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22. September 2012

Kommentar: Familienfreundliche Tarifverträge

Anlässlich des Weltkindertags hat sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für ein familienfreundlicheres Arbeitsrecht ausgesprochen. Das ist aus gewerkschaftlicher Sicht zu begrüßen.

Außerdem sollten die Tarifpartner „endlich mehr Zeit für Familie zum festen Bestandteil jedes Tarifvertrags machen“, so Schröder zum Wiesbadener Kurier.

In den öffentlichen Apotheken gelten die Arbeitsplätze landläufig bereits als besonders familienfreundlich, denn die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit ist gut und wird auch häufig genutzt. Doch ist das noch kein Grund, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Denn die Kehrseite der Medaille sind niedrige Einkommen in Teilzeitjobs, die keine Basis für eine auskömmlich gesetzliche Rente bieten und für die private Vorsorge ebenfalls nicht ausreichen. Dass ADEXA und ADA hier eine tarifliche Lösung für eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge geschaffen haben, ist ein guter Anfang. Doch wird das Thema Betriebsrente sicherlich in Zukunft noch einen höheren Stellenwert bekommen (müssen). In diesem Zusammenhang sind die Vorschläge der SPD für ein sogenanntes Opt-out-Modell bei der Entgeltumwandlung zu nennen. Das heißt, Arbeitnehmer müssten grundsätzlich einen Teil ihres Bruttogehalts steuer- und sozial­abgabenfrei in betriebliche Alters­vorsorge umwandeln, wenn sie dem nicht bewusst widerspre­chen. Das wäre allerdings für Men­schen mit geringen Einkommen nur durch staatliche Zuschüsse realisierbar.

Aber ehe es um Korrekturmaßnahmen für die Altersvorsorge geht, sollte zunächst die Höhe der Gehälter im Fokus stehen. Sie müssen attraktiv für Frauen und Männer sein – und für Familien mit Kindern auch dann reichen, wenn es keinen Hauptverdiener aus lukrativeren (Männer-)Branchen gibt. Hier sind neben den Arbeitgeberverbänden natürlich auch die Politiker gefragt (Stichwort Vergütung für Nacht- und Notdienst, Rezeptur und BtM) – sowie die Krankenkassen, die demnächst mit dem Deutschen Apothekerverband über den Zwangsrabatt für 2013 zu verhandeln haben.

Barbara Neusetzer
ADEXA, Erste Vorsitzende

 

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