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Mehr Verantwortung braucht gute Bedingungen: Ein Gastkommentar von Elfriede Hoffmann und Susanne Fest

Ja, wir nehmen Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann (CDU) ab, dass es ihm mit der Stärkung der Apotheken vor Ort ernst ist. Seine Rede auf dem Deutschen Apothekertag hat die Bedeutung der Apotheken für die Primärversorgung unterstrichen und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dass er die Verordnung zur Apothekenreform so kurz nach seiner Vereidigung unterschrieben hat, verdient Anerkennung: Das bestärkt die Apotheken vor Ort.

Und doch bleibt an einer Stelle ein Unbehagen. Linnemann sprach von „gleich langen Spießen“ für Versandapotheken und Apotheken vor Ort. Dass ausländische Versender ihren Kundinnen und Kunden die gesetzliche Zuzahlung erlassen können, ist eine Wettbewerbsverzerrung, die beendet werden muss. Nur darf „gleich lange Spieße“ nicht heißen, dass auch die Apotheken vor Ort auf die Zuzahlung verzichten können. Das würde ihre wirtschaftliche Basis weiter schwächen und damit auch Arbeitsplätze gefährden.

Mehr Verantwortung war auch bei den pharmazeutischen Dienstleistungen ein Thema. Zusätzliche Qualifikationen und mehr Verantwortung für Approbierte und PTA begrüßen wir. Dafür müssen die Apotheken aber angemessen vergütet werden, damit sich die zusätzliche Verantwortung bei den Beschäftigten im Gehalt widerspiegelt – und nicht nur in mehr Aufgaben. Gleichzeitig sollten die Möglichkeiten, die die pDL schon heute bieten, in den Apotheken stärker genutzt werden.

Dringend vorangehen muss es auch bei der Approbationsordnung. Ihre Novellierung darf sich nicht auf eine Angleichung an EU-Vorgaben beschränken. Wir brauchen substanzielle Änderungen und mehr Praxisbezug im Pharmaziestudium. BAK-Präsident Dr. Armin Hoffmann kündigte an, nun „sehr zügig“ auf das Bundesgesundheitsministerium zuzugehen und die Beteiligten des früheren Runden Tisches wieder einzubeziehen. ADEXA war damals mit am Tisch. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Perspektive der angestellten Apothekerinnen und Apotheker auch diesmal berücksichtigt wird.

Besonders begrüßen wir den Beschluss zur Teilzeitoption im Praktischen Jahr: Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) sollen künftig ihre Arbeitszeit reduzieren können, wobei sich der Ausbildungsabschnitt entsprechend verlängert. Ein wichtiger Baustein für eine moderne Ausbildung, die unterschiedlichen Lebenssituationen besser gerecht wird – und ein weiterer Grund, die Approbationsordnung jetzt zügig zu novellieren.

Viel diskutiert wurde außerdem über Entbürokratisierung. Als Delegierte begrüßen wir das ausdrücklich und als Gewerkschafterinnen sehen wir dabei besonders die Beschäftigten: Bürokratie kostet nicht nur Geld, sondern vor allem Arbeitszeit, die im ohnehin eng getakteten Apothekenalltag anderswo fehlt. Nur muss die gewonnene Zeit dort ankommen, wo sie gebraucht wird: bei Beratung und Versorgung, nicht bei neuen, unbezahlten Zusatzaufgaben. Neue pharmazeutische Leistungen dürfen den Teams nicht einfach obendrauf gesattelt werden, ohne dass Vergütung, Personal und Strukturen mitwachsen.

Sehr gerne unterstützt haben wir auch die Resolution „Apotheken sind für alle da“. Vielfalt gehört längst zum Alltag in unseren Apotheken – bei den Menschen, die wir versorgen, ebenso wie in unseren Teams. Dazu gehört für uns, dass alle Beschäftigten unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder persönlichem Hintergrund respektiert werden. Das klare Bekenntnis zu Respekt, Toleranz, Gleichberechtigung und einem demokratischen Miteinander tut gerade jetzt gut.

Unser Fazit: Der DAT 2026 war mehr als Rhetorik. Es gab konkrete Bewegung und wichtige Signale für die Vor-Ort-Apotheken. Aber Aufbruch ist noch keine Ankunft. Ob Apotheken und Beschäftigte tatsächlich profitieren, entscheidet sich an der Umsetzung: an einer ausreichenden Finanzierung, guten Arbeitsbedingungen und daran, dass mehr Verantwortung auch entsprechend honoriert wird.

Elfriede Hoffmann, Delegierte der LAK BW
Susanne Fest, Vorstandsmitglied der BLAK