News

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>

14. Februar 2014

WSI-Studie zeigt aktuelle Tendenzen: Niedriglohn-Sektor schrumpft

Immer weniger Angestellte erhalten im Rahmen ihrer tariflichen Vergütung Stundenlöhne unter 8,50 Euro. Jeder zehnte Arbeitnehmer muss aber nach wie vor mit Niedriglöhnen unterhalb des geplanten gesetzlichen Mindestlohns zu Rande kommen.

Das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung untersucht in regelmäßigen Abständen, wie sich Löhne und Gehälter entwickeln. Als Datenbasis dienen 4.750 Vergütungsgruppen aus 40 Branchen. Jetzt hat das Tarifarchiv neue Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass der Niedriglohnsektor kontinuierlich schrumpft.

Untergrenze etabliert sich

Die Details: Im März 2010 erhielten 16 Prozent aller Beschäftigten Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro, im Dezember 2012 waren es noch 11 Prozent. Ein Jahr später sank der Anteil auf 10 Prozentpunkte.

Immerhin sehen 90 Prozent der Vergütungsgruppen aus DGB-Tarifverträgen Stundenlöhne von 8,50 Euro und mehr vor. Bei 79 Prozent beträgt die Untergrenze sogar 10 Euro, und bei 12 Prozent sind es 20 Euro.

Bleiben aber noch 10 Prozent aller Beschäftigten, die weniger als 8,50 pro Stunde erhalten. Sie arbeiten meist in der Landwirtschaft, der Floristik, dem Erwerbsgartenbau, dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Friseurhandwerk, dem Bewachungsgewerbe, in Gebäudereinigungen oder im Fleischerhandwerk. Genaue Zahlen, um wie viele Mitarbeiter es sich hier handelt, liegen jedoch nicht vor.

Ost-West-Gefälle

„Die niedrigen Vergütungsgruppen sind auch ein Ost/West-Problem“, heißt es im WSI-Niedriglohn-Monitoring 2013. Vergütungsgruppen unterhalb von 8,50 Euro würden mehrheitlich in ostdeutschen Tarifbereichen gelten. Dort liegt ihr Anteil bei 27 Prozent, in Westdeutschland dagegen nur bei 6 Prozent.

Aussicht auf Mindestlohn belebt Tarifverhandlungen

Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs, spricht generell von einer „positiven Entwicklung“, die zeige, dass Gewerkschaften die Situation im Niedriglohnsektor aus eigener Kraft deutlich verbessert hätten. „Dabei hat sicherlich geholfen, dass der von den Gewerkschaften seit langem geforderte und nun endlich beschlossene allgemeine gesetzliche Mindestlohn den Druck auf die Arbeitgeberverbände erhöht hat.“

Michael van den Heuvel

Quelle: R. Bispinck/WSI-Tarifarchiv, Tarifliche Vergütungsgruppen im Niedriglohnbereich 2013. Eine Untersuchung in 41 Wirtschaftszweigen, in: Elemente qualitativer Tarifpolitik, Nr. 77, Düsseldorf, Januar 2014. Download: http://bit.ly/1iCmUX0

 

zurück zur Übersicht AKTUELLES >>