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20. Januar 2012

Kongress „Vernetzte Gesundheit“: Ein grobmaschiges Netz

Etwas irritierend, ja irreführend erschien das Motto des Kongresses am 18. und 19. Januar in Kiel, zu dem das schleswig-holsteinische Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit 2012 zum dritten Mal eingeladen hatte: Unter dem Titel „Vernetzte Gesundheit“ würde man – jedenfalls aus pharmazeutisch geprägter Sicht – die Netzwerke aller Gesundheitsberufe verstehen. Hier wurde aber ausschließlich auf Ärzte und Pflegekräfte fokussiert.

Zwar stand das neue GKV-Versorgungsstrukturgesetz (in der Presse oft auch Landärztegesetz genannt) im Mittelpunkt vieler Rede- und Diskussionsbeiträge; leider war aber das dort als Modellvorhaben verankerte ABDA/KBV-Modell kein Thema für die anwesenden Mediziner, Experten und Politiker. Das galt im übrigen auch für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, der am zweiten Tag zu den insgesamt über 500 TeilnehmerInnen sprach. 

Trotzdem lassen sich zentrale Forderungen und Aussagen aus dem Kongress auf den Apothekenbereich übertragen.

Punkt 1: Der Fachkräftemangel ist „hausgemacht“ und rührt nicht primär von einer zu geringen Zahl an Studienabsolventen her. Vielmehr suchen sich viele Mediziner wie auch Apotheker Arbeit außerhalb ihres originären Arbeitsbereiches, weil die Arbeitsbedingungen nicht als attraktiv angesehen werden. Dabei haben es die Inhaber von Landarztpraxen und Landapotheken besonders schwer, Nachfolger zu finden, denn der heutige berufliche Nachwuchs stellt andere Anforderungen an sein Umfeld als früher (Stichworte: Arbeitsplatz für Partner/in, Kinderbetreuung, kulturelle Angebote – und familienfreundliche Arbeitsbedingungen, attraktive Gehälter etc.).

Punkt 2: Die duale Ausbildung ist nach wie vor ein Erfolgsmodell, und die Forderung aus der EU nach einer 12-jährigen Schulzeit als Ausgangsvoraussetzung für die Ausbildung in Pflege- und anderen Gesundheitsberufen geht sowohl am qualitativen wie quantitativen Bedarf vorbei. Allerdings müssen die Ausbildungsgänge nach oben durchlässig gestaltet werden. Dies ist eine Forderung, die auch ADEXA bei der Novellierung der PTA-Ausbildung gestellt hat (> Möglichkeit zur Erlangung der Fachhochschulreife).

Fazit: Ohne attraktive Arbeitsbedingungen und flexible Ausbildungsgänge, die allen Jugendlichen Chancen im Gesundheitsbereich eröffnen – vom Hauptschüler bis zum Einserabiturienten – können wir weder die Möglichkeiten ausschöpfen, die der Zukunftsmarkt Gesundheit bietet, noch den drastisch wachsenden Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen einer alternden Gesellschaft decken. Wenn ab 2025 schon jeder vierte bis fünfte Schulabgänger für den Pflegebereich gebraucht wird, müssen die öffentlichen Apotheken jetzt (!) aktiv werden, um künftig noch ausreichend beruflichen Nachwuchs zu rekrutieren.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

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