Zum Equal Pay Day: Fortschritte bei Einkommen – strukturelle Ungleichheiten bleiben

Anlässlich des Equal Pay Days am 27. Februar zeigt eine Studie, wie ungleich Frauen und Männer in Deutschland weiterhin gestellt sind. Zwar haben sich Einkommens- und Rentenlücken etwas verringert. Doch bei Arbeitszeiten, Erwerbsbeteiligung und der Verteilung von Sorgearbeit gibt es kaum Bewegung – insbesondere in Familien mit Kindern.
Was hat sich im Berufsleben von Frauen und Männern tatsächlich verändert? Dieser Frage sind Dr. Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung sowie Svenja Pfahl und Eugen Unrau vom Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) nachgegangen. Grundlage ihrer Analyse sind knapp 30 Indikatoren aus dem WSI-Genderdatenportal.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Trotz einzelner Fortschritte bestehen weiterhin deutliche Geschlechterunterschiede – besonders dann, wenn Kinder im Haushalt leben.
Einkommen und Erwerbsbeteiligung
Ein Blick auf die Details: Der Gender Pay Gap liegt seit 2024 nahezu unverändert bei 16 Prozent. Zwar hat sich die Einkommenslücke im Vergleich zu früheren Jahren leicht verringert, sie bleibt jedoch deutlich über dem EU-Durchschnitt von 12 Prozent.
In Deutschland verdienen Frauen bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation durchschnittlich 4,10 Euro pro Stunde weniger als Männer. Zudem erzielen vollzeitbeschäftigte Frauen deutlich häufiger niedrige Einkommen: Sie verdienen 1,5-mal so oft wie Männer weniger als 2.530 Euro brutto im Monat. Diese Unterschiede wirken langfristig fort und prägen die gesamte Erwerbsbiografie.
Auch bei der Erwerbsbeteiligung zeigt sich ein seit Jahren unveränderter Abstand. Frauen sind weiterhin zu 7 bis 8 Prozentpunkten seltener erwerbstätig als Männer. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Elternschaft: Väter sind deutlich häufiger erwerbstätig als Mütter. In Paarhaushalten mit Kindern ist das Modell des männlichen Alleinverdieners doppelt so verbreitet wie bei kinderlosen Paaren. Eine gleichmäßige Vollzeitbeschäftigung beider Partner findet sich vor allem in Familien ohne Kinder.
Arbeitszeit und Belastung
Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit, bei Männern ist es nur etwa jeder achte. Der Gender Working Time Gap beträgt aktuell 7,5 Stunden pro Woche. Dieser Begriff beschreibt den Unterschied in der durchschnittlich geleisteten Arbeitszeit von Frauen und Männern.
Besonders betroffen sind Mütter. Sie arbeiten 1,7-mal häufiger in Teilzeit als Frauen ohne Kinder. Männer mit Kindern reduzieren ihre Arbeitszeit hingegen seltener als kinderlose Männer.
Erwerbstätige Eltern leisten insgesamt rund 60 Stunden Arbeit pro Woche. Bei Müttern besteht diese Arbeitszeit zu etwa 60 Prozent aus unbezahlter Haus- und Sorgearbeit, bei Vätern zu rund 60 Prozent aus bezahlter Erwerbsarbeit. Entsprechend berichten Frauen häufiger von Zeitdruck, Arbeitsunterbrechungen und emotionaler Belastung im Beruf – nicht zuletzt, weil sie überdurchschnittlich oft in sozialen, erzieherischen und dienstleistungsnahen Tätigkeiten arbeiten.
Sorgearbeit und Zeitkonflikte
Frauen übernehmen rund zwei Drittel der Kinderbetreuung. Mütter investieren 1,8-mal so viel Zeit in Haus- und Sorgearbeit wie kinderlose Frauen. Diese ungleiche Verteilung prägt auch die Wahrnehmung: Männer empfinden die Zeit mit ihren Kindern häufiger als zu kurz, während Mütter ihre Erwerbsarbeitszeit als unzureichend bewerten.
Grundsätzlich wünschen sich beide Geschlechter kürzere Erwerbsarbeitszeiten. Frauen möchten ihre Wochenarbeitszeit im Schnitt um 3,8 Stunden reduzieren, Männer sogar um 4,4 Stunden. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei vollzeitbeschäftigten Eltern – bei Müttern ebenso wie bei Vätern.
Auch beim Elterngeld zeigt sich ein klares Ungleichgewicht: Nahezu alle Mütter, aber nur knapp die Hälfte der Väter nehmen es in Anspruch. Mütter beziehen überwiegend zehn bis 14 Monate Elterngeld, Väter meist lediglich zwei Monate. Zudem fällt der Elterngeldanspruch von Müttern häufig geringer aus, da sie vor der Geburt öfter in Teilzeit gearbeitet und weniger verdient haben.
Späte Folgen der Gender-Unterschiede
Die Unterschiede im Erwerbsleben setzen sich bis ins Alter fort. In 2023 erhielten Frauen durchschnittlich 43 Prozent weniger Alterssicherung als Männer. Die Studie zeigt zudem, dass Erwerbstätige mit Sorgeverantwortung – insbesondere Frauen – häufig Diskriminierung erfahren, etwa während Schwangerschaft, Elternzeit, Pflegephasen oder beim Wiedereinstieg in den Job.
mvdh
Quellen
- Lott, Yvonne; Pfahl, Svenja; Unrau, Eugen (2026): Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland. Auswertung von knapp 30 Indikatoren auf Basis des WSI-Genderdatenportals. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung und Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra), Düsseldorf / Berlin; online
- Website Equal Pay Day


