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31. Januar 2014

Interview mit dem ADEXA-Vorstand: „Tendenz gilt auch für Apotheken“

[zum Beitrag „Ungerechte Bezahlung kann krankmachen: 46 Prozent in Ostdeutschland unzufrieden”]

Sind die Aussagen, dass in Ostdeutschland die Unzufriedenheit über ungerechte Bezahlung höher ist als im Westen, auf den Apothekenbereich übertragbar?

Tanja Kratt: „Ja, das Phänomen trifft leider auch für die Apotheken zu. So gilt in Sachsen ja schon seit 1998 kein Tarifvertrag mehr – das heißt, der Abstand zu den Gehältern, die im Westen gezahlt werden, wächst. Natürlich finden es die Kolleginnen und Kollegen in Sachsen ungerecht, dass sie sowohl bei den Gehältern als auch bei den übrigen Arbeitsbedingungen wie Anspruch auf Sonderzahlung, tarifliche Altersvorsorge, Überstundenvergütung etc. weit hinter den Angestellten im Tarifbereich des ADA hinterherhinken.

Das liegt daran, dass die Arbeitgeber sich weigern, verbindliche tarifliche Mindeststandards auszuhandeln. Mir ist völlig unverständlich, warum der Arbeitgeberverband in Sachsen nicht endlich einen strategischen Schwenk vornimmt, um die Attraktivität der Arbeitsplätze in den sächsischen Apotheken wieder zu erhöhen.

Welche Auswirkungen hat das auf den Berufsnachwuchs und das Fachkräfteangebot?

Kratt: Wir hören immer wieder Klagen von Auszubildenden darüber, dass selbst an deren Vergütungen gespart wird. Das breitet sich von Sachsen auch nach Thüringen, Sachsen-Anhalt und sogar Niedersachsen aus.

Wer als Schulabgänger einen Vergleich mit anderen Kammerbezirken oder auch anderen Branchen macht, der wird sich im Zweifel für einen anderen Ausbildungsplatz entscheiden. Und ebenso wandern zumindest die mobilen Studierenden und Arbeitnehmer in besser bezahlte Regionen und Berufsfelder ab. Das Jammern über einen derart hausgemachten Fachkräftemangel finde ich deshalb scheinheilig.

Frau Neusetzer, welche Außenwirkung hat das mit Blick auf den geplanten Mindestlohn und die Forderung nach weiteren Vergütungsmodulen wie BtM, Rezepturen etc.?

Barbara Neusetzer: Es würde mich nicht wundern, wenn in Sachsen Kolleginnen unter dem angestrebten Mindestlohnniveau bezahlt werden. Das Fehlen von Tarifverträgen hat ja gerade wesentlich mit dazu geführt, dass wir einen Mindestlohn bekommen werden – dem wir als Gewerkschaft im Übrigen positiv gegenüberstehen, denn er zeigt die Minimalbedingungen für Beschäftigte in Deutschland auf. Und das bedeutet ebenso, dass gut ausgebildetes Personal mehr verdienen muss.

Das Fehlen gültiger Tarife ist auch ein Problem der Glaubwürdigkeit der Standesführung gegenüber der Politik. Die Regierung will die Verbreitung von Tarifverträgen fördern. Wer um zusätzliche Gelder verhandelt, darf sich keine solche Blöße geben.

Ich denke hier auch an das neue Leitbild für Apotheker in öffentlichen Apotheken, das sich ABDA-Präsident Friedemann Schmidt auf die Fahne geschrieben hat und an dessen Entwicklung und Umsetzung sich möglichst viele beteiligen sollten – Apothekeninhaber wie angestellte ApothekerInnen. Nach Schmidts Vorstellungen soll dabei auch herauskommen, dass sich Schulabgänger vermehrt für ein Pharmaziestudium entscheiden und sagen können „Ja, das ist genau das Richtige für mich.“ Wenn das erreicht werden soll, dann muss sich in Sachsen auf jeden Fall etwas ändern!

Fragen: Sigrid Joachimsthaler 

 

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