News

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

08. Dezember 2013

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends: Wenig Geld, belastende Arbeitssituationen

Die Hans-Böckler-Stiftung berichtet regelmäßig über Entwicklungen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Aktuelle Zahlen zeigen, wohin sich Arbeitswelt, Familie und Gesundheit bewegen. Ganz klar: An vielen Stellen ist staatliches Handeln dringend erforderlich – eine Botschaft an die künftige Regierung. Aber auch die Arbeitgeber sind gefragt.

Fair bezahlte Jobs und Chancen für alle Menschen – von diesen Idealvorstellungen ist Deutschland weit entfernt. Das zeigen aktuelle Trend-Tableaus im Magazin „Böckler Impuls“. Einige Beispiele:

Zwischen frustrierenden Einkommensverhältnissen …

Nach wie vor gehen Kinder zu Lasten der beruflichen Karriere, heißt es vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Hatten Frauen ohne Nachwuchs im Schnitt 1.940 Euro Nettoeinkommen zur Verfügung, so waren es bei Müttern mit Kindern unter zwölf Monaten lediglich 1.460 Euro. Ein nicht unerheblicher Aspekt, da Geld sehr wohl zur Zufriedenheit beiträgt. Laut Eurofound, einer EU-Stiftung zur Analyse und Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, beschreiben sich im obersten Einkommensviertel 34 Prozent der Befragten als glücklich, im untersten Einkommensviertel aber nur 20 Prozent.

Für Menschen ohne Job ist die Frage nach dem Glück fast schon zynisch: 63 Prozent sind auf Unterstützung durch Arbeitslosengeld II angewiesen. Mehr als 435.000 Arbeitslose gelten sogar als „arbeitsmarktfern“ und haben keine realistischen Chancen, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Sie bräuchten maßgeschneiderte Förderprogramme, um fehlende Kompetenzen zu erwerben. Wissenschaftler der Hochschule Koblenz kritisieren, es sei unhaltbar, dass fast nur noch Ein-Euro-Jobs von der öffentlichen Hand gefördert würden.

… und belastenden Jobs

Doch zurück zum Arbeitsmarkt: Wer Schichtarbeit leisten muss, hat darunter oft physisch und psychisch zu leiden, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Rund 16 Prozent aller Befragten gaben an, es gehe ihnen gesundheitlich weniger gut beziehungsweise schlecht. Im Vergleich dazu waren es bei Beschäftigten mit normalen Arbeitszeiten nur 12,5 Prozent.

Aussicht auf Entlastung ist nicht in Sicht: Während der Wirtschaftskrise haben elf der 33 OECD-Mitgliedsorganisationen bei Gesundheitsausgaben den Rotstift angesetzt. Besonders stark betraf dies  medizinische Präventionsprogramme; hier haben 2011 sogar drei von vier Ländern Kürzungen vorgenommen. Menschen mit niedrigen Einkommen leiden unter den Einsparungen generell am meisten.

Auch in Deutschland, das von der Krise nicht so schwer betroffen war, hat die Gesundheitsvorsorge noch nicht den notwendigen Stellenwert. Arbeitgeber seien in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass sie pro Mitarbeiter und Jahr 500 Euro lohnsteuerfrei in Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren dürfen.

Gestaltungsspielräume nutzen

Zum Beruf selbst gehören auch Möglichkeiten der Mitbestimmung. In Firmen stieg die Zahl an Euro-Betriebsräten laut Zahlen des Europäischen Gewerkschaftsinstituts von 753 (2000) auf nunmehr 1.048. Europäische Betriebsräte sind die Antwort von Arbeitnehmervertretern auf zunehmende Globalisierungstendenzen der Wirtschaft. Sie vertreten Interessen von Beschäftigten in multinationalen Unternehmen und Konzernen. Mehr als 300 sind in der Metall- und Elektroindustrie, den textilen Branchen und in der Holz- und Kunststoffindustrie aktiv. Zusammen mit Gewerkschaften setzen sie sich für Arbeitnehmerinteressen ein. Im Apothekenbereich sind zwar keine EU-Betriebsräte nötig, aber gerade für größere Apotheken kann solch ein Gremium die Organisation und Personalführung deutlich erleichtern (siehe Interview in DAZ 47, S. 95).

Michael van den Heuvel

Weitere Infos beim Bundesministerium für Gesundheit: Zur Homepage...

 

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>