Urlaubsgeld: Tarifbindung macht den Unterschied

Die Sommerferien stehen vor der Tür, doch Reisen und Freizeitaktivitäten werden immer teurer. Umso wichtiger ist das Urlaubsgeld. Eine aktuelle Auswertung des WSI zeigt jedoch: Nicht einmal jeder zweite Beschäftigte in der Privatwirtschaft erhält diese Sonderzahlung. Deutlich bessere Chancen bestehen bei tarifgebundenen Arbeitsverhältnissen.
Nur 44 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft erhalten in diesem Jahr Urlaubsgeld. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis der Angaben von rund 50.000 Beschäftigten. Besonders deutlich wird dabei die Bedeutung von Tarifverträgen: Während 73 Prozent der tarifgebundenen Beschäftigten Urlaubsgeld bekommen, sind es ohne Tarifvertrag lediglich 35 Prozent.
Für ADEXA ist das ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig tarifliche Regelungen für gute Arbeitsbedingungen sind. Neben höheren Löhnen sichern Tarifverträge häufig auch zusätzliche Leistungen wie Urlaubsgeld und längere Erholungszeiten ab.
Große Unterschiede zwischen Branchen und Betrieben
Auch die Betriebsgröße spielt eine Rolle. In Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten erhalten 61 Prozent Urlaubsgeld, in kleineren Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten dagegen nur 37 Prozent. Zudem profitieren Beschäftigte in Westdeutschland häufiger als im Osten.
Wie hoch das Urlaubsgeld ausfällt, hängt von Branche und Tarifvertrag ab. Die Spannweite reicht von wenigen hundert Euro bis zu mehreren tausend Euro. Besonders dort, wo Gewerkschaften über Jahre starke Tarifabschlüsse durchsetzen konnten, fallen die Sonderzahlungen deutlich höher aus.
Mehr Urlaubstage dank Tarifvertrag
Tarifverträge bringen jedoch nicht nur finanzielle Vorteile. Während das Bundesurlaubsgesetz bei einer Fünf-Tage-Woche lediglich 20 Urlaubstage vorsieht, gelten in vielen Tarifverträgen 30 oder mehr Tage Jahresurlaub als Standard (für öffentliche Apotheken siehe Tarifverträge zwischen ADEXA und den Arbeitgeberverbänden).
Angesichts steigender Lebenshaltungskosten gewinnen solche Leistungen zunehmend an Bedeutung. Die WSI-Auswertung zeigt auch, dass die Tarifbindung in Deutschland seit Jahren zurückgeht. Waren Mitte der 1990er Jahre noch rund 80 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden, sind es heute nur noch knapp die Hälfte.
Tarifbindung – wichtiger denn je
Die aktuelle WSI-Auswertung zeigt, wie wichtig tarifliche Regelungen sind: Beschäftigte ohne Tarifbindung sind häufig auf freiwillige Leistungen ihrer Arbeitgebenden angewiesen und erhalten deutlich seltener Urlaubsgeld oder vergleichbare Zusatzleistungen.
Michael van den Heuvel
Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 16. Juni 2026, https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-nur-44-prozent-der-beschaftigten-erhalten-urlaubsgeld-77245.htm
