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16. Juli 2018

VdPP: "Kniefall vor dem Altar des Marktes"

Die Monopolkommission, der Dinosaurier aus der Zeit der totalen Marktgläubigkeit, hat es wieder getan: Der Wettbewerb soll es richten und zugleich für flächendeckende Versorgung, günstige Preise für Verbraucher und Krankenkassen und dabei für gute Versorgungsqualität sorgen. Mehr Preiskampf, mehr Selektivverträge, weniger politische Gestaltung lautet das immer gleiche Credo der „Wettbewerbshüter“. 

Die Erfahrung in der Vergangenheit lehrt jedoch das Gegenteil. Mehr Wettbewerb bringt mehr Konzentration, statt flächendeckende Versorgung. Lukrative Standorte mit kaufkräftigem Klientel und viel Laufkundschaft werden das Rennen machen, während Kiez- und Landapotheken das Nachsehen haben werden. Masse statt Klasse wird noch mehr als heute der Anreiz sein und die Versorgungsqualität wird darunter leiden.

Um dem entgegenzuwirken schlägt die Monopolkommission wieder einmal den Wegfall der einheitlichen RX-Preise, den Wegfall des fixen Großhandelszuschlags, die Förderung des Versandhandels sowie de facto eine Honorarkürzung vor. Dafür sollen die Patientinnen und Patienten künftig für Beratungsleistungen zahlen – oder sich eben für Rabatte und entsprechend schlechtere Beratungsleistungen „entscheiden“ können. Es liegt auf der Hand, dass arme Menschen kaum eine Wahl haben und im Zweifel zu vermeidbaren Arzneimittelschäden wegen fehlerhafter Anwendung verurteilt sind. Auch die zu beobachtende soziale Schieflage bei Arzneimittelmissbrauch von Nasensprays bis hin zu Schlafmitteln dürfte sich mit den vorgeschlagenen Regelungen verschärfen. Wenn Landapotheken ohnehin wegen fehlender Ärztinnen und Ärzte zu kämpfen haben und nun zudem mit der nächsten Centerapotheke und den Versandapotheken um RX-Rabatte bei den Krankenkassen konkurrieren, sieht es für die flächendeckende Versorgung gerade in ohnehin strukturschwachen Regionen sehr finster aus. 

Gesundheitsversorgung muss dazu beitragen, die Folgen sozialer Unterschiede abzuschwächen. Der Zugang zu guter Versorgung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Marktmechanismen führen jedoch immer zu einem Anstieg, und nicht zu einer Reduktion der sozialen Kluft. Doch von solchen Erwägungen ist die Monopolkommission offenbar nicht beeinflusst. So schaffen die Wettbewerbsschützer genau die Probleme, die sie in kommenden Gutachten dann unter die Lupe nehmen können. 

Florian Schulze für den VdPP

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