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01. Juni 2012

Studienergebnisse zu Führungskompetenzen: Schlechte Chefs, schlechte Karten

Eigentlich wäre die Sache ganz einfach: Mitarbeiter schätzen Vorgesetzte, die klare Ziele definieren, aber dennoch Gestaltungsspielräume im Job gewähren. Ohne entsprechende Fähigkeiten von Chefs wendet sich das Blatt, und so manch eine/r sieht sich nach beruflichen Alternativen um.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Business Education International hat gezeigt, wie die Führungskompetenz von Chefin oder Chef eine Firma beeinflusst – im Positiven oder Negativen. Dazu haben Wissenschaftler im März und April 258 Angestellte befragt, nahezu gleich viele Frauen und Männer. Ein Drittel der Studienteilnehmer kam aus Kleinbetrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern, was die Struktur öffentlicher Apotheken vergleichsweise gut abbildet.

Schlechter Führungsstil: ein Kündigungsgrund?

Auf die Frage, inwieweit Vorgesetzte mit ihrem individuellen Führungsstil die Leistungsfähigkeit von Teammitgliedern beeinflussen, antworteten 47 Prozent mit „entscheidend“ und 49 Prozent mit „erheblich“. Die Befragten stellten aber klar, Chefs müssten ständig an sich arbeiten und sich weiterentwickeln. Damit nicht genug: Entsprechen Vorgesetzte nicht den Vorstellungen, so wäre das ein Grund, konkrete Jobangebote anderer Arbeitgeber sicher anzunehmen (21 Prozent) bzw. höchstwahrscheinlich (25 Prozent). Ein weiteres Drittel würde erst einmal versuchen, sich mit der Situation zu arrangieren. Falls das nicht gelingt, geht auch hier der Weg klar in Richtung Arbeitsplatzwechsel.

Wünsche an Vorgesetzte

Doch was zeichnet gute Führungskräfte aus? Darauf antworteten 64 Prozent, klare Ziele seien von entscheidender Bedeutung. Als Wunsch gleichauf lagen Handlungsspielräume, um diese auch zu erreichen. Ohne Lob und Anerkennung für gute Arbeit (47 Prozent), fachliche Kompetenz (39 Prozent) und Fairness (33 Prozent) funktioniert es ebenfalls nicht.

Gefürchtet sind hingegen Choleriker, die ihre Launen an Mitarbeitern auslassen, sowie respektlose Chefs, die Teammitglieder vor anderen Kollegen herunter putzen, beziehungsweise Tyrannen, die ihre Macht ohne Hemmungen zur Schau stellen. Ansonsten zeigte die Untersuchung, dass Mitarbeiter vor allem eine interessante Tätigkeit schätzen, gefolgt von der Chance, eigenverantwortlich zu handeln und an Entscheidungen beteiligt zu werden. Dann wurden „Hygienefaktoren“ wie die Sicherheit eines Arbeitsplatzes, Aufstiegschancen und Weiterbildungsangebote genannt.

Mehr Kontakt suchen

Um neue Ziele zu vereinbaren, aber auch Probleme zu diskutieren, haben sich Mitarbeitergespräche bewährt. Hier besteht definitiv Nachholbedarf: Nur 45 Prozent der Befragten gaben an, entsprechende Treffen hätten in den letzten sechs Monaten stattgefunden. Bei 23 Prozent lag der Zeitpunkt mehr als ein Jahr in der Vergangenheit.

Michael van den Heuvel

Weitere Informationen

http://bit.ly/JcntmM  

 

Kommentar: Fachkompetenz allein reicht nicht

Auch für Apotheken gilt: Fachliche, d.h. in diesem Fall pharmazeutische Kompetenzen allein reichen nicht aus, um ein Apothekenteam optimal zu führen. Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, Begeisterungsfähigkeit, Motivationstalent, Gesprächskompetenz, strategisches Denken, Delegationsfähigkeit – das alles sollte in einer guten Führungskraft zusammenkommen. Auch bei Apothekenleiterinnen und Apothekenleitern!

Wer sich nicht sicher ist, ob er diese Anforderungen erfüllt, kann sich Feedback in Mitarbeitergesprächen holen – oder auch in einem Coaching bzw. einer Supervision unterstützen lassen Das ist nicht ehrenrührig! Schlimm ist höchstens, aufgrund fehlender Selbstkritik trotz wachsender Fluktuation, trotz häufiger Eigenkündigung von Mitarbeitern, trotz ungeklärter Mobbingvorwürfe im Team immer so weiter zu machen.

Schließlich geht es doch um die Patienten: Nur wenn das Arbeitsklima und die Fachkompetenz stimmen, werden sie von allen Teammitgliedern so gut beraten, wie sie es mit Recht erwarten.

Barbara Neusetzer
ADEXA, Erste Vorsitzende

 

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