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19. März 2014

Streit um Bundesrahmentarifvertrag: „Nachtdienstvergütung liegt deutlich unter Mindestlohnniveau“

Nach Abbruch der Verhandlungen zum Bundesrahmentarifvertrag (BRTV) durch die Apothekengewerkschaft zieht ADEXAs Zweite Vorsitzende Tanja Kratt einen Vergleich zwischen Nachtdienstgebühr und dem geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro: Für alle Berufsjahresgruppen liegen die Vergütungsbeträge deutlich, zum Teil sogar weit darunter. Die ADEXA-Tarifkommission fordert daher, Nachtdienste wie reguläre Arbeitszeit zu honorieren.

Tanja Kratt, Leiterin der ADEXA-Tarifkommision: „Die Nachtdienstvergütung beträgt, wenn man sie auf die Stunde berechnet, zwischen 5,30 Euro und 7,90 Euro. Eine Approbierte im 5. Berufsjahr bekommt insgesamt 67,00 Euro für einen zehnstündigen Nachtdienst. Pharmazie-Ingenieurinnen und Apothekerassistentinnen erhalten selbst in der höchsten Eingruppierung ab 15. Berufsjahren lediglich 5,60 Euro pro Stunde, sprich 56 Euro für die Zeit von 22:00 Uhr bis 8:00 Uhr.“ Damit beträgt der Abstand zum künftigen Mindestlohn im letztgenannten Fall 2,90 Euro pro Stunde beziehungsweise minus 33 Prozent.

Das Argument, die angestellten Kolleginnen und Kollegen könnten ja in der Zeit schlafen, hält Kratt für nicht haltbar. „Wir wissen beispielsweise von Approbierten in Westfalen-Lippe, dass man dort gar nicht mehr zum Schlafen kommt, weil die Notdienstbereiche so zusammengefasst sind, dass laufend Betrieb ist.“ Die Notdiensträume sind darüber hinaus häufig auch schlaffeindlich und unkomfortabel. „Eine erholsame Nacht sieht mit Sicherheit anders aus!“

Pauschale nicht zweckentfremden

Mit der Notdienstpauschale hat der Gesetzgeber dieser besonderen Belastung der Apotheken Rechung getragen. „Diese Leistung muss aber auch anteilig bei denjenigen Angestellten ankommen, die diese Notdienste leisten. Sie darf von den Arbeitgebern keiner zweckfremden Verwendung zugeführt werden“, so Kratt. „Nachtdienst ist eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit, die nicht mit einem Gehalt entlohnt werden sollte, für das nicht einmal ein Schüler Nachhilfe geben würde.“

Die ADEXA-Tarifkommission fordert deshalb, die Stunden als reguläre Arbeitszeit und nicht mit Dumpingstundenlöhnen zu vergüten.

Die ADEXA-Forderung ist nicht nur plausibel, sondern auch überfällig. Bei der aktuellen Entlohnung kann man es Nachwuchsapothekerinnen und -apothekern nicht verdenken, wenn sie sich für eine Stelle in der Industrie oder Verwaltung entscheiden. Tanja Kratt: „Stichwort Leitbild: Ein inhaltlich anspruchsvolles Berufsfeld braucht auch attraktive Arbeitsbedingungen, sonst werden die Apotheken den Kampf gegen den Fachkräftemangel nicht gewinnen können.“

[siehe auch DAZ.online vom 19.3.2014 und DAZ 12 vom 20.3.2014, S. 18]

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