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24. August 2020

Corona-Kinderbonus - gut gemeint. Kommentar von ADEXA-Vorstand Andreas May

Macht es Sinn, einen kleinen Geldregen über allen Familien auszuschütten – denen in prekären finanziellen Verhältnissen ebenso wie den wohlhabenden? 4,3 Milliarden Euro, das ist nicht wenig. Aber pro Kind sind 300 Euro wiederum nicht so viel, gerade wenn man die Belastungen der Familien in den letzten Monaten bedenkt. Ein Laptop, das den Anforderungen eines digitalen Unterrichtes genügt, ist damit kaum zu stemmen. Und ein Ausgleich für das Homeschooling, das viele Eltern und Kinder an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hat, ist mit 300 Euro auch nicht zu schaffen.

Also doch vor allem eine Konsumankurbelung, die mehr der Wirtschaft zugutekommt (die es zugegebenermaßen in manchen Branchen bitter nötig hat), als dass sie die Familien nachhaltig stärkt? Dann ist zu hoffen, dass nicht nur die Online-Bestellungen bei Corona-Profiteuren wie Amazon noch weiter steigen …

Andererseits ist der Auszahlungsmodus unbürokratisch. Denn komplizierte Anträge mit Einkommensnachweis halten ja doch vor allem diejenigen ab, die das Geld am meisten brauchen. Und der Staat kann hoffen, dass er sich das Geld über die Einkommenssteuer von denen zurückholt, die es nicht nötig haben.

Was mir generell fehlt, ist ein starker Fokus auf die Unterstützung von Betreuungseinrichtungen, Kitas und Schulen. Für einzelne Großkonzerne wie die Lufthansa sind etliche Milliarden möglich. Für kostenfreies, gesundes Mittagessen für Kinder aus sozialschwachen Familien, für die Ausstattung der Schulen (ja, das ist leider weitgehend Ländersache), für den Ausbau von kostenloser Kinderbetreuung muss noch viel mehr gemacht werden. Das sind echte Investitionen in die Zukunft unseres Landes, die sich auf jeden Fall rentieren. Wir müssen jetzt die Gelegenheit nutzen, um die Weichen für eine kinder-, familien- und klimafreundliche Gesellschaft zu stellen! Dazu ist mehr nötig als ein Kinderbonus, dessen Wirkung schnell verpufft.

Andreas May
ADEXA-Vorstand

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