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27. Juli 2013

Kindererziehungszeiten und Alterssicherung: „Eigene Rentenansprüche sind für Frauen wichtig“

Viele Frauen, gerade auch in Westdeutschland, haben Lücken in ihrer „Erwerbsbiografie“, die auf Phasen von Kindererziehung zurückgehen. Je nach deren Länge und der Art des Wiedereinstiegs (Voll- oder Teilzeit, Minijob o. ä.) sind die Aussichten für das Einkommen im Alter unterschiedlich – und zwar nicht nur für die eigenen Rentenansprüche, sondern auch für das Alterseinkommen von Ehepaaren.

Experten der Deutschen Rentenversicherung Bund und von TNS Infratest Sozialforschung haben diese Zusammenhänge analysiert. Sie gehen von der These aus, dass die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen durch Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehung erheblich eingeschränkt sind. Und da die Alterssicherung hierzulande stark vom nichtselbständigen Arbeitseinkommen abhängt, sind Frauen am Ende ihres Arbeitslebens häufig mit niedrigen eigenen Rentenansprüchen konfrontiert.

In der Untersuchung ging es um die Frage: Welche Biografiemuster gibt es bei Frauen mit Kindererziehungsphasen und wie wirken sich diese Wiedereinstiegstypen auf das Alterseinkommen der Frauen aus? Dabei wurden die Jahrgänge 1942 bis 1961 analysiert.

Unterschiede Ost und West

In den neuen Bundesländern wurden für die untersuchten Jahrgänge drei Biografietypen gefunden: der zahlenmäßig häufigste Vollzeitwiedereinstieg (53 %), der relativ seltene Teilzeitwiedereinstieg (5  %) und der Spätwiedereinstieg (42 %).

In den alten Ländern zeigen sich fünf typische Biografiemuster: neben Vollzeit- (13 %) und Teilzeitwiedereinstieg (20 %) sowie Spätwiedereinstieg (16 %) findet man einen hohen Anteil an Langzeiterziehenden (42 %), die über den größten Teil des Beobachtungszeitraums von 20 Jahren Kinder erzogen haben, und 9 %, die über geringfügige Beschäftigung wieder ins Berufsleben einsteigen.

Konsequenzen im Alter

Welches Nettoalterseinkommen die Frauen und eventuelle Ehepartner je nach Biografiemuster im 65. Lebensjahr erwarten können, wurde in einem weiteren Untersuchungsschritt berechnet.

Mit den höchsten eigenen Renten können „Vollzeitwiedereinsteigerinnen“ rechnen. Besonders im Westen liegen ihre projizierten Alterseinkommen deutlich über dem Durchschnitt. Die Autoren sprechen daher von einem „biografischen Erfolgsmodell“.

Etwas über oder um den Durchschnitt liegen Teilzeit- und Spätwiedereinsteigerinnen. Langzeiterziehende und „Minijob“-Wiedereinsteigerinnen der alten Bundesländer liegen dagegen deutlich unter dem Durchschnitt von 969 Euro (alleinstehend) bzw. 668 (verheiratet). Im Vergleich: Für den Osten betragen diese Durchschnittswerte 851 Euro (alleinstehend) bzw. 923 Euro (verheiratet).

Interessant sind die Auswirkungen auf das Nettoeinkommen von Ehepaaren im 65. Lebensjahr. So kommen Ehepaare im Westen, bei denen die Frau über geringfügige Beschäftigung einsteigt, auf ein gemeinsames Einkommen von 2.282 Euro und liegen damit sowohl unter dem Durchschnitt von 2.404 Euro als auch unter dem von Voll- und Teilzeiteinsteigerinnen (2.550 bzw. 2.544 Euro). Im Osten kommen Ehepaare beim Späteinstieg auf 1.940 Euro, bei Vollzeiteinstieg auf 2.098 Euro.

Die Autoren warnen daher: „Die Kompensation der sehr niedrigen eigenen Alterseinkommen von Frauen mit eher erwerbsfernen Biografien durch Partnereinkommen gelingt keinesfalls immer.“ Frauen, die geringe eigene Ansprüche erwerben, trügen deshalb nicht nur im Falle einer Scheidung ein höheres Risiko bezüglich einer ausreichenden Altersicherung, sondern auch in einer bestehenden Partnerschaft.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Quelle:

Dina Frommert, Thorsten Heien, Brigitte L. Loose: Auswirkungen von Kindererziehungszeiten auf Erwerbsbiografien und Alterseinkommen von Frauen. WSI-Mitteilungen 5/2013

 

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