dem deutschen EPD!

Traurig, aber wahr: Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern ist in keinem anderen europäischen Land so groß wie in Deutschland. In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt bei 16 Prozent. In Norwegen bekommen Frauen 8,4 Prozent und in Belgien 8,9 Prozent weniger Gehalt. Es gibt also noch viel zu tun.

Mehr Infos: www.equalpayday.de  

 

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