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24. Januar 2014

Vision und Mission für die „Apotheke der Zukunft“: Leitbild-Konferenz der Apothekerkammer Hamburg

Eine lange und lebhafte Diskussion entspann sich nach dem einführenden Referat von ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold am 23. Januar im Hörsaal der Pharmazie in Hamburg. Die Apothekerkammer hatte ihre Mitglieder zu einer Veranstaltung eingeladen, mit der auf die Online-Befragung zum neuen Leitbild aufmerksam gemacht werden sollte.

Im Vergleich zu den Kammerversammlungen, die sich mit dem Thema der Hamburger Kammergebühren befassten, war die Resonanz leider etwas gering. Dafür diskutierten die rund 30 Teilnehmer aber sehr offen und angeregt. Arnold ging in seinem Vortrag zunächst auf die Gründe ein, warum es gerade jetzt notwendig sei, neue „Leitplanken“ für die öffentlichen Apotheken zu setzen. Die Veränderungsprozesse im deutschen Gesundheitswesen fänden sonst ohne aktive Beteiligung der Apotheker statt. Genannt wurden hier u. a. die Stichworte demografischer Wandel, ein branchenübergreifender Wettbewerb um Berufsnachwuchs, Konsumententrends wie eine wachsende Individualisierung („mein persönlicher Berater“), Globalisierung und Urbanisierung.

Die Strategie, seine Privilegien passiv zu verteidigen, so wie es in der Vergangenheit den Apothekern oft vorgeworfen wurde, sei daher zum Scheitern verurteilt. Das angestrebte neue Leitbild müsse ein „realistisches Idealbild der Zukunft“ sein, so Arnold. Es vereine eine Vision und daraus abgeleitete Missionen. Seine Funktionen sieht der ABDA-Vize wie folgt:

  • Orientierung gegenüber Politik und Gesellschaft
  • Grundlage für Entscheidungsprozesse
  • Rahmen für Verhandlungen (Honorare, ordnungspolitischer Rahmen)
  • Leitlinie für Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • Definition der Rolle im Zusammenspiel mit anderen Heilberufen
  • Leitplanken für ABDA, Kammern und Verbände, Ausschüsse …

Die Alternativen – zum Beispiel ein „Gesundschrumpfen“, eine Deprofessionalisierung  zum „Gesundheitsverkäufer“ oder das Prinzip Hoffnung – könne niemand ernsthaft wollen. Mit dem neuen Leitbild soll der Berufsstand gesichert werden; es gehe nicht um Veränderung um des Veränderns willen. Um eine neue Vision zu entwickeln, müsse man allerdings seine Apothekentür einmal zumachen und eine Position mit Weitblick einnehmen.

Arnold nannte folgende Aspekte, die im Leitbild berücksichtigt werden sollten:

  • Der Patient in der Apotheke: Mitwirkung und Mitbestimmung
  • Die Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem und der Gesellschaft
  • Die Leistungen der Apotheke
  • Der Apotheker im Netzwerk mit anderen Heilberufen
  • Das Team in der Apotheke: Wissen und Kompetenzen
  • Die Apotheken zwischen Versorgungsauftrag und Unternehmertum

Der Ablauf

Konkret startet am 1. Februar die Online-Befragung (s. u.); im März werden auf Kammerebene die Ergebnisse ausgewertet und an die ABDA geleitet, die dazu im April einen Konvent abhält. Eine weitere zweiwöchige Online-Aktion für alle Kammermitglieder bietet die Option, die dann entstandene Synopse zu kommentieren. Auf dem Apothekertag am 17. September in München ist die Vorstellung und Verabschiedung geplant. Der Prozess sei jedoch keine Abstimmung oder repräsentative Befragung, so der ABDA-Vize.

Kontrovers diskutiert wurde im Anschluss die Frage, inwieweit Wünsche und Ideen anderer Akteure (Patienten, Selbsthilfegruppen, Kassen, andere Heilberufe u. a.), aber auch Bevölkerung insgesamt in das Leitbild einfließen sollten – Stichwort Marktforschung. Es sei wichtig, sich externe Unterstützung zu suchen, die die Ziele der Apotheker mit trügen, so ein Einwand aus dem Publikum.

Außerdem ging es um die Frage, wie konkret ein Leitbild sein solle. So könnten falsche Erwartungen in der Politik geweckt werden, wenn Visionen mit bereits erfüllbaren Ansprüchen verwechselt würden. Auch die Frage von Konsequenzen bzw. Sanktionen beim Verstoß gegen das Leitbild wurde angesprochen. Die Compliance der Apotheker mit dem neuen Leitbild wird sicher eine der zentralen Fragen sein, die dessen Erfolg oder Misserfolg ausmacht.

Hinterfragt wurde auch der straffe Zeitablauf. Die Apotheker hätten aktuell ein Zeitfenster, das sich für eine solche Diskussion und Zukunftsbestimmung eigne, entgegnete Arnold. Schon 2015 könne sich dieses Fenster wieder schließen.

Als schwierig erwies sich mehrfach die Abgrenzung von Berufsbild und Leitbild. Überhaupt wurde der Begriff Leitbild als zu normativ und ausgrenzend kritisiert. Dazu versprach Arnold: „Es wird nicht Leitbild 2030 heißen!“ Im Publikum kam der Name „Apotheke der Zukunft“ dagegen gut an.

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

Bitte beteiligen Sie sich!

Alle angestellten ApothekerInnen sind aufgerufen, sich an der dreiwöchigen Online-Befragung und -Diskussion ab 1. Februar zu beteiligen. Es ist kein Leitbild allein für die Selbstständigen, wie auch der Hamburger Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen betonte.

Als Approbierte/r* erhalten Sie ein entsprechendes Anschreiben mit den Zugangsdaten für die Seite www.leitbildprozess.de, die am 1.2.2014 startet. Nutzen Sie diese Möglichkeit zur berufspolitischen Mitwirkung und Mitbestimmung unbedingt aus!

Die Online-Plattform besteht aus zwei Teilen: Zum einen gibt es geschlossene Fragen, zum anderen ein offenes Diskussionsforum für die jeweilige Kammer. Dort können Sie unter Ihrem Klarnamen mit anderen Kammermitgliedern diskutieren und Ihre Anregungen, Fragen und Kommentare einbringen. Die Moderation bezieht sich dabei ausschließlich auf das Einhalten der Netiquette. 

* Inwieweit auch die Pharmazeuten im Praktikum in die Umfrage einbezogen werden, hängt von der jeweiligen Kammer ab.

 

Zitiert

"2030 werden 630.000 Fachkräfte im gesamten Gesundheitssektor fehlen. Wir werden also effizienter arbeiten müssen."

"China wird als Markt für Arzneimittel massiv wachsen. Werden die Pharmafirmen in Zukunft überhaupt noch für die Europäer forschen und produzieren?"

ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold

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