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02. Oktober 2013

Niedriglöhne im europaweiten Vergleich: Tarifbindung – ein Gewinn für Angestellte

Sozialwissenschaftler der Hans-Böckler-Stiftung haben herausgefunden, wie sich tarifgebundene Arbeitsverhält- nisse oder Mindestlöhne auf die Lohnungleichheit auswirken. Deutschland schneidet bei der Studie vergleichsweise schlecht ab.

Professor Dr. Gerhard Bosch und Dr. Claudia Weinkopf vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) stießen bei der Untersuchung von Niedriglöhnen auf erhebliche Unterschiede: In Schweden müssen lediglich drei Prozent aller Arbeitnehmer mit weniger als zwei Drittel des mittleren Lohns auskommen, in Frankreich sind es sechs Prozent, in Spanien 15 und in Deutschland 22 Prozent. Als Erklärung sehen Forscher ein Wechselspiel zwischen Tarifbindung und Mindestlohn an: In Großbritannien gilt beispielsweise nur für jeden dritten Angestellten ein Gehaltstarifvertrag, allerdings greifen gesetzliche Mindestlöhne. Frankreich wiederum hat neben Mindestlöhnen viele Tarifverträge als allgemeingültig erklärt. Und Dänemark, Schweden sowie Österreich kommen ohne gesetzliche Mindeststandards aus, da eine nahezu lückenlose Tarifbindung vorherrscht.

Deutschland: problematische Situation für Angestellte

Im Vergleich dazu bewerten Gerhard Bosch und Claudia Weinkopf die Lage von Angestellten hier zu Lande als „problematisch“: Erhielten 1998 noch 70 Prozent aller Arbeitnehmer tarifliche Zahlungen, waren es 2012 lediglich 59 Prozent. Ein allzu bekanntes Beispiel aus dem Apothekenbereich: Der Sächsische Apothekerverband (SAV) verließ  1997 den Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA). Seitdem gibt es für Apothekenangestellte im Kammerbezirk weder eine Tarifbindung noch Mindestlöhne.

Kein Auskommen mit dem Einkommen

Staatlich garantierte Mindestlöhne bewerten Bosch und Weinkopf jedoch als kritisch, diese lägen in vielen EU-Staaten deutlich unterhalb bekannter Niedriglohnschwellen. Auch seien Frauen besonders häufig betroffen, Stichwort Gender Pay Gap. Nur eine hohe Tarifbindung reduziere den Niedriglohnanteil dauerhaft, heißt es weiter.

Michael van den Heuvel

Quelle:

Gerhard Bosch, Claudia Weinkopf: Wechselwirkungen zwischen Mindest- und Tariflöhnen, in: WSI-Mitteilungen 6/2013, http://bit.ly/1fFbh3d

 

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