Pharmazie nahe an der Vollbeschäftigung – doch wer besetzt die Stellen von morgen?

Wer in Deutschland Pharmazie studiert oder als Apothekerin beziehungsweise Apotheker arbeitet, findet einen Arbeitsmarkt vor, der auf den ersten Blick kaum Wünsche offenlässt. Mit einer berufsspezifischen Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent bewegte sich die Branche weiterhin im Bereich der Vollbeschäftigung. Hinter dieser stabilen Fassade zeichnen sich jedoch erste Veränderungen ab.
Die Zahl der Erwerbstätigen in der Pharmazie entwickelte sich auch im Jahr 2025 positiv. Nach Angaben des Mikrozensus bestritten rund 100.000 Menschen ihren Lebensunterhalt als Apotheker:in (mit Approbation) oder Pharmazeut:in (beispielsweise nach einem Masterstudium). Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände weist in ihrem Statistischen Jahrbuch rund 70.000 Approbierte aus.
Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte weiter zu. Die Bundesagentur für Arbeit registrierte 2025 rund 62.000 angestellte Apotheker:innen und Pharmazeut:innen – ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden rund 1.000 neue Stellen gemeldet, sieben Prozent mehr als 2024. Im Jahresdurchschnitt waren gut 500 Stellen unbesetzt.
Apotheken bleiben der wichtigste Arbeitgeber
Der größte Teil der Beschäftigten, rund 56.000 Approbierte, arbeitete in öffentlichen Apotheken. Weitere 14.000 waren außerhalb der Offizin tätig, etwa in der pharmazeutischen Industrie, an Hochschulen, in Behörden oder Prüfinstituten. Besonders dynamisch entwickelte sich die Industrie. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2024 stieg die Zahl der dort Beschäftigten wieder auf gut 8.000.
Mehr Beschäftigung – aber auch mehr Arbeitslose
Parallel zu diesem Trend nahm die Zahl der Arbeitslosen zu. Im Jahresdurchschnitt waren rund 2.400 Apotheker:innen bzw. Pharmazeut:innen arbeitslos gemeldet – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Arbeitsmarkt bleibt damit zwar ausgesprochen aufnahmefähig, die Entwicklung verläuft jedoch nicht mehr ausschließlich in eine Richtung.
Der eigentliche Warnhinweis kommt von Hochschulen
Die auffälligste Entwicklung zeigt sich nicht auf dem Arbeitsmarkt, sondern beim akademischen Nachwuchs. Während die Studierendenzahlen in der Humanmedizin und in den Gesundheitswissenschaften seit Jahren wachsen, stagniert die Pharmazie. Im Studienjahr 2024/25 waren rund 16.000 Studierende eingeschrieben – exakt so viele wie im Vorjahr. Noch deutlicher fällt der Blick auf die Absolventenzahlen aus. Im Jahr 2024 schlossen gut 2.000 Personen ihr Pharmaziestudium erfolgreich ab – 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Falls die Zahl der Absolventinnen und Absolventen weiter nach unten geht, dürfte sich der Nachwuchsmangel verschärfen.
Fazit: Ein robuster Arbeitsmarkt mit Fragezeichen
Die Pharmazie bleibt auch im Jahr 2025 ein Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent gehört sie weiterhin zu den Berufen mit sehr guten Beschäftigungsperspektiven.
Dennoch gibt es Hinweise, dass die Entwicklung nicht mehr so verläuft wie vor einigen Jahren. Die Zahl der Arbeitslosen steigt schneller als die Beschäftigung. Andererseits kommen von Hochschulen weniger Absolventinnen und Absolventen als zu früheren Zeiten.
Michael van den Heuvel
Quellen:
Bundesagentur für Arbeit: Blickpunkt Arbeitsmarkt: Akademikerinnen und Akademiker. Juli 2026, Kapitel 2.6, online unter: https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Berufsgruppen/Generische-Publikationen/2-6-Medizin-und-Pharmazie.pdf?__blob=publicationFile
ABDA: Statistisches Jahrbuch 2025, online unter: https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/ZDF/Jahrbuch-ZDF-2025/ZDF_2025_ABDA_Statistisches_Jahrbuch.pdf
