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14. April 2014

Geschlechtspezifische Berufswahl: Bleibt alles beim Alten?

Rund um den 21. März war der 22-prozentige Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen ein zentrales Thema in den Medien – Stichwort Equal Pay Day. Ein wichtiger Grund für die ungleichen Gehälter ist die unterschiedliche Berufswahl. Daher wurde am 27. März mit dem Girls’ Day und Boys’ Day wie in den Vorjahren versucht, Schülerinnen und Schülern Berufe näherzubringen, die gerade keine typische Frauen- bzw. Männerdomäne sind. Aus Sicht von ADEXA ist wichtig, dass Mädchen und Frauen viel mehr auf eine angemessene Bezahlung in ihrem (angestrebten) Beruf Wert legen als bisher.

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung stand auch 2013 der Beruf Verkäuferin auf dem Spitzenplatz bei den von jungen Frauen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Bei ihren männlichen Azubi-Kollegen liegt der Kraftfahrzeugmechatroniker in der Pole-Position. Die traditionelle Fixierung der Schulabsolventinnen auf ein enges Spektrum von zehn Berufen – darunter überwiegend Dienstleistungsberufe im Einzelhandel, dem Büro oder der Arztpraxis – führt direkt hinein in eine immer weiter auseinandergehende Einkommensschere zwischen den Geschlechtern – bis hin zur Rente.

„Besonders problematisch ist, dass die Tariflöhne in frauentypischen Berufen oft immer noch viel niedriger sind“, sagt dazu Christina Klenner vom WSI. Das belegen Beispiele: Verkäuferinnen beginnen in Nordrhein-Westfalen mit einem Grundgehalt von 1.629 Euro im Monat, Einzelhandelskauffrauen mit 1.818 Euro. Ein frisch ausgelernter Kraftfahrzeugmechatroniker bekommt dagegen 2.029 Euro und ein Industriemechaniker in der westdeutschen Kautschukindustrie mindestens 2.315 Euro.

Umdenken auf beiden Seite erforderlich

„Das Bild vom männlichen Familienernährer und der Frau als Zuverdienerin ist heute endgültig unbrauchbar geworden“, sagt ADEXAs Zweite Vorsitzende Tanja Kratt. „Um endlich aus dieser Schieflage zu kommen, müssen sowohl die jungen Frauen selbst als auch die Arbeitgeber umdenken. Ich kann Schülerinnen und weiblichen Studierenden nur raten darauf zu achten, welche Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten es in den verschiedenen Berufen und Branchen gibt.  Dabei sind Tarifverträge als Richtschnur und Mindestbedingungen zu sehen. Die Option, selbst übertarifliche Zulagen zu verhandeln, sollte man zusätzlich immer nutzen!“

Pflegebereich als Vorbild für die PTA-Ausbildung?

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, die Ausbildung in den Pflegeberufen künftig ohne Schulgeld ermöglichen zu wollen, hält Kratt für einen Schritt in die richtige Richtung. Wer im Gesundheitsbereich eine unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft leistet, dürfe nicht noch Geld für die Ausbildung mitbringen müssen. Das gebe hoffentlich auch einen Anstoß, die PTA-Ausbildung schulgeldfrei zu organisieren, so die ADEXA-Vorsitzende. 

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Quelle: Böckler-Impuls 06/2014

 

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