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14. November 2013

„Pille danach“ soll rezeptfrei werden: Vertrauen in die Kompetenz der Apotheken

Der Bundesrat hat sich am 8. November für die Freigabe der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht ausgesprochen. Auch die Bundesapothekerkammer hält die Apotheke für den geeigneten Ort, um den betroffenen Frauen das Notfallkontrazeptivum schnell und sicher mit entsprechender Beratung abzugeben, und steht damit in einer Linie mit den Delegierten des Deutschen Apothekertages 2013 in Düsseldorf. Frauenärzte und CDU-Gesundheitssprecher Jens Spahn sehen dies jedoch kritisch.

Es hängt jetzt in erster Linie vom Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ab, ob dieser die Freigabe Mitte Januar in seiner Sitzung befürwortet. Danach ist die kommende Bundesregierung am Zug: Sie muss die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) entsprechend ändern. Der Bundestag muss sich dagegen nicht mit dem Thema befassen, um eine gesetzliche Änderung zu erreichen.

Frauenärzte mauern

Es geht also um die Frage, ob die künftige Koalition die Beratungskompetenz und Verantwortung der Apotheken als ausreichend einschätzt – oder sich dem Votum der Frauenärzte anschließt. Deren Berufsverband bedauert die Entscheidung des Bundesrates und traut offenbar den Apothekenteams wenig zu: „Die Mädchen und Frauen wissen ohne Beratung vielfach nicht, wann und wie sie das Medikament einnehmen sollen“, so Verbandspräsident Christian Albring.

Auch Jens Spahn, Verhandlungsführer der CDU (Union?) in der Arbeitsgruppe Gesundheit bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen, warnte vor der Befreiung aus der Rezeptpflicht: „Die Pille danach ist ein Medikament mit Nebenwirkungen und deshalb ist es richtig, dass der Einnahme eine ärztliche Beratung vorausgeht. Warum der Bundesrat das anders sieht, ist mir schleierhaft." Die SPD setzt sich dagegen schon lange für die Freigabe ein. Vermutlich würde sich eine schwarz-rote Regierung einem positiven Votum des Sachverständigenausschusses nicht verweigern können, wenn die Länder mehrheitlich für eine rezeptfreie Pille danach sind.

Notfallkontrazeptiva auf Basis von Levonorgestrel gibt es in mindestens 79 anderen Staaten weltweit rezeptfrei in Apotheken.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Zum Kommentar von Barbara Neusetzer, Erste Vorsitzende von ADEXA

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