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15. Juni 2012

Rentenaussichten der geburtenstarken Jahrgänge: Viel Arbeit, wenig Altersgeld

Im Zuge des Forschungsprojekts „Lebensläufe und Alterssicherung im Wandel“ nahmen Wissenschaftler jetzt Renten in Ost und West unter die Lupe. Zu den Verlierern der geburtenstarken Jahrgänge gehören eindeutig Frauen: Obwohl sie weitaus mehr arbeiten, bleibt eine spürbare finanzielle Verbesserung aus. Aber auch Männer mit zeitweiser Arbeitslosigkeit kommen schlechter weg.

Versicherungsmathematiker bezeichnen Personen, die zwischen 1955 bis 1965 auf die Welt gekommen sind, als geburtenstarke Jahrgänge. Wie es um die Rente dieser Versicherten bestellt ist, haben jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) und das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) untersucht.

Frauen: mehr gearbeitet – aber nicht mehr in der Tasche

Westdeutsche Frauen dieser „Babyboomer-Generation“ beschränken sich seltener als die Geburtsjahrgänge 1936-1955 ausschließlich auf Haushalt und Kinderbetreuung. Dem gegenüber stehen aber zunehmend Teilzeitstellen beziehungsweise Phasen mit Arbeitslosigkeit.

Enttäuschend: Trotz gestiegener Lebensarbeitszeit bekommen Frauen aus den Jahrgängen 1955 -1965 im Westen deshalb keine spürbar höheren Altersbezüge. Bei Arbeitnehmerinnen aus den westlichen Bundesländern werden die Rentenanwartschaften nur marginal ansteigen, nämlich von 23,4 Punkten (entspricht 643 Euro – siehe Kasten) auf 23,9 Punkte (657 Euro).

Für ostdeutsche Frauen erwarten die Forscher sogar eine geringfügige Abnahme des Rentenanspruchs: Statt wie noch bei der Kriegs- und Nachkriegsgeneration Anwartschaften von 33,8 Punkte (822 Euro) erreicht zu haben, werden es für die geburtenstarken Jahrgänge 32,3 Punkte (787 Euro) sein.

Männer: schlechtere Renten prognostiziert

Ein weiteres Fazit der Studie: Vor allem Männer geburtenstarker Jahrgänge aus Ostdeutschland dürften bei der Rente empfindliche Einbußen zu spüren bekommen – sie werden nur noch auf 32,6 Entgeltpunkte kommen, entsprechend einer monatlichen Rente von 794 Euro. Im Vergleich dazu erzielten ältere Jahrgänge noch 42,8 Entgeltpunkte bzw. 1.043 Euro pro Monat. Als Grund für diese Verschlechterung um rund 24 Prozent sehen Wissenschaftler vor allem unterbrochene Arbeitsbiographien, sprich lange Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Zum Vergleich: Männer aus den westlichen Bundesländern bleiben relativ stabil bei 48 Entgeltpunkten (1.319 Euro).

Zuschussrente: nicht immer wirkungsvoll

Zwar will die Regierung künftig mit einer Zuschussrente unterstützen, wo Hilfe gefragt ist. Vor allem ostdeutschen Männern würde das aber wenig helfen: Aufgrund zahlreicher Brüche in ihrer Erwerbsbiographie erreichen sie nicht immer die geforderten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten. Laut Anton Schaaf (SPD), Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales des deutschen Bundestages, sollte deshalb die Senkung des Rentenniveaus noch einmal kritisch überdacht werden. Der Sozialpolitiker fordert zudem, Beiträge früher als derzeit geplant wieder deutlich zu erhöhen.

„Darauf sollten sich Angestellte aber nicht verlassen“, gibt ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer zu bedenken. „Vielmehr ist Eigeninitiative gefragt, etwa durch eine zusätzliche freiwillige Entgeltumwandlung bei der tariflich festgelegten betrieblichen Altersvorsorge mit Arbeitgeberbeitrag und inklusive -zuschuss.“ Mittlerweile hätten Apothekenangestellte schon zahlreiche Verträge der „ApothekenRente“ abgeschlossen, einer Branchenlösung mit besonders guten Konditionen.

Michael van den Heuvel

Quelle: DIW Berlin, Pressemitteilung vom 6. Juni 2012

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Berechnung der Rentenanwartschaften

Der Wert eines Rentenpunktes (= Rentenwert) entspricht zurzeit 27,47  Euro (West) beziehungsweise 24,37 Euro (Ost).

Um die Höhe der tatsächlich ausgezahlten Monatsrente zu berechnen, wird der aktuelle Rentenwert mit der Zahl der erreichten Entgeltpunkte multipliziert. Wird die Rente vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze beantragt, reduziert sich der Rentenspruch durch einen sogenannten Zugangsfaktor: Er beträgt normalerweise 1 und wird für jeden Monat vorzeitigen Renteneintritts um 0,003 gesenkt (das entspricht einer Rentenminderung von 0,3 Prozent).

Über einen weiteren Faktor geht die Rentenart in die Berechnung ein: Bei der Altersrente sowie der Rente bei voller Erwerbsminderung beträgt er 1,0 und bei der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5. Auch bei den Hinterbliebenenrenten führen solche Faktoren zu Abschlägen.

Weitere Informationen zur Berechnung:

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