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12. Juli 2014

Kampf mit der Kette: Die britische Apothekergewerkschaft PDAU hat sich mit Boots angelegt

Am Rande der EPhEU-Generalversammlung informierten Kollegen von The PDA* Union (PDAU) über die aktuelle gerichtliche Auseinandersetzung ihrer Gewerkschaft mit der Apothekenkette Boots. Es geht um die formelle Anerkennung als Vertretung der dortigen Apotheker. Das Boots-Management ist der Meinung, dass die interne Mitarbeitervertretung BPA als alleiniger Gesprächs- und Verhandlungspartner fungieren soll.

Inzwischen hat der zuständige Richter die PDAU aufgefordert, den Obersten Gerichtshof zu bitten, das derzeitige britische Recht als unvereinbar mit den europäischen Menschenrechtsvorschriften zu erklären. Dann müsste das Parlament eine Gesetzesänderung vornehmen.

Erklärtes Ziel ist, dass die Boots-Pharmazeuten ihre Arbeitsbedingungen über eine unabhängige Gewerkschaft ihrer Wahl verhandeln können. Dies sei umso dringlicher, als der US-Konzern Walgreens die Option hat, 2015 die volle Kontrolle über Boots zu übernehmen – und Walgreens ist als Gewerkschaftsgegner bekannt.

Dass Boots-Apotheker eine konzernunabhängige Vertretung brauchen, zeigen zwei Beispiele: So verlangte das Unternehmen trotz gegenteiliger Leitlinien des britischen General Pharmaceutical Councils und der Royal Pharmaceutical Society, dass die Mitarbeiter nicht zugelassene E-Zigaretten verkaufen sollten. Dabei war auch die konzerneigene BPA umgangen worden. Außerdem hatte die Kette einseitig die Sonderzahlung für Sonntagsschichten gekürzt – auch hier gab es keine Gespräche oder Verhandlungen. Dieses Vorgehen war laut Arbeitsgericht rechtswidrig.

Quintessenz: Es ist sinnvoll, am deutschen Fremdbesitzverbot festzuhalten. Und es ist offensichtlich im Interesse von Mitarbeitern wie auch Patienten, dass Arbeitnehmer von unabhängigen Gewerkschaften vertreten werden!

* PDA steht für “The Pharmacists’ Defence Association”. Die Organisation mit dem Gewerkschaftsableger “The PDA Union” (PDAU) wurde 2003 gegründet. Auslöser war ein Gerichtsverfahren um zwei junge angestellte Boots-Apotheker. Sie wurden in einem Haftungsverfahren – es ging um Falschabgabe mit Todesfolge bei einem Kleinkind – von Boots zum Bauernopfer gemacht, obwohl das Unternehmen eigentlich für ihre rechtliche Vertretung verantwortlich war. Doch dem Konzern ging es lediglich darum, im Prozess den eigenen Ruf zu wahren. Dies Verhalten rüttelte viele angestellte Apotheker wach. Inzwischen beträgt die Zahl der Mitglieder bereits 22.000. The PDA Union vertritt Apotheker in Großbritannien und Nordirland. Mehr Infos: www.the-pda.org.

 

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