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02. Juli 2012

Häufige Wochenendarbeit stresst - Umfrage zeigt Ausmaß und Folgen

35 Prozent der Beschäftigten in Deutschland müssen regelmäßig am Samstag und/oder Sonntag arbeiten, so eine repräsentative Umfrage im Auftrag des DGB. Dabei gibt es große branchenbezogene Unterschiede. Mit 50 Prozent belegt der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen den dritthöchsten Rang, nach dem Gastgewerbe und dem Handel auf den Plätzen eins und zwei. Wochenend-Arbeit ist dabei mit überdurchschnittlich viel Hetze verbunden und einem höheren Grad an Entgrenzung (d. h. der Auflösung von Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben), mit längeren Arbeitszeiten und einem höheren Anteil an Überstunden, so zentrale Ergebnisse der Umfrage.

Bei Frauen in Teilzeitarbeitsverhältnissen liegt der Anteil derjenigen, die sehr häufig oder oft am Wochenende arbeiten, mit 41 Prozent über dem Durchschnitt.

Keine wesentlichen Unterschiede gibt es insgesamt zwischen Eltern im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen, die in Haushalten ohne Kinder leben. Dagegen findet man deutliche Abweichungen, wenn man Männer und Frauen vergleicht:

Bei alleinerziehenden Müttern beträgt der Anteil 42 Prozent, bei Single-Frauen ohne Kind 40 Prozent. Von den alleinerziehenden Vätern arbeiten nur 22 Prozent regelmäßig am Wochenende, dagegen 33 Prozent der kinderlosen, allein lebenden Männer.

Frauen, die ältere, kranke bzw. behinderte Angehörige pflegen, sind mit 40 Prozent geringfügig stärker in die Wochenendarbeit einbezogen als Frauen ohne außerberufliche Pflegeaufgaben.

Resultat: Mehrbeanspruchung  

Vergleicht man die Beanspruchung und Belastung derjenigen, die regelmäßig am Wochenende arbeiten müssen, mit der von Arbeitnehmern, die selten oder nie an Samstagen und/oder Sonntagen tätig sind, so ergeben sich deutliche Unterschiede:

  • 62 Prozent der Wochenend-Arbeiter fühlen sich sehr häufig oder oft gehetzt und unter Zeitdruck – gegenüber 46 Prozent in der Vergleichsgruppe.
  • 66 Prozent klagen über eine zunehmende Arbeitsintensivierung (bei den nicht am WE Tätigen sind es 61 Prozent)
  • 41 Prozent müssen auch außerhalb der Arbeitszeit ständig per E-Mail oder Telefon erreichbar sein (Vergleichsgruppe: 19 Prozent)
  • 23 Prozent erledigen in der Freizeit Arbeit für den Betrieb (versus 11 Prozent)
  • 40 Prozent fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten, und 45 Prozent müssen auch zu Hause an Arbeitsprobleme denken (im Vergleich: 30 Prozent bzw. 34 Prozent bei den nicht am WE Tätigen)
  • 42 Prozent sind ständig oder regelmäßig in Schichtarbeit tätig (versus 8 Prozent in der Vergleichsgruppe)
  • 32 Prozent arbeiten 10 oder mehr Überstunden pro Woche (Vergleichsgruppe: 13 Prozent)
  • 57 Prozent der Wochenendarbeiter gehen mindestens zweimal im Jahr krank zur Arbeit (versus 44 Prozent in der Vergleichsgruppe).

„Arbeit am Wochenende ist gerade im Gesundheitsbereich für viele Beschäftigte unumgänglich“, so die ADEXA-Vorsitzende Barbara Neusetzer. „Allerdings muss mit Blick auf die eindeutigen Ergebnisse der Umfrage und die Vereinbarkeit mit familiären Pflichten und sozialen Bedürfnissen der Mitarbeiter darauf geachtet werden, dass sich dieser Bereich nicht unnötig vergrößert. Ich denke hier unter anderem an die Öffnungszeiten am Samstag und Sonntag.“

Ihre Vorstandskollegin Tanja Kratt ergänzt: „Wichtig ist auch, dass diese Mehrbelastung tariflich entsprechend honoriert wird. Das ist gleichzeitig ein guter Schutz gegen unnötige bzw. übermäßige Beanspruchung der Wochenenden durch den Arbeitgeber.“

Außerdem begrüßt ADEXA die Diskussion, die ständige Erreichbarkeit von Arbeitnehmern durch den Arbeitgeber durch verbindliche Regeln auf gesetzlicher und/oder tariflicher Ebene einzudämmen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hatten sich für einen besseren Schutz der Mitarbeiter ausgesprochen.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Quelle: www.dgb-index-gute-arbeit.de 

 

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