News

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

31. Januar 2014

Ungerechte Bezahlung kann krankmachen: 46 Prozent in Ostdeutschland unzufrieden

Fast jeder zweite ostdeutsche Arbeitnehmer fühlt sich unterbezahlt. In Westdeutschland halten knapp 30 Prozent der Beschäftigten die eigene Vergütung nicht für gerecht. Diese verbreitete Unzufriedenheit führt zu Stress und mindert den gefühlten Gesundheitszustand der Betroffenen.

Daten von mehr als 12.000 Arbeitnehmern aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) wurden von Soziologen der Universität Bielefeld ausgewertet. Dabei ging es um die Fragen, ob sie ihre Bezahlung für gerecht halten und wie sie ihren Gesundheitszustand bewerten.

Im bundesdeutschen Durchschnitt äußerten sich mehr als ein Drittel der Befragten mit ihrem Gehalt unzufrieden. In Ostdeutschland liegt der Anteil deutlich höher: 46 Prozent der Arbeitnehmer finden, dass sie im Vergleich zu niedrig entlohnt werden. Das ist nicht verwunderlich. Denn die Tarifbindung liegt in den neuen Bundesländern deutlich niedriger als im Westen – und dort, wo es Tarifverträge gibt, sind sie teilweise immer noch weit unter Westniveau.

Niedriger Stundenlohn, hohe Unzufriedenheit

Als Maßstab gelten Kollegen, Partner oder die üblichen Gehälter in der Branche. Ein unerwartetes Ergebnis: Frauen fühlen sich offenbar nicht häufiger benachteiligt als Männer. Eine mögliche Erklärung sehen die Forscher darin, dass sie sich mit anderen Frauen vergleichen und nicht mit den meist besser bezahlten männlichen Kollegen.

Wenig überraschend spielt dagegen die absolute Höhe des Gehalts eine wichtige Rolle: Wer brutto unter 8,50 Euro pro Stunde erhält, fühlt sich mehrheitlich ungerecht entlohnt. Von denen, die über 25,50 Euro bekommen, sind es nur knapp 15 Prozent.

 Quelle: Schunck, Sauer, Valet 2013

Unzufriedenheit als Gesundheitsrisiko

Die Wissenschaftler wiesen in ihrer Studie außerdem auf einen Zusammenhang zwischen dem Gefühl, ungerecht bezahlt zu werden, und der Bewertung des eigenen Gesundheitszustands hin: Während von den Zufriedenen rund 61 Prozent ihre Gesundheit als gut bezeichneten, waren es bei den Unzufriedenen nur 57 Prozent. Diese Tendenz erklären die Forscher mit dem Stress, den eine solche empfundene Ungerechtigkeit auslöst. Der wiederum könne zu körperlichen und seelischen Erkrankungen führen. Da ein geringes Einkommen ohnehin mit einem erhöhten Risiko für die Gesundheit verbunden ist, würden die Folgen durch erlebte Ungerechtigkeit noch verschärft.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

Zum Interview mit dem ADEXA-Vorstand: „Tendenz gilt auch für Apotheken“

 

Quelle:

R. Schunck, C. Sauer, P. Valet: Macht Ungerechtigkeit krank? Gesundheitliche Folgen von Einkommens(un)gerechtigkeit, WSI-Mitteilungen 8/2013, in: Böckler Impuls Ausgabe 01/2014

 

Was ist das SOEP?

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die bereits seit 30 Jahren läuft. Im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) werden jedes Jahr in Deutschland über 20.000 Personen aus rund 11.000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten geben Auskunft zu Fragen über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit. Weil jedes Jahr die gleichen Personen befragt werden, können langfristige soziale und gesellschaftliche Trends besonders gut verfolgt werden.

Quellen: DIW, www.diw.de/deutsch/soep/26628.html

 

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>