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15. Oktober 2012

Kommentar zum Deutschen Apothekertag 2012: Die FDP und die Angestellten

Man könnte denken, dass Politikerinnen per se (mehr) Verständnis für das Thema Frauenberufe und die dort gezahlten, meist eher niedrigen Gehälter hätten. Auf dem Podium von Arbeitskreis 3 machte FDP-Gesundheitspolitikerin Gabriele Molitor aber deutlich, dass ihr die Arbeitsbedingungen und Interessen der 131.000 überwiegend weiblichen Apothekenangestellten weder bekannt sind noch besonders am Herzen liegen. Auf die kritische Nachfrage von ADEXAs Erster Vorsitzender Barbara Neusetzer, was denn konkret für die Verbesserung der Situation der Mitarbeiter geplant sei, gab es von ihr nur eine Mischung aus Plattitüde und ärgerlicher Fehleinschätzung. Mit der Stärkung der inhabergeführten Apotheke würden sich auch die Bedingungen für die Apothekenangestellten verbessern. Das setzt allerdings voraus, dass die Honorierung wirklich den Leistungen angemessen ausfallen muss – und außerdem ist ein Niederschlag in den Gehältern dann noch lange kein flächendeckender Automatismus.

Bei den Einstiegsgehältern für Approbierte zog Molitor einen Vergleich mit den Medizinern, die nach dem Studium erst  lange Assistenzzeiten durchlaufen müssten. Das führt aber völlig am Thema vorbei. Die Situation der nichtapprobierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war ihr gar kein Wort wert.

Auch den Standesvertretern auf dem Podium selbst waren leider Leistung und Gehälter der Apothekenangestellten und die damit verbundene niedrige Attraktivität der Arbeitsplätze für den pharmazeutischen Nachwuchs kein explizites Anliegen. Dabei wäre es strategisch klug, dies sowohl den Politikern als auch den Kassen in den anstehenden Verhandlungen über den Abschlag noch einmal ganz deutlich als Entscheidungshilfe mitzugeben.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

Barbara Neusetzers Frage an die Politikerrunde in Arbeitskreis 3:

Sehr geehrte Damen und Herren Politiker,

zur misslichen Situation der Apothekeninhaber wurde auf dem Apothekertag schon viel gesagt. Aber wie wirken sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf die 131.000 Mitarbeiter aus? Welche Belastungen haben sie zu tragen?

Kürzlich hat das Marktforschungsinstitut Kantar Health erschreckende Zahlen veröffentlicht:

In diesem Jahr wollen 14 Prozent aller Chefs Stellen streichen, weitere 17 Prozent haben bereits in der Vergangenheit Mitarbeiter entlassen. Und 10 Prozent greifen nach Kündigungen im letzten Jahr sogar erneut zum Rotstift – insgesamt betrifft das also vier von zehn Apotheken: Angestellte verlieren ihren Arbeitsplatz und Inhaber ihr wichtigstes Kapital. Ist das das Ziel der aktuellen Gesetzgebung?

Eine studierte Apothekerin kann im ersten Berufsjahr in einer öffentlichen Apotheke nur mit rund 3.090 Euro brutto rechnen. In forschenden Pharmaunternehmen erhalten Pharmazeuten Einstiegsgehälter von 4.000 Euro und mehr. Noch düsterer sieht esbei den anderen Berufsgruppen aus. Davon lässt sich keine Familie ernähren und dazu noch eine ernstzunehmende Altersvorsorge finanzieren! Kein Wunder, dass immer mehr KollegInnen und Kollegen in andere Branchen wechseln.

Dabei hatte Gesundheitsminister Bahr zum Amtsantritt erklärt, sich für bessere Arbeitsbedingungen aller im Gesundheitswesen Tätigen einzusetzen. Frau Molitor, welche sind das konkret im Bereich der Apothekenangestellten? Frau Bender, Frau Dr. Bunge, Herr Prof. Lauterbach und Herr Spahn, was wollen Sie zur Verbesserung der Lage der Apothekenangestellten tun?

 

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